Spieletest: Neverwinter Nights - Das besondere Rollenspiel

Zu Anfang des Spiels gilt es, sich einen Charakter zurechtzubasteln, gemäß den Dungeons and Dragons Rollenspielregeln der 3. Edition. Es stehen die typischen D&D-Fantasy-Rassen, vom Halbling über den Menschen bis zum Elfen, zur Verfügung. Bei den Berufen stehen elf Basisklassen zur Verfügung, für die jeweils mehrere verschiedene Fertigkeitspakete zwecks Spezialisierung geschnürt wurden. D&D-gemäß ist auch eine Kombination mehrerer Berufe möglich - so dass etwa schwertschwingende Magier, zaubernde Paladine oder diebische Mönche erschaffen werden können, allerdings ist dann der Aufstieg in höhere Stufen etwas langwieriger. Weiterhin können Aussehen, Attribut, Geschlecht und Gesinnung (es sind auch böse Charaktere möglich) beeinflusst werden. Da die Charaktererschaffung und die im Spiel erfolgenden Stufenaufstiege sehr viele Möglichkeiten eröffnen, können Anfänger sich vom Spiel durch Empfehlungen und ausführliche Beschreibungen unter die Arme greifen lassen.
Fans von Rollenspielgrüppchen werden vermutlich etwas enttäuscht sein, dass man in Neverwinter Nights nur eine Person steuern kann und auch der Einfluss auf die unterschiedlichen Begleiter, die im Laufe des Spiels hinzukommen und auch wieder gehen, relativ gering ist. Man kann lediglich die Kampftaktik, die einzuhaltende Entfernung und einige andere Dinge festlegen. Die Ausrüstung des Begleiters ist nicht möglich, man kann diesem allerdings im Kampf mit Tränken oder Ähnlichem helfend zur Seite stehen. Die geringen Einflussmöglichkeiten sind jedoch nicht gravierend, da Begleiter - idealerweise jemand, der Fähigkeiten besitzt, über die der eigene Charakter nicht verfügt - relativ intelligent agieren, sich in Kämpfen teils selber heilen, einem bei verschlossenen Türen oder beispielsweise Truhen zur Hand gehen oder gar Fallen entschärfen bzw. vor selbigen warnen.
Aus dem Tritt geraten Held und Begleiter manchmal, wenn es darum geht, bestimmte Punkte zu erreichen. So bleiben diese teils vor Wänden stehen, anstatt eine darin befindliche Nische zu betreten. Beim Kämpfen kann dies tödlich sein, während es beim Schlösserknacken immer noch nervig ist, wenn der Begleiter untätig schräg vor einer Kiste steht, die er öffnen soll - und sogar bereits darauf hingewiesen hat, diese knacken zu wollen. In der aktuellen Version 1.19 (die englische Version ist bereits bei Version 1.2) von Neverwinter Nights hat Bioware dies zwar noch nicht beseitigt, verliert aber zumindest nicht mehr die Begleiter beim schnellen Durchwandern der verschiedenen Umgebungen aus den Augen.
Ebenfalls bei Spielstart kann der Netzwerkmodus, der Spielleitermodus und ein Editor aufgerufen werden. Damit wird nicht nur das Schaffen eigener Karten, Gegner, Fallen, magischer Gegenstände und ganzer Szenarien möglich, sondern auch das gemeinsame Spielen. Bis zu 64 Spieler können so per Netzwerkmodus im normalen Spiel oder in eigenen Abenteuern agieren - wobei es auch einen Spielleiter geben kann, der den Spielern verschiedene Gegner vorsetzt und die Rolle der Nichtspieler-Charaktere übernimmt. Zudem gibt es Player-versus-Player-Zonen, in denen Spieler sich auch gegenseitig vertrimmen können. Selbst erstellte Abenteuer können anderen Neverwinter-Nights-Fans zur Verfügung gestellt werden.
Fazit:
Neverwinter Nights ist ein Spiel, das viele Stunden vor den Bildschirm fesseln kann, nicht nur durch die interessante Story, die hübsche Grafik und den stimmungsvollen Sound, die eine schönschaurige Atmosphäre schaffen. Anfänger werden dank der gelungenen Steuerung nahezu ebensoviel Spaß an Biowares neuem Streich haben wie hartgesottene Rollenspieler, denen das D&D-Regelwerk vertraut ist. Selbst wenn man die offizielle Kampagne mehrmals durchgespielt und die alternativen Enden mit verschiedenen Charakteren erlebt hat, so kann man mittels Netzwerkspiel, Editor und Mitspielern noch lange Spaß mit Neverwinter Nights haben. Allerdings ist zu raten, die Updatefunktion des Spiels bereits vor dem ersten Spielstart zu nutzen, um von vornherein Fehler auszumerzen, die Bioware aber leider noch nicht vollständig behoben hat.



