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Test: IL-2 Sturmovik Forgotten Battles - Historische Flugsim

Motoren-Feineinstellungen und Flugzeugkonfigurationen selbst justierbar. Das Stand-alone-Spiel IL2 Sturmovik Forgotten Battles, das ursprünglich einmal als Add-On für die Vorgänger-Flugsimulation IL2 Sturmovik angekündigt und mehrmals verschoben wurde, enthält nun 31 neue spielbare Flugzeuge zuzüglich derer, die schon in der ersten Version enthalten waren. Dazu gehören russische, deutsche, finnische, ungarische und amerikanische Flugzeugtypen aus dem Zweiten Weltkrieg mit verschiedenen Tarnanstrichen und Lackierungen zu verschiedenen Jahreszeiten.
/ Andreas Donath
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Im Spiel enthalten sind 20 neue Einzelspielermissionen und drei neue Kartengebiete von Finnland, Ungarn und der Ukraine. Eine neue Kampagne spielt in Finnland und verwendet auch die finnische Truppenstruktur. Die Golf-von-Finnland-Karten beinhalten einen Bereich, der sich über die Städte Helsinki (Hauptstadt Finnlands), Tallin (Hauptstadt Estlands), Leningrad (mittlerweile wieder St. Petersburg), den finnischen Golf, Kronstadt und andere Inselgruppen und den großen See Ladoga erstreckt. Die Städte Helsinki und Leningrad wurden mit Kartenmaterial von 1939-1940 eingerichtet und enthalten eine Vielzahl an historischen Gebäuden und Objekten.

Dazu kommt ein dynamisches Kampagnensystem, das Frontverschiebungen anhand der Leistungen des Spielers berücksichtigt. Der historische Gesamtausgang des Krieges wird davon aber nicht beeinflusst, d.h. letztlich gewinnt immer die "richtige" Kriegspartei.

Die dynamischen Kampagnen werden automatisch generiert und der Spieler kann seine Nationalität, Einheit und sein Flugzeug auswählen. Der Spieler kann ebenfalls entscheiden, wann er den Kriegsschauplatz betreten möchte. Nachdem die Mission abgeschlossen ist, werden die Ergebnisse angezeigt und eine neue Mission erzeugt – abhängig von den Ergebnissen der vorausgegangenen Mission. Mit dem Geschwadermanagement können jedem Piloten Namen, Fotos und ein Dienstgrad zugewiesen werden. Zudem werden Auszeichnungen und Abschüsse vermerkt. Je mehr Kämpfe ein mitfliegender KI-Pilot erfolgreich besteht, desto besser wird er.

Zu den neuen Features gehören nächtliche Flakscheinwerfer, Barriere-Ballons sowie neue Großschiffe, inklusive des Schlachtschiffs Marat, der Kreuzer Aurora und Kirov sowie des deutschen Kreuzers Niobe und vielen weiteren Objekten. Fliegt man mit seinem Flugzeug durch einen gegnerischen Flakscheinwerferkegel, beginnt die feindliche Luftabwehr zu feuern. Auch die künstliche Intelligenz in den vom Computer gesteuerten Maschinen wurde gegenüber dem Vorgänger hinsichtlich des Taktikverhaltens deutlich verbessert.

Zu den 31 neuen steuerbaren Flugzeugen gehören unter anderem die Stuka-Varianten Ju-87D-3 und Ju-87G-1 sowie die Bf-109-Varianten G-14, G-10 und die K-Varianten K-4 sowie die FW-190D-9. Erstmals kommen auch mehrmotorige Bomber ins Spiel, so die He-111H-2 (mit mehreren Personen besetzbarer, spielbarer Bomber) und die Variante He-111H-6.

Dazu kann man im deutschen Düsenjäger Me-262A-1a Platz nehmen. Steuerbar ist auf Seiten der finnischen Luftwaffe auch eine Brewster Buffalo F2A sowie eine Hurricane Mk I und die russischen Flugzeuge La-5, La-5F, La-7 (2x20mm ShVAK-Kanonen), La-7 (3x20mm B-20-Kanonen), die I-153 M-62 und die I-153P.

Freuen darf man sich auch über einige Hurricane-Varianten, nämlich die MK-IIB- sowie die MK-IIC-Ausführung und eine Variante mit russischen Kanonen und Maschinengewehren sowie der Thunderbolt P-47D-10, P-47D-22, P-40E, P-40M und einer P-40 mit russischem M-105P-Motor. Ein weiterer Bomber, diesmal für die sowjetische Seite, ist die viermotorige TB-3, die ebenfalls mit mehreren Spielern oder KI-Mitspielern besetzt werden kann. Die Bomber haben historisch korrekte Zieleinrichtungen für den Bombenschützen, die sehr viel Feingefühl und Kenntnisse verlangen. Zum Glück hilft hier nicht nur das hervorragende Handbuch weiter, sondern auch die hilfsbereite Online-Community, die sich um das Spiel gebildet hat.

Durch den Computer gesteuert kommen noch die "finnische" Bristol Blenheim MK I und MK IV und eine Fiat G-50, eine Morane MS.406 sowie die Morane MS.410 dazu. Eine Mörkö Morane der finnischen Luftwaffe, die mit einer sowjetischen M-105P-Maschine ausgerüstet ist, gehört ebenfalls dazu. Dann gibt es noch eine IL-4, eine SB-2 sowie die deutschen zweimotorigen Flugzeuge Bf-110C und Bf-110G (für die gerade ein Cockpit entwickelt wird) und für die ungarische Luftwaffe eine Me-210Ca-1 und den Me-210Ca-1-Zerstörer, der zusätzlich über eine 40-mm-Raketenwerfereinrichtung und zwei mal drei 150-mm-Raketenwerfer verfügt sowie diverse sehr hübsch gemachte Wasserflugzeuge auf deutscher und russischer Seite.

Es bleibt dem Spieler überlassen, ob er sein Flugzeug mit der aus Il2 Sturmovik bekannten Motorsteuerung oder dem neuen Motorenmanagement fliegen möchte. Bei Letzterem können die Motoren hinsichtlich Schub, Propellerstellung und Gemischaufbereitung, Kühlung, Kompressorstufe usw. besonders realistisch genutzt werden, was allerdings auch bedeutet, dass man sich eine Unzahl von Tastaturkombinationen anlegen und diese natürlich auch noch beherrschen muss. Anfängern sei dringend angeraten, erst einmal den vereinfachten Modus zu nutzen, wenn man nicht sofort mit einem kapitalen Motorschaden abstürzen oder als Segelflieger wider Willen weitermachen möchte.

Im Multiplayermodus können bis zu 32 Spieler im Luftkampf und 16 Spieler in den kooperativen Einsätzen teilnehmen. Die Flugzeuge können durch individuelle Anstriche, Staffelembleme, Tragflächenbeschriftungen sowie Hoheitsabzeichen verschönert werden. Der komplexe Missionseditor erlaubt das Erstellen eigener Szenarien, während ein Schnelleditor nur die Flugzeugzusammenstellungen beider Seiten und einiger weniger Bodenziele ermöglicht.

Die Grafik des Spiels ist, vorausgesetzt man verwendet einen schnellen Rechner, jenseits von einem GHz und eine Grafikkarte ab GeForce2 oder vergleichbarer Leistunsfähigkeit, wirklich überragend. Durch Skins mit bis zu 1.024 Pixel Auflösung kommen auch Oberflächendetails der Flugzeuge ans Tageslicht, die in anderen Flugsimulationen gerade mal durch eine Pixelwolke angedeutet werden. Auch die Umgebungseffekte und die Landschaftsdetails wie glitzernde Wasserflächen, Dunst und Wolken sind beachtlich gut gelungen. Der Sound hingegegen ist leider nur durchschnittlich, lediglich einige wenige Flugzeugmotoren hören sich in den Außenansichten im Vorbeiflug wirklich stimmig an, während man bei den Innengeräuschen manchmal etwas Atmosphäre vermisst. Der simulierte Funkverkehr wird in der jeweiligen Landessprache der Parteien abgehalten, aber natürlich gibt es für das bessere Verständnis Untertitel auf Deutsch.

Fazit:
Auch wenn das Spiel sicherlich bei einigen Flugzeugtypen noch Verbesserungspotenzial hinsichtlich der Abbildung der realen Flugleistungen und des Schadensmodells bietet, die durch mehrere Patches auch schon beim Vorgänger immer wieder modifiziert wurden, macht IL-2 Sturmovik – Forgotten Battles eine Menge Spaß, wenn man erst einmal die jeweiligen Flugzeuge, ihre Eigenarten und Manöver beherrscht. Doch auch Anfänger kommen auf Grund der Einstellungsmöglichkeiten schnell auf ihre Kosten. Richtig Freude bereitet das Spiel, wenn man sich mit realen Gegnern und Staffelkameraden in die Lüfte erhebt.

Das Spiel ist mit einer USK-Einstufung von 16 Jahren versehen und kostet im Einzel- und Versandhandel zwischen 39,99 Euro und 51 Euro.


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