Charta für Bürgerrechte in der Wissensgesellschaft
Böll-Stiftung arbeitet an Charta für nachhaltige Wissensgesellschaft
Zur Vorbereitung des World Summit on the Information Society (WSIS) präsentiert die Heinrich-Böll-Stiftung einen ersten Baustein auf dem Weg zu einer "Charta der Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft". Der UN-Gipfel findet vom 10. bis 12. Dezember 2003 in Genf statt, eine Fortsetzung ist für 2005 in Tunis geplant.
Der UN-Gipfel geht auf die Initiative einer Vielzahl von Entwicklungsländern zurück, die sich damit Unterstützung für den Ausbau der Infrastruktur und der Anschaffung von Kommunikationstechnik erhoffen. Die Federführung für die Vorbereitung des Gipfels wurde der UN-Organisation International Telecommunication Union (ITU) übertragen und nicht der UNESCO, die nach Ansicht der Heinrich-Böll-Stiftung dafür geeigneter wäre. "Der Einfluss der eher technokratisch orientierten ITU ist dann auch unübersehbar: In den offiziellen Dokumenten wird vor allem auf die ökonomischen Aspekte der Informations- und Kommunikationstechnologien - wie den Aufbau technischer Infrastrukturen für den Süden und die daraus gewonnenen neue Märkte für den Norden - abgehoben. Demokratie und Menschenrechte betreffende Aspekte in einer globalen Wissensgesellschaft stehen hingegen weniger im Rampenlicht", so die Stiftung.
Bereits jetzt zeichne sich das Fehlen einer visionären und inhaltlichen zugespitzten Strategie ab.
Der UN-Gipfel soll nach offiziellen Bekundungen durch seine Offenheit für eine größtmögliche Partizipation der Zivilgesellschaft vorbildlich werden. Bisher seien diese Erwartungen aber enttäuscht worden, kritisiert die Heinrich-Böll-Stiftung: "Der Einfluss von Weltmonopolisten, Konzernen und den Mitgliedern der ITU führt dazu, dass die Bedingungen für zivilgesellschaftliche Partizipation noch schlechter als beim Johannesburger Gipfel sind."
Dennoch würden nationale als auch internationale Nichtregierungsorganisationen und NRO-Zusammenschlüsse, vor allem die Kampagne Communication Rights in the Civil Society (CRIS), aber auch die o.g. deutsche Charta-Initiative die gesellschaftspolitischen Forderungen herausarbeiten, die auf dem WSIS verhandelt werden sollten. Dazu zählen:
- Die Überwindung der digitalen Spaltung weltweit und innerhalb der Gesellschaften
- Informationsfreiheit und Meinungsfreiheit als Bürgerrecht
- Fortschreitende Privatisierung und Kommodifizierung öffentlicher globaler Wissensgüter
- Bürgerrechtlicher Schutz von Privatheit
- Sicherung kultureller, sprachlicher und medialer Vielfalt
- Anerkennung eines Menschenrechts auf Kommunikation
- Entwicklung einer auf offenen Standards basierenden Kommunikationsinfrastruktur, z.B. Förderung freier Software
- Ausbau freier Netzstrukturen
Im Mittelpunkt dieser Charta steht die Frage nach den Bedingungen des freien und nachhaltigen Umgangs mit Wissen. Mit der Charta soll Einfluss auf die Agenda des UN-Gipfels genommen werden, um die Menschen- und Bürgerrechtsaspekte stärker hervorzuheben. Weiterhin soll eine offene, breite Diskussion über die Charta die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit fördern und eine Einmischung von zivilgesellschaftlichen Kräften in die Gestaltung der globalen Wissensgesellschaft unterstützen, hofft die Stiftung.
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