Interview: Warum und wann werden Computerspiele indiziert?
Golem.de: Was bedeutet eine Indizierung für den Handel? Inwieweit darf ein indiziertes Spiel weiter verkauft werden, welche Maßnahmen muss ein Händler treffen, wenn er ein indiziertes Spiel verkaufen will? Welche Konsequenzen hat eine Indizierung für den Online-Spielevertrieb?
Feldmann: Wenn ein Spiel auf der Liste steht, darf es nur noch eingeschränkt vertrieben werden. Auch darf nicht mehr im handelsüblichen Umfang für das Spiel geworben werden. Ein Verkauf in Geschäften ist nur noch "unter dem Ladentisch" an Erwachsene erlaubt. In dem Geschäft selbst darf das Game nicht ausgestellt oder angekündigt werden. Im Hinblick auf das Werbeverbot ist von Bedeutung, dass auch die so genannte "gegenstandsneutrale Werbung" nicht gestattet ist. Das heißt, eine Werbung für das indizierte Spiel ist selbst dann verboten, wenn die Werbung selbst nicht jugendgefährdend ist. Unter Umständen kann schon die Nennung des Namens eines indizierten Spiels Werbung sein, so dass der Verbotsbereich schnell erreicht ist.
All das gilt auch für den Online-Spielevertrieb. Das Gesetz verbietet darüber hinaus noch den Versandhandel mit indiziertem Material. Das erschwert den Online-Handel zusätzlich. Im Ergebnis wird allerdings nicht jeder Online-Vertrieb als Versandhandel zu qualifizieren sein. Etwa im Bereich des Vertriebs pornografischer Schriften blüht ja der Internet-Handel auch. Entscheidend ist, dass der Anbieter der Website ein wirksames Age Verfication System (AVS) vorschaltet. Das AVS muss technisch so beschaffen sein, dass absolut ausgeschlossen ist, dass Kinder oder Jugendliche Zugang zur Website erhalten. Die wenigsten AVS können dies bewerkstelligen. Die Rechtsprechung geht derzeit davon aus, dass reine Online-AVS, die meistens mit der Eingabe der Personalausweis- oder der Kreditkartennummer arbeiten, nicht ausreichen. Kinder können schließlich solche Unterlagen aus Papas Geldbeutel nehmen.
Außerdem braucht es nur wenige Sekunden, bis man eine Off-Website mit gefaketen, aber wirkungsvollen Daten findet. Daher ist ein AVS derzeit nur dann wirksam, wenn über einen Medienbruch ein Offline-Element, etwa die Versendung eines Briefs oder eines Faxes mit Rücksendepflicht, eingeführt wird, das über Name, Anschrift und Alter des Nutzers sicher Auskunft gibt. Die Hürden eines wirksamen AVS sind damit so hoch, dass man sich den Online-Vertrieb ganz sparen kann, will man sich absolut rechtstreu verhalten. Die Vorteile des Internets sind dahin, wenn ich als Händler die gute Tante Post bemühen muss.
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Hallo Ihr alle, nach einem Berg gelesener Beiträger bin ich nahezu am kopfschütteln. Es...
Hallo Ihr alle, nach einem Berg gelesener Beiträger bin ich nahezu am kopfschütteln. Es...
Eigentlich müsste in Deutschland viel mehr verboten werden als die Computerspiele, v.a...
Genau so sieht das hier bisher aus....