Spieletest: Neocron - 3D-Shooter als Online-Rollenspiel
Futuristisches Endzeitspiel für bis zu 2.000 Spieler pro Server. CDV und Reakktor.com haben mit Neocron im September ein Online-Spiel auf den Markt gebracht, das 3D-Shooter und Rollenspielelemente in einem düsteren Zukunftsszenario verbindet. Im 28. Jahrhundert ist die Erde größtenteils verseucht und die Tier- und Pflanzenwelt um einiges wehrhafter als heutzutage. Doch auch die sich gerade wieder von Jahrtausenden der Dunkelheit erholende Menschheit hat sich gewandelt, nutzt Psi-Kräfte und Nanobots.
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Diese Geschichte präsentiert allerdings nicht das Spiel, sondern das dem Spiel beigelegte kleine Handbuch. Bei der Erstellung des eigenen Spielercharakters gibt es die Möglichkeit, sich entweder für einen Privatdetektiv, einen Spion, eine genetisch veränderte menschliche Kampfmaschine oder einen Psi-Mönch zu entscheiden. Es kann zwar jeweils alles gelernt werden, doch haben es einige Charakterklassen leichter, bestimmte Fertigkeiten zu erlernen. Für alle Aktionen, Kämpfe und Missionen bekommt man dabei Erfahrungspunkte; sammelt man genug, ist in bestimmten Abständen die Verbesserung von den in mehreren Gruppen einsortierten Fertigkeiten möglich. Ebenfalls zu Spielbeginn wird eine Fraktion – von Bürokraten bis hin zu Raumfahrtfanatikern – gewählt, welcher der Charakter angehören soll.
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In Neocron müssen sich die Spieler alleine oder möglichst mit anderen, etwa durch Gründung eines Clans, behaupten und vielleicht auch gegeneinander antreten. Den Lebensunterhalt kann man sich durch die Ungezieferbeseitigung in den Abwasserkanälen der Stadt Neocron, das Ausführen von Missionen, dem Aktienhandel und – bei mehr Erfahrung – durch Ausflüge in die von heftigeren Gegnern bewohnten umliegende Ödnis verdienen. Dabei werden teils Waffen-, Ingenieurs-, Hacker- oder medizinische Fertigkeiten benötigt. Das Knacken beispielsweise eines elektronisches Schlosses erfolgt mittels Puzzle, das in kurzer Zeit gelöst werden muss. Bei den Ingenieursfertigkeiten (Reparieren, Bauen, Recyceln) ist es mitunter nötig herumzuprobieren, Mitspieler zu fragen oder auf verschiedenen Fan-Sites nachzulesen, da einem das Spiel leider nicht von selbst verrät, welche Teile man benötigt, um z.B. einen Gegenstand mittels Recycling herzustellen.
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Da sich in Neocron viel ums Kämpfen dreht, gibt es eine große Auswahl an Nah- und Fernkampfwaffen sowie Munitionstypen für Letztere. Vom einfachen Stilett über die Pumpgun bis hin zur Energiewaffe kann alles erworben und vieles erweitert werden, sofern genügend Geld angesammelt wurde. Auch an Star Wars erinnernde Laserschwerter sind in Neocron zu finden. Zur Nutzung der meisten Waffen müssen jedoch noch bestimmte Mindestanforderungen an körperlichen Attributen wie Stärke oder Geschicklichkeit sowie an Waffenfertigkeiten erfüllt werden. Die Kämpfe selbst laufen im Stile von bekannten 3D-Shootern ab – auf umherfliegende Körperteile und Blutorgien wurde verzichtet. Extreme Aktionen wie etwa die Rocket-Jumps von Quake kennt Neocron nicht. Die Steuerung lässt sich den eigenen Wünschen gemäß verändern. Den Einzel- und Gruppenkampf übt man in virtuellen Arenen.
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Wer im Kampf nicht nur austeilen, sondern auch etwas aushalten will, erwirbt verschiedene leichte bis schwere Rüstungen. Wer seinen Körper zudem "aufpumpen" will, kann dies nicht nur durch Erfahrung, sondern auch durch kybernetische Implantate erreichen, sofern er jemanden findet, der die Implantate einsetzt. Zur Auswahl stehen beispielsweise künstliche Augen oder Wirbelsäulen, die allerdings neben Vorteilen oft auch Nachteile mit sich bringen. Auch für Psi-Nutzer, Hacker und Ingenieure gibt es spezielle Ausrüstungen in verschiedenen Qualitätsstufen. Für Online-Rollenspiele eher selten ist die Möglichkeit, sich für viel Geld Hoverbikes oder Panzer zu mieten bzw. Fahrzeugschlüssel zu kaufen. Die Fahrzeuge können nur außerhalb der Stadt genutzt werden und verfügen über Bordwaffen. In der Stadt kann man hingegen nur zu Fuß gehen (auch unterstützt durch ein grafisches Navigationssystem und Karten) sowie die U-Bahn oder Teleporter benutzen.
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Obwohl sich die Neocron-Entwickler von Reakktor.com eine interessante, wenn auch nicht sonderlich innovative Hintergrundgeschichte ausgedacht haben, wird diese im Spiel noch nicht weiter gesponnen. Abgesehen von der Rahmengeschichte, die zum gemeinsamen Erforschen und Erobern der Welt einlädt, gibt es – zumindest im Moment – keine das Spielgeschehen direkt beeinflussenden Story-Elemente. Diese sollen erst ab 1. November 2002 Stück für Stück hinzukommen. Rollenspiel gibt es deshalb im Moment nur im Rahmen von Chats und Aktionen zwischen den Spielern, die versuchen, mit ihren Clans Macht zu gewinnen. Spieler untereinander können sich übrigens nur verletzen, wenn sich die Beteiligten von einem "Gesetzes-Chip" befreit haben, der von Hause aus installiert ist. Die Interaktion mit vom Computer gesteuerten Charakteren ist wie bei anderen Online-Rollenspielen auf das Anklicken und mitunter auf das Auswählen verschiedener Fragen oder Antworten beschränkt. Ab und an scheint dabei in Neocron etwas schief zu laufen, wenn plötzlich die letzte Textzeile einer alten Konversation bei einem ganz anderen Nichtspieler-Charakter eingeblendet wird, weil der selbst nichts zu sagen hat.
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Neocron bietet eine ordentliche, zur düsteren Spielatmosphäre beitragende Grafik, allerdings wären etwas höher auflösende Texturen, mehr geometrische Details und vor allem mehr Wahlmöglichkeiten in Bezug auf das Aussehen des eigenen Charakters wünschenswert. Die Software unterstützt Grafikkarten mit T&L-Engine, allerdings muss die T&L-Unterstützung in den Optionen erst aktiviert werden. Die Klangkulisse trägt ebenfalls zur Stimmung bei, fällt aber weder negativ noch besonders positiv auf. Die Maus- und Tastatursteuerung ist etwas gewöhnungsbedürftig. Beim Chatten lassen sich leider keine Umlaute nutzen.
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Für die Zukunft hat das Hannoveraner Entwicklerstudio Reakktor.com bereits angekündigt, das Spiel um weitere Orte ergänzen zu wollen. So sollen später zusätzlich eine begrenzte Anzahl von Städten und zwei Orbitalstationen besucht werden können. Im Moment beschränkt sich das Spiel auf die recht weitläufige Stadt Neocron mit ihren einzelnen, mehr oder weniger sicheren Bezirken und Abwassersystemen sowie zwei Orte in der Ödnis um Neocron. Das Bereisen der verseuchten Erde soll mit weiteren Fahrzeugen wie z.B. Kampfrobotern ermöglicht werden.
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Die Neocron-Box kostet rund 45,- Euro, es fallen allerdings wie bei anderen Online-Rollenspielen monatliche Abogebühren an. Bei Neocron liegen sie bei 9,95 Euro, immerhin sind die ersten vier Wochen kostenlos. Wer bis Ende dieses Jahres Neocron erwirbt, kann zwei Wochen zusätzlich kostenlos spielen. In den Abo-Gebühren nicht enthalten sind kostenpflichtige Nachfolgeversionen, Add-Ons oder Expansion Packs. Das erste große Update, welches den "Dome of York" als zweite Stadt hinzufügt, soll jedoch kostenfrei sein. Da sich Neocron ständig weiterentwickelt und laufend Bugs behoben werden, ist es für Spieler ratsam, eine schnelle Internetverbindung zu haben oder sich in Geduld auf Grund zahlreicher nötiger Downloads zu üben, insbesondere beim ersten Aufrufen des Spiels nach der Installation.
Fazit: Neocron ist kein Spiel für Fans von friedlichen Rollenspielen, aber eines für Freunde von futuristischen 3D-Shootern, denen der Sinn nach gemeinsamem Taktieren, Erobern und Erforschen steht. Dazu bietet die düstere Welt von Neocron genügend Herausforderungen und Abwechslung etwa durch die fiesen Gegner, die große Zahl an Ausrüstungsgegenständen und der im Kampf verwendbaren Fahrzeuge. Leider gibt es derzeit noch einige mehr oder weniger nervige Bugs und Phasen, in denen die Verbindung zu den Spiele-Servern ständig abreißt – hier muss noch einiges getan werden. Größtes Manko an Neocron ist, dass es für Anfänger keine Schritt-für-Schritt-Einleitung ins Spiel gibt und die ersten Spielstunden damit unnötigerweise frustrieren. Als Spieler sollte man aus diesem Grunde zunächst die Einsteiger-Anleitungen studieren, die sich auf Neocron.de(öffnet im neuen Fenster) oder den verschiedenen Fansites(öffnet im neuen Fenster) finden.