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Streit um 3DMark 03 - FutureMark widerspricht Nvidia

FutureMark bezieht Stellung zu Nvidias Kritik am Benchmark für 3D-Spielefans. Der Grafikchiphersteller Nvidia hat sich negativ zum jüngst veröffentlichten 3DMark 03 geäußert, den 3D-Benchmark als fehlerhaft und irrelevant zur Leistungsermittlung bezeichnet. FutureMark, die Entwickler vom für 3D-Spielefans gedachten 3DMark 03 und dessen von Nvidia unterstützten Vorgängern, hat am Wochenende auf die Anschuldigungen reagiert und die Vorwürfe zurückgewiesen.
/ Christian Klaß
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Nvidia warf den FutureMark-Programmierern in einem im Netz aufgetauchten Dokument und gegenüber der US-Presse vor, dass der 3DMark 03 nicht zur objektiven Ermittlung der 3D-Spieleleistung von DirectX-9-fähigen Grafikkarten geeignet sei. So würde der 3DMark 03 – unter anderem – im Gegensatz zu den Vorgängern und modernen Spielen kaum Multi-Texturing (mehrere übereinandergelegte Texturen auf einem Objekt, etwa für Glanz-Effekt) nutzen, kaum ein Spieleentwickler die im 3DMark 03 genutzten 1.4er-Pixelshader von ATI-Grafikkarten einsetzen, die Game-Tests 2 und 3 technisch zu ähnlich und die dabei gewählte Render-Methode so ineffizient sein, dass sie so in keinem Spiel zu finden sein würden. Der Game-Test 4 (Mother Nature) würde zudem zu wenig Nutzen von echten DirectX-9-Shadern machen und damit nicht relevant für die Ermittlung der echten DirectX-9-Leistung der Hardware sein. Futuremark Software sei eine hübsche Grafikdemo, "aber diese Szenen sind so weit entfernt von echten Spielen, dass der 3DMark 03 sich nicht als Benchmark eignet" . Insofern könne er auch den Kunden nicht mit der richtigen Information für eine Kaufempfehlung bewaffnen, heißt es in einem von X-Bit Labs(öffnet im neuen Fenster) veröffentlichten Nvidia-Dokument.

FutureMark hat sich am Wochenende mit einer ausführlichen Stellungnahme(öffnet im neuen Fenster) den Anschuldigungen angenommen. Multi-Texturing mache nur dann Sinn, wenn es einen merklichen Qualitätsunterschied zu einzelnen Texturen gebe, bei der Entwicklung des Benchmarks habe man die Szenen sowohl mit als auch ohne Multi-Texturing gerendert, jedoch insbesondere beim DirectX-7-lastigen Game-Test 1 auf Grund des minimalen Qualitätsunterschieds dagegen entschieden. Dies würde auch aus Sicht von Spieleentwicklern Sinn machen, die nicht mit unnötig vielen Textur-Layern arbeiten würden. Auf den Vorwurf, dass man bei den DirectX-8-lastigen Tests nur 1.1er- und 1.4er-Pixelshader einsetze und die von Nvidia eingebrachten 1.3er-Pixelshader nicht unterstütze, entgegnete FutureMark, dass erst die 1.4er-Pixelshader Lichteffekte in einem Durchgang ("single pass per light rendering") ermöglichen würden. So könnten Pixel zweimal in einem Durchgang durch den Shader geschickt werden, während dies mit 1.3er- und darunter liegenden Pixelshadern nicht möglich wäre. Die Unterstützung von 1.3er-Pixelshadern hätte demnach keine bis kaum Vorteile gebracht, während sowohl ein Teil bestehender DirectX-8- als auch sämtliche DirectX-9-Hardware die 1.4er-Pixelshader unterstützen würde.

In Bezug auf die Render-Modi wies FutureMark die Vorwürfe Nvidias scharf zurück, man würde ineffiziente Render-Methoden einsetzen. Das Gegenteil sei der Fall, insbesondere das Vertex Shader Skinning mache auf DirectX-8-Hardware der zweiten Generation sowie DirectX-9-Hardware mehr Sinn als CPU Skinning, da die Grafikchips dies mittlerweile deutlich besser effizienter erledigen könnten als selbst schnelle PC-Prozessoren. Aus diesem Grunde glaubt das FutureMark-Team, dass rationell denkende Spieleentwickler sich in künftigen DirectX-9-Spielen für Vertex Shader Skinning entscheiden werden. Im 3DMark 03 würde es jedenfalls keine Engpässe durch die Vertex Shader Performance geben, wie es etwa Nvidia vorwirft.

Auf den Vorwurf, der 3DMark 03 wäre "nicht DirectX 9 genug", entgegnen die Programmierer, dass man als Spieleentwickler den effizientesten Weg geht und es keinen Sinn mache, in Bereichen komplexe 2.0er-Shader einzusetzen, wenn weniger komplexe DirectX-8-basierte Shader auch reichen. Die wichtigsten Neuerungen der 2.0er-Vertex- und Pixelshader würden bei den Blättern, dem Himmel und dem Wasser des Mother Nature Tests unterstützt. Zudem würde die Szene eine hohe Komplexität – z.B. in der Zahl der Polygone – besitzen, die speziell auf die Leistung von DirectX-9-Hardware ausgelegt sei. FutureMark betont, dass zu dem Zeitpunkt, an dem Spiele mehr als nur ein paar DirectX-9-Funktionen nutzen, ein neuer 3DMark erscheinen wird, um dem gerecht zu werden. Bisher wurden nur wenige Spiele angekündigt, die DirectX-9-artige Effekte durchgängig nutzen werden, einfach da die Verbreitung der Hardware noch nicht gegeben ist.

Der 3DMark 03 kann also laut FutureMark durchaus zur Ermittlung der 3D-Leistung in modernen DirectX-8- und kommenden DirectX-9-Spielen herhalten und bei der Kaufentscheidung helfen. Innerhalb der ersten 72 Stunden nach seinem Erscheinen soll der 3DMark 03 bereits über 1,5 Millionen Mal heruntergeladen worden sein. Da die Benchmark-Ergebnisse von den Nutzern per Internet in die FutureMark-Datenbank geladen und nicht nur zu Leistungsolympiaden unter Übertaktern, sondern auch zu Produktkaufempfehlungen genutzt werden können, dürfte auch der neueste 3DMark wieder einen großen Einfluss auf den Grafikkarten-Markt haben. Da sich GeForce-FX-Grafikkarten im 3DMark 03 laut Presseberichten nicht von günstigeren, auf ATIs 9700er-Chipserie absetzen können oder gar von ihr überholt werden, kommt Nvidias Kritik nicht ganz überraschend, auch wenn Nvidia selbst FutureMark bei der Entwicklung laut Insidern unterstützt und die 3DMark-Vorgänger selbst als Werbung für neue Produkte genutzt hat.

Nvidias erbitterster Konkurrent ATI stuft den 3DMark 03 für den 3D-Hardware-Markt als etwa gleich wichtig ein wie den ebenfalls in 2003 erscheinenden 3D-Shooter Doom 3, der neue Maßstäbe bei der 3D-Grafikquaklität und den Hardware-Anforderungen setzen dürfte. Nvidia selbst nennt zwar als nicht neues aber dennoch gewichtiges Argument, dass aktuelle Spiele für die Ermittlung der 3D-Leistung immer noch besser geeignet seien als synthetische Benchmarks wie der 3DMark 03, allerdings gibt es bisher nur "Aquanox: Revelation", das mittels Patch ein paar DirectX-9-Effekte integriert. Wie üblich gilt es also, synthetische und reale Benchmarks sinnvoll zu verknüpfen, um einen guten Eindruck von der Leistung einer Plattform zu erhalten.


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