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Spieletest: Runaway - Hochklassiges Adventure im Comic-Look

Spiel im klassischen Point&Click-Stil. Freunde klassischer Adventures hatten 2002 nicht viel zu lachen – abgesehen vom gelungenen Syberia wollte kaum noch ein Publisher ein 2D-Abenteuer im Stile der einst so populären Lucas-Arts-Titel wie Monkey Island veröffentlichen. Kurz vor Jahresende erscheint mit Runaway nun allerdings noch ein wirkliches Highlight in diesem Genre.
/ Thorsten Wiesner
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Runaway – A Road Adventure wurde vom spanischen Entwickler Pendulo Games entwickelt und war dementsprechend zunächst nur in Spanisch erhältlich. Nachdem der eigentliche Publisher dinamic Insolvenz anmelden musste, hatten unzählige Adventure-Fans Petitionen verfasst, in denen sie eine deutsche Version des Titels forderten, derer sich letztendlich Dtp digital tainment pool annahm und bei der Lokalisierung wirklich hervorragende Arbeit leistete.

Im Mittelpunkt des Spieles steht Brian, ein junger, aufstrebender Physik-Student, der soeben sein Studium mit Bestnoten abgeschlossen hat und infolgedessen an einer Elite-Universität die Chance zum Schreiben seiner Doktor-Arbeit erhält. Just in dem Moment, in dem er sich in sein Auto setzt und zur neuen Arbeitsstelle aufbrechen will, rennt ihm jedoch die hübsche Gina vors Auto – und fortan wird Brian nicht nur in ein Netz von Lügen und wilden Geschichten hineingezogen, sondern befindet sich auch auf der Flucht vor der Mafia und allerlei anderen kriminellen Gesellen.

Auch wenn die Story sich zunächst so anhört, ist Runaway beileibe kein ernstes und düsteres Abenteuer geworden, sondern strotzt nur so vor witzigen und humorvollen Einlagen. Das beginnt bereits bei der oftmals etwas tollpatschigen Art und den oft wirklich brüllend komischen Einlagen, die Brian zum Besten gibt, aber auch die vielen Charaktere, denen man im Spiel begegnet, sind nur selten "normal" – uralte Indianer oder ein Trupp von Transvestiten sind nur zwei Beispiele für den Einfallsreichtum der Entwickler.

Auch das Design des Spieles ist hochklassig: Zwar verzichtet man auf 3D-Darstellungen, die 2D-Bilder im Comic-Look strotzen dafür nur so vor liebevollen Details und schönen Farben. Auch die Sprachausgabe ist hervorragend, die professionellen Synchronsprecher verpassen allen Charakteren den richtigen Ton und lassen das Abenteuer stellenweise wirklich filmreif wirken.

Bei der Bedienung wurde auf den in diesen Fällen so häufig benutzen intelligenten Mauszeiger zurückgegriffen, der seine Form ändert, sobald man über einen Gegenstand kommt, der sich benutzen lässt. Mit der rechten Maustaste schaltet man dann zwischen den einzelnen Funktionen wie "Nehmen", "Benutzen" etc. hin und her. Bewegt man den Mauszeiger an den oberen Bildschirmrand, erhält man Zugang zum Inventar, das ähnlich wie bei den ersten Monkey-Island-Teilen schon nach kurzer Zeit förmlich überquillt vor Gegenständen, die allesamt miteinander kombiniert werden wollen.

Die Rätsel sind abwechslungsreich und alles andere als leicht: Mal muss ein Akustik- oder Farb-Rätsel gelöst werden, dann wiederum in mehreren Schritten ein Werkzeug zur Flucht gebastelt oder wichtige Tipps in Multiple-Choice-Gesprächen erlangt werden. Zumeist sind es dabei nicht einzelne kleine Rätsel, sondern große Hauptaufgaben, für deren Lösung man mehrere Schritte benötigt. Dabei sind die meisten Rätsel in sich logisch, von Zeit zu Zeit bleibt einem allerdings nichts anderes übrig, als munter alle Gegenstände, die man besitzt, mit allen möglichen Objekten zu kombinieren, um so die Lösung zu finden. Manchmal wird dies leider dadurch erschwert, dass benötigte Gegenstände so versteckt im Hintergrund sind, das man schon arg lange mit dem Mauszeiger nach ihnen suchen muss. Weitere Mängel wird man an Runaway allerdings vergeblich suchen müssen.

Fazit:
Runaway ist ein Fest für alle Liebhaber stimmungsvoller Adventures. Die Story ist hervorragend und fesselt vom ersten Moment an, die stilvollen Grafiken und die hervorragende Synchronisation begeistern ebenso wie die einfache Bedienbarkeit und die oft witzigen Dialoge. Wer den frühen Monkey-Island- und Indiana-Jones-Titeln nachtrauert und Syberia bereits gelöst hat, braucht dieses Spiel!


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