Streit zwischen EA und Ascaron eskaliert
So habe EA nach eigener Auffassung seine Rechtsposition vor dem LG Hamburg durchsetzen können. EA ist der Ansicht, dass Ascaron unrechtmäßig Spielerdaten aus dem Titel "EA Sports Fußball Manager 2003" verwendet habe. "Eine interne Prüfung bei EA hatte ergeben, dass der von Ascaron vorab online publizierte Datenbank-Editor umfassend durch Daten des vom deutschen EA-Studio entwickelten 'EA Sports Total Club Manager 2003' unautorisiert ergänzt worden war" , heißt es dazu bei EA in einer Pressemitteilung. Zudem sei Ascaron einer vorhergehenden Aufforderung zur Stellungnahme nicht nachgekommen, woraufhin EA nur der Rechtsweg verblieben sei.
Aber auch Ascaron fühlt sich als Sieger, könne man Anstoss 4 nun doch plangemäß ausliefern. Die von EA erhobenen Vorwürfe wies Ascaron zurück. In Bezug auf die von EA geforderte Stellungnahme merkt Ascaron an, dass man am Dienstag, den 26. November, ein entsprechendes Fax von EA, datiert auf den 25. November, erhalten habe. Darin habe EA eine Stellungnahme bis zum 27. November gefordert. Am gleichen Tag habe man vom Landgericht Hamburg aber auch die 50-seitige Antragsschrift mit einer Ladung zum 28. November zu einer Anhörung zum Verfügungsantrag von EA erhalten. Dieser Antrag von EA sei laut Ascaron aber bereits auf den 22. November datiert.
"Electronic Arts hat uns die Aufforderung zur Stellungnahme ganz offensichtlich bewusst nicht rechtzeitig zukommen lassen, um uns keine Möglichkeit mehr zu geben, darauf reagieren zu können" , so Ascaron.
Der nun geschlossene Vergleich sieht vor, dass Ascaron sämtliche von EA übernommenen Daten dahingehend verfremdet, dass eine Wiederherstellung beziehungsweise eine Identifikation der Originaldaten nicht mehr möglich sei. Nur dann dürfe Ascaron den eigenen Titel veröffentlichen. Im Falle einer Zuwiderhandlung hat sich Ascaron heute im Rahmen des Vergleichs zur Zahlung einer Vertragsstrafe verpflichtet.
"Da die von EA beanstandeten Daten für uns und Anstoss 4 völlig unbedeutend waren, haben wir den Datensatz schon vor dem Gerichtstermin geändert und das sogar in weiterem Umfang, als es Electronic Arts verlangte. Wir wollten jedwede weitere Irritationen mit Sicherheit ausschließen" , so Ascaron. Die ursprünglich ausgelieferte Version von Anstoss 4 darf damit allerdings nicht verkauft werden. Man habe jedoch bereits mit der Auslieferung der finalen Version begonnen, so Ascaron.
Doch damit ist der Streit offenbar nicht erledigt, denn nun will Ascaron seinerseits rechtliche Schritte gegen EA einleiten: "Auf Grund der teilweise unwahren und irritierenden Darstellung des Sachverhalts durch Electronic Arts leiten wir zurzeit rechtliche Schritte gegen die unmittelbar nach Ende der Anhörung vor Gericht von Electronic Arts veröffentlichte Pressemeldung ein."
"Wir sind durch einige Mitglieder aus der Community darauf aufmerksam gemacht worden, dass der Datenbank-Editor zu Ascarons neuestem Titel identische Daten aus unserer eigenen Datenbank enthält" , so Jörg Rohrer, Direktor des deutschen EA-Studios, in besagter Pressemitteilung. "Interne Recherchen bestätigten den Verdacht, denn in unseren eigenen Daten waren noch einige Fehler wie falsche Geburts- und Vereinsdaten von Spielern nicht behoben. Exakt dieselben Fehler tauchten in den Daten des Wettbewerbers auf, was bei einigen Dutzend verschiedener Daten kein Zufall mehr sein kann."
Der neue Deutschland-Geschäftsführer von EA, Jörg Trouvain, betonte dabei vor allem, dass man bemüht sei, sich fair gegenüber dem Wettbewerb zu verhalten: "Gerade weil Marktführern häufig unterstellt wird, dass sie Wettbewerber mit allen Mitteln verdrängen, sind wir bei EA besonders sensibel, was unser Verhalten gegenüber dem Wettbewerb angeht. Es gehört zum Grundverständnis von Electronic Arts, jederzeit fair im Markt zu agieren. Die gleiche Fairness erwarten wir aber auch von unseren Wettbewerbern, gleich ob groß oder klein. Die unautorisierte Verwendung von Daten eines Wettbewerbers ist damit nicht zu vereinbaren."
Anders sieht dies Ascarons Marketing Director Bernd Almstedt: "Meiner Meinung nach lässt das unwürdige Verhalten von EA nur den Schluss zu, dass man sich der Schwächen seines eigenen, mit hohen Kosten beworbenen Produktes sehr wohl bewusst ist und man deshalb mit allen verfügbaren, auch sehr fragwürdigen, Mitteln den Release unseres Top-Titels Anstaoss 4 zu verhindern versucht."



