Phonowirtschaft: Illegale Kopien lassen CD-Absatz sinken
"Gleichzeitig fehlen uns wichtige Rahmenbedingungen, um die ökonomische Situation unserer Branche zu stabilisieren: Insbesondere die Novellierung des Urheberrechtsgesetzes steht immer noch aus" , so Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände. "Die Bundesregierung hat dem Deutschen Bundestag zu spät einen Regierungsentwurf zur Novellierung des Urheberrechts vorgelegt."
Der Absatz von CD-Alben im Handel sei erneut deutlich um 9,2 Prozent gesunken. Besonders betroffen waren, wie schon im vergangenen Jahr, Funk- und TV-beworbene Compilations, die um 18,5 Prozent zurückgingen. Auch das Single-Segment war um mehr als 20 Prozent rückläufig. Beide Bereiche würden ganz besonders durch illegale Musikangebote im Internet und private Vervielfältigung leiden.
Die Zahl der an Private verkauften CD-Rohlinge sei unterdessen weiterhin angestiegen und lag 2002 bei insgesamt 486 Millionen Stück. Bei einem Musikanteil von 55 Prozent (wie im Jahr 2001) seien dies 267,3 Millionen CD-Rohlinge, die nur mit Musik bespielt worden sind. Die Zahl liege damit rund 61 Prozent höher als die Summe verkaufter CD-Alben.
"Wenn man ab morgen Brötchen kopieren könnte, hätte dann irgendjemand Zweifel daran, dass das für die Bäckerbranche ein ökonomisches Problem wäre? Nie ist soviel Musik gehört worden wie heute – nur bezahlt wird dafür seltener. Musikkopien sind paradoxerweise Beleg für die Attraktivität von Musik, und ein Zusammenhang zu Umsatzentwicklungen liegt auf der Hand" , so Gerd Gebhardt.
Die Einführung von Kopierschutzsystemen auf CDs habe sich im Jahr 2002 etabliert. Auf 40-50 Millionen Exemplare schätzt der Bundesverband Phono die Summe der mit Kopierschutzsystemen ausgestatteten verkauften CDs. Herbert Grönemeyers kopiergeschütztes Album "Mensch" war in Deutschland das mit Abstand erfolgreichste Album 2002. "Die Technologie ist von Musikfans längst akzeptiert, ebenso wie bei DVDs und Software" , so Gebhardt.
Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen erhofft sich die Phonoindustrie zudem durch eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes für CDs. Im Gegensatz zu allen anderen Kulturgütern zahle man in Deutschland auf CDs den normalen Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent statt des ermäßigten von 7 Prozent.
Wegen anhaltender Benachteiligung von Newcomern und deutschsprachigen Künstlern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat die deutsche Musikwirtschaft die Forderung nach einer Radioquote für mehr musikalische Vielfalt erhoben. 50 Prozent aller gesendeten Titel sollen künftig Newcomer sein, davon 50 Prozent deutschsprachig. Eine vom Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft bei media control in Auftrag gegebene Studie ergab, dass der Anteil neuer Künstler im öffentlich-rechtlichen Radio nur bei 14,3 Prozent liegt, der Anteil deutschsprachiger Künstler sogar nur bei 1,2 Prozent. "Hier besteht dringender Handlungsbedarf, denn die Sender haben einen Kulturauftrag, den sie zurzeit sträflich vernachlässigen" , erklärt Gerd Gebhardt.
Weitere Impulse erhofft sich die Branche von legalen Musikangeboten im Internet, die ein wichtiger Teil des Musikmarktes der Zukunft werden sollen. Weitere Vermarktungsmöglichkeiten von Musik, z.B. als Klingeltöne, sollen systematisch ausgelotet und in den Markt eingeführt werden. Darüber hinaus setzt die Phonoindustrie auf Musik-DVDs.



