Spieletest: Warcraft III - Wirklich das Spiel des Jahres?
Langerwartete Fortsetzung seit kurzem erhältlich. Hunderttausende Spieler, die das Erscheinen des Spieles seit Monaten kaum noch abwarten konnten, Verkaufsrekorde für Blizzard und Höchstwertungen in der Presse – Warcraft III dominiert wie kein anderer Titel das PC-Spiele-Geschäft dieses Sommers. Aber ist der Rummel auch verdient oder handelt es sich bei Warcraft III doch nur um ein zwar gutes, aber nicht bahnbrechendes Strategiespiel?
Die Meinungen darüber sind gespalten, und das liegt vor allem in den unterschiedlichen Geschmäckern der Spieler begründet. Zum Beispiel die Grafik: Blizzard hat hier deutliche Fortschritte gemacht und präsentiert die fantasievolle Welt jetzt in 3D und kunterbunten Farben. Die Charaktere erscheinen zudem – wenn sie aktiv sind – mit einem Comic-artigen kleinen Gesicht auf dem Bildschirm. Eben dieser Comic-Stil mag manchen allerdings auf Grund des sehr kindlichen Designs negativ aufstoßen. Ähnliches gilt für die Szenerien: detaillierter als je zuvor, aber oft, gerade bei Massenschlachten, auch recht unübersichtlich. Und die Animation der Charaktere beim Rennen birgt ebenfalls eine gewisse, nicht unbedingt beabsichtigte Komik in sich.
Über die hervorragende Intro-Sequenz wird es dafür nur wenig Uneinigkeit geben. Ebenso wie bei den gerenderten Videos im Spiel beweist Blizzard damit wie schon bei Diablo II, dass kaum ein anderer Hersteller derart filmreife Sequenzen zu schaffen vermag. Hervorragend ist auch die deutsche Übersetzung: In den Texten waren so gut wie keine Ungereimtheiten zu entdecken, und auch die Sprachausgabe passt hervorragend zu den jeweiligen Personen.
Die großen und permanenten Schlachten kann man in Warcraft gleich mit vier verschiedenen Völkern erleben. Wer die Einzelspieler-Kampagne durchspielt, wird erst die Menschen und danach die Untoten, dann die Orcs und die Nachtelfen in die Schlacht führen. Natürlich verfügt jedes Volk über unterschiedliche Einheiten und Kämpfer, die zum Bau von Hütten, Schmieden und Kasernen, zum Abbau von Gold und Holz, aber natürlich auch zum Kampf eingesetzt werden.
Warcraft ist sicherlich kein reines Strategiespiel, sondern vereint auch zahlreiche Rollenspiel- und einige Action-Elemente in sich. So bringen etwa erfolgreiche Kämpfe Charakter-Aufwertungen mit sich und Zauber sind in verschiedenen Stärken erhältlich. Reines Hochrüsten der eigenen Armee und anschließendes In-die-Schlacht-Stürzen ist hier zum Glück auch kein Patentrezept. Dafür sorgen schon die abwechslungsreichen Missionen mit ihren zahlreichen Haupt- und Neben-Questen.
Auch wenn die Bedienung hauptsächlich mit der Maus geschieht, wird man schon bald die Möglichkeit der (leider nicht frei konfigurierbaren) Kürzeltasten nutzen. Gerade im Schlachtgetümmel ist es so weitaus einfacher möglich, bestimmte Einheiten zusammenzufassen und zwischen verschiedenen Kampfschauplätzen zu wechseln.
Im Single-Player-Modus bietet das Spiel mit "normal" und "schwer" zwei Schwierigkeitsgrade, wobei Blizzard ganz offensichtlich das Problem lösen wollte, sowohl Neueinsteiger als auch erfahrene Warcraft-Kämpfer gleichzeitig zufrieden zu stellen. Einsteiger werden so mit dem immer komplexer werdenden Gameplay richtig gefordert, Profis hingegen sind vielleicht doch schneller am Ende der Kampagne gelandet als es ihnen bei einem Spiel dieser epischen Breite lieb wäre.
Dieses Problem kennt natürlich der Multiplayer-Modus nicht, der einen Großteil der Faszination des Titels ausmacht und für lang anhaltende Motivation sorgt. Denn wieder einmal ist der kostenlose Battle.net-Service Treffpunkt für Tausende Warcraft-Spieler. Ebenfalls für eine lange Motivation sorgt der extrem leistungsfähige, infolgedessen aber auch nicht gerade leicht zu bedienende Editor, mit dem man nicht nur neue Level basteln, sondern sogar die Texturen verändern darf.
Fazit: Warcraft III ist ein wirklich großartiges Spiel geworden, die vielfältigen Handlungsmöglichkeiten, die spannende Story sowie die gelungene Kombination aus Strategie und Rollenspiel sorgen für stundenlangen Spielspaß. Die grafischen Verbesserungen sind zwar sicherlich Geschmackssache und auch die spielerischen Neuerungen sind nicht so gravierend, wie man vielleicht erwartet hatte, trotzdem können Strategie-Fans mit Hang zu Fantasy-Szenarien ihr Geld derzeit kaum besser anlegen.