Transmeta hofft auf Europa und den Embedded-Markt
Bisher sind kleine, leichte und vor allem ausdauernde Notebooks mit Transmeta-Prozessoren eher in Japan und den USA gefragt, in Europa setzt sich der Gedanke erst langsam durch, dass kleine, lange laufende Geräte ihre Vorzüge haben. Wenig Erfolg wird Transmeta jedoch weiterhin in den Bereichen haben, in denen die Anwender nur auf günstige, mehr oder weniger lärmende Notebook-Systeme mit schnellen Desktop-Prozessoren anstatt auf Akkulaufzeiten Wert legen.
Ein Problem von Transmeta ist, dass aus Europa nur verhältnismäßig wenige Notebook-Designs kommen, weshalb man versucht, die weltweit agierenden asiatischen oder amerikanischen Markenhersteller dazu zu bewegen, ihre bestehenden Sub-Notebook-Designs schneller bzw. überhaupt auch in Europa zu verkaufen. Als Beispiele hierfür können Sony und Fujitsu gelten, die in Japan und den USA deutlich mehr Transmeta-basierte Geräte als in Europa anbieten. Im Notebook-Bereich hofft Transmeta in Bezug auf die USA und Europa insbesondere auf die Tablet-PCs des wichtigen Herstellers Hewlett-Packard.
Beim Embedded- und Unterhaltungselektronik-Markt hofft Transmeta besonders auf Europa, denn viele europäische Unternehmen sind gerade in diesen Bereichen aktiv. Geliebäugelt wird dabei etwa mit Herstellern von Industrielösungen, Netzwerkhardware, Set-Top-Boxen, Digitalvideorekordern, Smartphones und PDAs. Dank der x86-Kompatibilität sieht der Prozessorhersteller sich im Vorteil gegenüber Intels XScale- oder andere ARM-Plattformen, die meist einen deutlich höheren Software-Entwicklungsaufwand hätten. Zumindest ein großer Embedded-Hersteller soll sich aus diesem Grund schon gegen XScale und für den Crusoe TM5800 entschieden haben.
Spezielle Prozessor-Designs für den Embedded-Sektor will Transmeta erst einmal nicht anbieten. Gegenüber Golem.de erklärte der Hersteller jedoch, dass man sich dies für die Zukunft bei größeren Projekten vorstellen könnte. Um Embedded-Hersteller für Transmeta-Technik zu gewinnen und ihren Produkten eine schnelle Marktreife zu ermöglichen, bietet Transmeta bisher drei Referenz-Designs für unterschiedliche Bereiche.
Bei den Ultra Personal Computers (UPC) werden sich laut Transmeta ab Mitte 2003 etwa sechs bis zehn Hersteller aus den USA und Japan mit Geräten auf den Markt trauen – angepeilt soll ein Preis von rund 1.000,- US-Dollar sein. Im Gegensatz zu den Sub-Notebooks handelt es sich hier um noch kleinere stiftgesteuerte Module ähnlich eines PDAs, die Prozessor, Chipsatz, Mini-Festplatte sowie Display beherbergen, Windows XP nutzen und per Dockingstation als normale Rechner oder per Einschub in ein Notebook-Gehäuse mit Zusatz-Akkus zum lange durchhaltenden Notebook gewandelt werden können. Großer Vorteil sei es hier, dass man sowohl für den eigenen PC-Arbeitsplatz als auch für das Notebook nur eine Software-Lizenz benötigt. Hier hilft Microsofts restriktive Lizenzpolitik unfreiwillig, einem modularen PC-Konzept weitere Vorteile zu verschaffen.
Damit Intel und AMD sich mit ihren Mobilprozessoren bei der Rechenleistung nicht noch weiter von Transmeta entfernen, soll ab dem dritten Quartal 2003 der Crusoe TM8000 mit komplett neu entwickeltem 256-Bit-VLIW-Kern sowie überarbeiteter Code-Morphing-Technik folgen. Im Vergleich mit dem ebenfalls von TSMC in 0.13 Mikron gefertigten aktuellen TM5800 (128-Bit-VLIW-Architektur) soll der TM8000 nicht nur höhere Taktraten ermöglichen, sondern pro Takt auch doppelt so viele Befehle ausführen und dennoch besonders stromsparend arbeiten. Taktraten verriet Transmeta dafür aber noch nicht. Der Vorgänger TM5800 soll noch in diesem Jahr die 1-GHz-Hürde nehmen.
Transmeta sieht im neuen TM8000 einen ernst zu nehmenden Konkurrenten für Intels ab Frühjahr 2003 marktreifen Notebook-Prozessor Banias. Allerdings kommt Transmetas Neuling nach dem derzeitigen Zeitplan erst ein halbes Jahr nach dem Intel-Konkurrenten auf den Markt. Die späte Verfügbarkeit kann Transmeta aber auch helfen, etwa wenn Intel seine Werbekampagnen ab nächstem Jahr von "mehr MHz" auf "mehr mobile Nutzungszeit" konzentriert und damit das allgemeine Interesse stärker auf stromsparende, kompakte Notebooks lenkt.