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Spieletest: Syberia - Fantasievolles Adventure

Faszinierende Reise durch vier unterschiedliche Szenarien. Es ist schon paradox: Auf der einen Seite wünschen sich unzählige Spieler nichts lieber als endlich mal wieder ein gelungenes klassisches Point&Click-Adventure, auf der anderen Seite wollen die Hersteller derartige Programme nicht mehr produzieren - angeblich auf Grund der kaum noch vorhandenen Nachfrage. Microids hat sich nun dankenswerterweise dennoch dieses Genres angenommen und mit Syberia ein faszinierendes und fesselndes Abenteuer geschaffen.
/ Thorsten Wiesner
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Die Story wurde dabei vom Comic-Zeichner Benoît Sokal entworfen. Man übernimmt die Rolle der amerikanischen Anwältin Kate, die nach Europa kommt, um den Verkauf einer jahrhundertealten mechanischen Spielzeug- und Automatenmanufaktur abzuwickeln. Kurz nach ihrer Ankunft muss Kate allerdings feststellen, dass die Besitzerin der Fabrik Anna Voralberg kürzlich verstorben ist und sich der Verkauf nun um einiges verkompliziert. Denn nun muss mit dem Bruder der Verstorbenen alles Weitere geklärt werden, und der ist seit Jahren verschollen.

Fortan begibt sich Kate auf die Suche nach ihm und besucht dabei eine Reihe faszinierender Szenarien. Die Story beginnt im kleinen französischen Städtchen Valadilène, das mit einer Kombination aus idyllischen Naturlandschaften und seltsam unheimlichen Stadtbewohnern aufwartet. Weiter geht es in das sibirische Kombolzgrad, das den düsteren Charme eines verlassenen Militärstütztpunktes verströmt, über die wieder sehr einnehmende Gegend von Aralbad bis hin zu des Rätsels Lösung, die hier natürlich nicht verraten werden soll.

Syberia ist kein wirklich schwieriges Spiel, zumeist müssen Personen aufgesucht und befragt und kleinere Aufgaben gelöst werden, die in ihrer Komplexität auch Anfänger nicht überfordern. Im Inventar befindet sich immer nur eine kleine und überschaubare Anzahl von Gegenständen, und die kleineren Schalter-Rätsel, die hier zumeist etwas mit antik wirkenden Automaten zu tun haben, sind auch meist schnell geknackt.

Den größten Pluspunkt an Syberia stellt zweifellos die hervorragende Story dar. Die Geschichte um die Suche nach einer vollautomatischen Welt, die voller überraschender Wendungen steckt und gespickt ist mit interessanten Charakteren fesselt von der ersten Minuten an und lässt auch so schnell nicht wieder los. Die einfache Bedienung - sämtliche Aktionen werden mit der Maus gesteuert, mit der linken Taste nimmt man Gegenstände auf und führt Gespräche, mit der rechten öffnet man das Inventar - fordert praktisch keinerlei Einarbeitungszeit.

Auch grafisch beeindruckt Syberia: Kate bewegt sich - ähnlich wie es auch beim Spiel The Longest Journey der Fall war - als 3D-Charakter in gerenderten 2D-Szenarien, die allesamt wunderschön anzusehen sind. Clipping-Fehler oder Ähnliches sucht man hier vergeblich, dafür ist man oft wirklich beeindruckt von dem Einfallsreichtum der gezeigten Örtlichkeiten.

Die unauffällige, aber sehr stimmige Musik unterstreicht die Atmosphäre ebenfalls hervorragend, bei der Sprachausgabe hingegen gibt es Grund zur Kritik: Die Stimme von Kate ist durchaus angenehm und passend, viele andere Personen im Spiel hingegen klingen leider zu gekünstelt und übertrieben. Fehler in der deutschen Übersetzung sind dafür nur sehr selten auszumachen.

Fazit:
Syberia ist vor allem eines - eine faszinierende und wunderbar präsentierte Geschichte. Wer fordernde Kopfnüsse im Stile von Monkey Island sucht wird auf Grund des niedrigen Schwierigkeitsgrades - auch Anfänger dürften kaum länger als 20 Stunden für das Durchspielen brauchen - enttäuscht werden. Wer aber schon länger endlich mal wieder ein spannendes Adventure spielen möchte, hat schon lange keine so gute Möglichkeit dafür erhalten wie mit Syberia.


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