Jhai PC - E-Mail und VoIP auch ohne Stromleitung
Auf mechanische Teile wird also – abgesehen von einer Tastatur und einer Art Trackball – ganz verzichtet. Zur weiteren Ausstattung des Jhai PC zählen ein stromsparendes LCD und ein Matrixdrucker. Da die einzelnen Komponenten in verstärkten Gehäusen sitzen und der Computer selbst auf Mechanik verzichtet, hofft man auf eine Funktionsdauer von zehn Jahren. Die Stromversorgung erfolgt über eine Autobatterie, die auch während des Betriebs per Muskelkraft mittels Generator aufgeladen werden kann.
Insgesamt fünf Dörfer sollen in der ersten Phase einen Jhai Computer erhalten; das entstehende Netzwerk soll allen den Weg ins Internet und vor allem zu vier Internet-Lernzentren der Jhai Foundation ebnen. Die Verbindung der Rechner untereinander erfolgt mittels Funkverbindung. Der Dorf-Rechner wird dazu per WLAN mit einer solargetriebenen Verstärkerstation verbunden. Diese überträgt das Radiosignal zu einem nahegelegenen Mikrowellen-Turm und von dort schließlich zu einem Server in der Landeshauptstadt Vientiane, welche die Dörfer mit dem Internet verbinden.
Der von Lee Felsenstein und Mark Summer entwickelte Jhai PC soll nicht nur die Kommunikation untereinander und mit Lehrern in den Städten, sondern auch mit potenziellen Geschäftspartnern aus der Region oder anderen Ländern ermöglichen. Aus diesem Grund soll der Rechner auch simple Anwendungen zur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation zwecks Buchhaltung mit sich bringen. 1980 entwickelte Lee Felsenstein bereits mit dem Osborne-1(öffnet im neuen Fenster) einen der ersten tragbaren "Koffercomputer" im Auftrag von Adam Osborne.
Damit die Rechner genutzt werden, wird die Jhai Foundation gezielt auf Schüler der niedrigen Sekundärstufe setzen, von denen pro Dorf je eine Gruppe in der Computernutzung unterrichtet werden soll. Man erhofft sich, dass die besten Schüler die Computer geschäftlich für die Dorfverwaltung betreiben, weswegen die Schüler auch in kaufmännischen Dingen ausgebildet werden sollen. Die erfahrenen Schüler sollen dann die Ausbildung ihrer Nachfolger übernehmen. Man will den Dörfern zwar mindestens ein Jahr zur Seite stehen, hofft aber, dass diese sehr schnell alleine die Möglichkeiten der Systeme ausnutzen werden. Reparaturen und deren Kosten sollen über die Nutzungsdauer von der Jhai Foundation übernommen werden.
Das weltweit wohl bisher einmalige Pilotprojekt soll ausführlich dokumentiert werden, insbesondere da man hofft, dass es nicht nur in Laos auf weitere Interessenten stoßen wird. Falls das Projekt erfolgreich ist, könnte es für andere Länder adaptiert werden und dort der wirtschaftlich verheerenden digitalen Spaltung zwischen Vernetzten und Nicht-Vernetzten entgegenwirken.
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