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Spieletest: Platoon - Vietnamkrieg in Vogelperspektive

Erste militärische Niederlage der USA als PC-Spiel. Das Strategiespiel "Platoon-Vietnam War" spielt wie schon der Titel verrät im Vietnamkrieg auf US-amerikanischer Seite. Man steuert einen Zug GI's aus der Vogelperspektive durch den Dschungel und muss dabei allerlei Missionen erfüllen und als Kommandant den Haufen möglichst verlustfrei einsetzen.
/ Andreas Donath
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Das Spiel besteht aus einer Kampagne mit insgesamt 14 Missionen, die es nacheinander zu durchspielen gilt. Die Hauptfigur muss jedes Spiel überleben, während die restlichen Mitglieder des Platoons "entbehrlich" sind. In darauffolgenden Missionen fehlt es dann zwar an erfahrenen Soldaten, aber der Nachschub ist unendlich groß. Überlebende Mitglieder erfahren allerdings Aufwertungen in ihren Erfahrungswerten, so dass es sich lohnt, die Männer nicht unnötig zu verheizen. In einigen wenigen Missionen darf man keinen einzigen Mann verlieren.

Bevor man sich jedoch ins Schlachtengetümmel stürzt, sollte man das Tutorial durchlaufen, in dem alle wichtigen Steuerbefehle und die einzelnen Spezialisten wie die MG-Schützen, das Sprengkommando, der Sanitäter oder die M-16-Schützen erklärt werden. Die Soldaten sind in beliebigen Gruppen zusammenzufassen und können auch individuell eingesetzt werden. Klickt man einen GI an, erhält man Informationen zu seinem Sicht- und Schussfeld, so dass man entsprechend planen kann.

Das Spiel selbst wird wie schon oben erwähnt aus der Vogelperspektive gespielt, wobei man die Flughöhe und den Betrachungswinkel mit Maus- und Tastaturkombinationen rotieren und verschieben kann. Das Blätterdach des Dschungels ist allerdings manchmal so undurchdringlich, dass selbst das Hineinzoomen nicht hilft, den Überblick wieder zu erlangen.

Jeder Mission geht ein kurzes Briefing voraus, in dem die Missionsziele erläutert werden und die Karte des Einsatzgebietes und die Situation dargestellt werden. Ist man dann im Einsatz, kann man mit einem Tastenbefehl das Hauptziel jederzeit wieder aufrufen. Neben reinen Kampfaufträgen gibt es Gefangenenbefreiungen und Sabotageaktionen.

Ganz im Gegensatz zu Shootern oder arcardeartigen Strategie- und Aufbauspielen kann Platoon nicht mit der Hau-Drauf-Methode gewonnen werden, sondern besteht größtenteils aus pirschen, verstecken und kurzen Feuergefechten. Die meiste Zeit allerdings versucht man, den Gegner zu entdecken, bevor er einen selbst erspäht. Liegt man erst einmal unter Beschuss, ist es meist sinnvoller, sich zurückzuziehen und in die Flanken des Gegners einzufallen.

Die strategisch günstige Positionierung des schweren Maschinengewehrs ist bei plötzlichen Feuerüberfällen des Gegners mindestens genauso wichtig wie die schnelle Deckungsnahme. Das Gelände ist flach bis hügelig und sollte auch tunlichst in taktische Überlegungen mit einbezogen werden. Im Wald sollte man beispielsweise die Bewegungsformation Linie vorziehen und wenn möglich auf freiem Feld in einer Reihe vorrücken. In vielen Missionen ist zudem ein Teil des Geländes vermint.

Die Minen können nur durch den Sprengstoffspezialisten erkannt und auf Wunsch unschädlich gemacht werden – auf ihn sollte wie auch auf den Sanitäter ganz besonders gut aufgepasst werden. Die Lebensenergie der einzelnen Personen ist schnell aufgebraucht und auch die Bewegungsart (Laufen, Kriechen, Rennen) wird in Form von Ausdauerpunkten berücksichtigt. Ist die Ausdauer erschöpft, legt der jeweilige Soldat erst einmal eine Pause ein.

Die Gegner verhalten sich relativ intelligent, greifen die Schwachstellen der Amerikaner an und verfolgen diese, sofern sie flüchten und greifen nicht alle auf einmal, sondern in mehreren Wellen an. Da der Munitionsvorrat des Platoons nicht unendlich groß ist, sollte man damit sparsam umgehen und vor allem dem MG-Schützen nur Feuererlaubnis erteilen, wenn es unbedingt erforderlich ist.

Die Grafik in Platoon ist nett anzusehen – vor allem die Darstellung der Vegetation ist durchaus reizvoll und besteht neben der Dschungelflora vornehmlich aus wogendem Elefantengras, Wiesen und Äckern, während die Gebäude größtenteils aus den landestypischen Pfahlbauten und allerlei militärischer Architektur bestehen. Die Animation der Soldaten ist für ein Strategiespiel als aufwendig zu bezeichnen, doch sieht man oft auf Grund der niedrigen Zoomstufe, die notwendig ist, um den Überblick zu wahren, nicht besonders viel davon.

Die Toneffekte sind Mittelmaß, die US-Soldaten sprechen auch in der deutschen Version des Spiels englisch, werden aber durch Untertitel übersetzt. Im Spiel wechselt die Hintergrundmusik, wenn beispielsweise ein Angriff unmittelbar bevorsteht.

Fazit
Platoon – Vietnam War ist im Ansatz ein nettes Strategiespiel, das auch von der technischen Seite her überzeugt. Doch leider ist der Spielspaß dennoch nicht besonders hoch, vielleicht auch deshalb, weil es teilweise sehr ermüdend sein kann, sich viertelstundenlang vorsichtig durch den Dschungel zu bewegen, ohne Feindkontakt zu haben und dann innerhalb weniger Sekunden sein halbes Kontingent nur deshalb zu verlieren, weil man sich für ein paar Sekunden aufrecht durch den Wald bewegt hat. Absolut demotivierend ist in einem solchen Fall, dass es keinerlei Speicheroption gibt, mit der man den Spielstand innerhalb einer Mission festhalten kann.

Platoon – Vietnam War ist mit einer Altersfreigabe von 12 Jahren versehen und kostet zwischen 44,- und 51,- Euro. Das PC-Spiel ist ab sofort verfügbar.


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