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Anonymität im Internet fördert Kriminalität kaum (update)

Internet weniger für kriminelle Zwecke genutzt als bislang angenommen?

Die Veröffentlichungen über einzelne spektakuläre Ermittlungsverfahren erwecken gelegentlich den Eindruck, als werde das Internet überproportional für kriminelle Zwecke genutzt. Eine Untersuchung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein und der Technischen Universität Dresden zeigt, dass dies so nicht zutrifft.

Artikel veröffentlicht am ,

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz und die Technische Universität Dresden betreiben im Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsminister geförderten Modellprojekts den Anonymisierungsdienst AN.ON. Für diesen Dienst wurde das Programm JAP entwickelt, das Internetnutzern ein anonymes Surfen im WWW ermöglicht. Nach 13 Monaten Projektlaufzeit wurde nun eine erste Bilanz gezogen.

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Wegen der den Nutzern zugesicherten Anonymität verfügen die Projektpartner nur in sehr eingeschränktem Maße über statistisches Material. Gleichwohl sollen sich daraus bemerkenswerte Schlüsse ziehen lassen, so die Initiatoren. Insgesamt haben rund 100.000 Surfer das im Rahmen des Modellprojekts entwickelte Programm JAP heruntergeladen. Nach konservativen Schätzungen wird der JAP inzwischen durchschnittlich 5000-mal täglich genutzt. Rechnet man die tägliche Nutzung auf den bisherigen 13-monatigen Betrieb hoch, so ergeben sich circa 1,2 Millionen Nutzungsfälle, meint das Landeszentrum.

Dieser Zahl stehen insgesamt 17 Anfragen von Strafverfolgungsbehörden im Rahmen eines strafrechtlichen Anfangsverdachts gegenüber. Die Anfragen umfassten Verdachtsfälle auf Kreditkarten- und Bestellbetrug, in zwei Fällen Straftaten im Zusammenhang mit Kinderpornografie sowie Angriffe auf Internetserver.

In 15 Fällen wandten sich außerdem Privatpersonen an das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz, wobei beispielsweise der Vorwurf der Beleidigung und der Störung von Diskussionsforen gemacht wurde. Vielfach ging es dabei auch um das Ausnutzen von Sicherheitslücken auf Webservern.

Diese Anfragen erreichten das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz deshalb, weil beim Rückverfolgen von Web-Nutzeradressen die IP-Adresse des Anonymisierungsdienstes erscheint, für den das Landeszentrum die rechtliche Betreuung übernommen hat. Da es gerade eine Eigenschaft des Anonymisierungsdienstes ist, keine Verbindungsdaten zu speichern, die eine spätere Identifizierung der Nutzer zulassen, wurde nach Angaben des Betreibers den Anfragern in allen Fällen mitgeteilt, dass die Erteilung derartiger Auskünfte nicht möglich ist.

Aus diesen Zahlen meint das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz den Schluss ziehen zu können, dass offenbar die überwältigende Mehrzahl der Internet-Nutzungen nicht zu kriminellen Zwecken erfolgt. Nur bei einem verschwindend geringen Prozentsatz ergäbe sich überhaupt ein Verdacht in diese Richtung. Dies sei umso überraschender, als man kriminellen Missbrauch gerade bei garantierter Anonymität vermuten könnte, so die Datenschützer.

Auch wenn man die nunmehr festgestellten Zahlen nicht einfach verallgemeinern kann, so erscheine es doch in hohem Maße unzutreffend, wenn aus einzelnen aufsehenerregenden Verdachtsfällen in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt wird, als sei das Internet generell ein kriminalitätsbelasteter Raum, meint das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz.

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz und die Technische Universität beabsichtigen, AN.ON systematisch weiter auszubauen. Vor wenigen Tag hat das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz einen eigenen Anonymitätsserver in Betrieb genommen. Letztlich geht es bei AN.ON nach Ansicht der Betreiber um die Verwirklichung des Teledienstedatenschutzgesetzes. Dort heißt es in § 4 Abs. 6 wörtlich: "Der Diensteanbieter hat dem Nutzer die Inanspruchnahme von Telediensten und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeiten zu informieren."

Update:
Wegen der aktuellen Hochwasserkatastrophe ist der Serverbetrieb des Anonymisier-Dienstes JAP (Java Anon Proxy), der das Frontend zu An.on liefert, eingestellt worden. An der TU Dresden ist Wasser in die Keller eingedrungen - deshalb wurde der Strom vorsorglich abgeschaltet.



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mcmc 30. Aug 2002

Hier auch noch ein guter Anonymizer Service: http://www.nomex.ch/goto have fun!

me 16. Aug 2002

Hoffe das diese Nachricht auch die Leute erreicht, die das Internet gerade zensieren und...


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