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Microsoft veröffentlicht DirectX 9

Update verspricht deutlich realistischere 3D-Grafik in künftigen Spielen. Microsoft hat seine insbesondere von Spielen genutzte Multimedia-Programmierschnittstelle DirectX nun in der Version 9 fertig gestellt und zum Download freigegeben. Insbesondere kommende 3D-Spiele sollen damit deutlich realistischere Grafik darstellen können, zumindest wenn sie die einen deutlichen Qualitätsschub versprechenden DirectX-9-Neuerungen auch unterstützen und im Rechner der Spieler auch voll DirectX-9-fähige Grafikhardware steckt.
/ Christian Klaß
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Die wichtigste Neuerung von DirectX 9 bzw. dessen für 3D-Grafik zuständiger Teil Direct3D, ist die Einführung einer High-Level Shader Language (HLSL). Die spezielle, C-ähnliche Programmiersprache entbindet Programmierer erstmals davon, Pixel- und Vertex-Shader-Effekte als Assembler-Programme direkt für die einzelnen Grafikchips zu entwickeln. Um die Vorteile der HLSL auch nutzen zu können, hat Microsoft den möglichen Umfang von Pixel- und Vertex-Shader-Programmen angehoben sowie Funktionen wie Schleifen, Sprünge und Subroutinen eingeführt.

Auch bei den 3D-Meshes gibt es Neues, erstmals wird das von Matrox entwickelte Hardware Displacement Mapping (HDM) als Standard-Funktion eingeführt. Beim Displacement Mapping werden einfache Texturen ("Displacement Maps") zur Speicherung von Höhenprofilen genutzt, die mit einem Basisgitternetz verbunden beispielsweise zu verblüffend realistisch gerenderten 3D-Landschaften führen - das Verfahren ist bereits aus einigen Render-Programmen bekannt. Aus der Spieleentwickler-Szene waren dazu bisher sowohl positive als auch ablehnende Stimmen zu hören. Ablehnende deshalb, da die durchaus interessante 3D-Funktion einige Probleme etwa beim Schattenwurf mit sich bringt.

Um die neuen Funktionen auch voll ausnutzen zu können, müssen Grafikkarten allerdings Pixel-und Vertex-Shader-Einheiten mit der Versionsnummer 2.0 besitzen. Im Moment sind das nur Grafikkarten mit ATIs Radeon 9500 (Pro) und Radeon 9700 (Pro). Matrox Parhelia unterstützt nur die neuen Vertex-Shader-Effekte, der Pixel-Shader (Version 1.3) unterstützt aber nur DirectX-8.1-Effekte. Teilweise über die DirectX-9-Standardanforderungen hinaus geht Nvidias GeForceFX-Grafikprozessor: Er unterstützt noch längere und komplexere Pixel- und Vertex-Shader-Programme, was allerdings noch seinen Wert zeigen muss, da viele Spielehersteller sich wohl eher an die Standard-DX9-Features halten werden. Im Gegensatz zu den erwähnten ATI- und Matrox-Chips hat Nvidia dem Displacement Mapping keine Hardwareunterstützung zukommen lassen, sondern unterstützt dieses Feature nur per Software/Shader, da man ihm - wie auch einige Spieleentwickler - nicht so viel Bedeutung beimisst. GeForceFX-Grafikkarten werden erst ab Januar/Februar 2003 im Handel für voraussichtlich 450-500 Euro erhältlich sein. Einen Überblick über bereits erhältliche 3D-Grafikkarten und deren Leistung findet sich in unserem Grafikkarten-Vergleichstest vom 19. Dezember 2002.

Doch nicht nur im 3D-Bereich gibt es Neuerungen in DirectX 9: DirectPlay wurde bei MultiPlayer-Spielen verbessert und DirectShow-Video soll eine verbesserte Hardware-Beschleunigung bieten. Microsoft verpasste DirectX 9 zudem neue Assistenten für die Erzeugung von DirectX Media Objects (DMOs) für Audio-Effekte und für DirectMusic-Werkzeuge für das MIDI-Processing. Eine neue Version des DirectMusic-Producer kennt neuerdings eine überarbeitete, verzögerungsfreie Wiedergabe. Zudem soll DirectX 9 sich gut mit dem Entwicklungssystem Visual Studio .NET von Microsoft verstehen.

Bis Spiele mit Unterstützung für DirectX 9, insbesondere die wichtigen Neuerungen bei den Grafikeffekten, auf den Markt kommen, wird es noch eine Weile dauern. Für das 2001 erschienene DirectX 8 bzw. dessen Unterstützung für Pixel- und Vertex-Shader kommen erst jetzt Spiele in nennenswerter Zahl heraus. Vermutlich wird es noch bis Ende 2003 dauern, bis eine Hand voll Spiele DirectX 9 wirklich anfangen auszunutzen. Bis voll DirectX-9-kompatible Hardware dann zur Pflicht und ausgereizt wird, wird es eher noch länger dauern. Als erstes wird wohl Futuremark (ehemals MadOnion.com) mit einer auf DirectX-9-Effekte ausgelegten Version des 3D-Benchmarks 3DMark aufwarten, so dass man immerhin überprüfen kann, wie sie der eigene Rechner vermutlich in den Spielen der Zukunft machen wird.

DirectX 9 steht nun offiziell als 292 KByte großer Web-Installer zum Download(öffnet im neuen Fenster) auf Microsoft.com zur Verfügung und lädt je nach Windows-Version bis zu 16,5 MByte Daten aus dem Netz. Wer keinen Webinstaller nutzen oder mehrere Rechner mit DirectX 9 versehen will, kann sich auch das 32 MByte große, mehrsprachige Komplett-Paket(öffnet im neuen Fenster) (DirectX 9.0 Redistributable) herunterladen und installieren. Unterstützt werden Windows 2000, Windows 98, Windows ME und Windows XP.

Wichtig:
Microsoft hat, wie auch bei anderen DirectX-Updates, keine Option zur Deinstallation von DirectX 9 vorgesehen. Der Hersteller empfiehlt Vorsichtigen, unter Windows ME und Windows XP vor der Installation manuell einen Systemwiederherstellungspunkt zu setzen.


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