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Spieletest: Neverwinter Nights - Das besondere Rollenspiel

Bis zu 64 Spieler können per Netzwerk gemeinsam Abenteuer erleben. Mit Neverwinter Nights hat das Bioware-Team nach der Baldurs-Gate-Serie ein weiteres Rollenspiel im Forgotten-Realms-Universum des Pen-and-Paper-Rollenspiels "Dungeons & Dragons" (D&D) veröffentlicht. Mit hübscher 3D-Grafik, komplexem Regelwerk, zahlreichen Abenteuern und Nebenschauplätzen, langer Spielzeit, Editor und Netzwerkfähigkeit will Neverwinter Nights Rollenspielfans für sich gewinnen.
/ Christian Klaß
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Hauptspielplatz der Handlung ist die Stadt Niewinter, deren Bevölkerung von einer rätselhaften Seuche heimgesucht wird, gegen die kein Kraut gewachsen scheint. Panik und Aufstände sorgen dafür, dass sich die Stadtwache nicht mehr in alle Teile der Stadt vortraut - die Ordnung kann nur teilweise aufrechterhalten werden. Als die einzige Hoffnung für die Entwicklung einer magischen Medizin auf Grund eines heimtückischen Überfalls verloren scheint, wird ein junger Nachwuchsheld auserkoren, die Dinge zu richten. Bei diesem, wie sollte es auch anders sein, handelt es sich natürlich um den Spieler.

Zu Anfang des Spiels gilt es, sich einen Charakter zurechtzubasteln, gemäß den Dungeons and Dragons Rollenspielregeln der 3. Edition. Es stehen die typischen D&D-Fantasy-Rassen, vom Halbling über den Menschen bis zum Elfen, zur Verfügung. Bei den Berufen stehen elf Basisklassen zur Verfügung, für die jeweils mehrere verschiedene Fertigkeitspakete zwecks Spezialisierung geschnürt wurden. D&D-gemäß ist auch eine Kombination mehrerer Berufe möglich - so dass etwa schwertschwingende Magier, zaubernde Paladine oder diebische Mönche erschaffen werden können, allerdings ist dann der Aufstieg in höhere Stufen etwas langwieriger. Weiterhin können Aussehen, Attribut, Geschlecht und Gesinnung (es sind auch böse Charaktere möglich) beeinflusst werden. Da die Charaktererschaffung und die im Spiel erfolgenden Stufenaufstiege sehr viele Möglichkeiten eröffnen, können Anfänger sich vom Spiel durch Empfehlungen und ausführliche Beschreibungen unter die Arme greifen lassen.

Trotz des komplexen Regelsystems fällt die Steuerung des eigenen angehenden Helden recht leicht: Per Mausklick bewegt man den Helden zum gewünschten Ort, ruft die verschiedenen Fertigkeiten über eine Art Baumstruktur-Interface auf, kann Fertigkeiten oder Funktionen magischer Gegenstände jedoch auch per Schnelltasten aufrufen. Die Beobachterkamera kann in verschiedene Modi geschaltet, per Maus um den Helden geschwenkt und per Maus-Scrollrädchen fix in die Szene hinein- oder aus ihr hinausgezoomt werden. Dies ist auch nötig, wenn man sich die Umgebung - etwa Räume und Gänge von Gebäuden, Verliesen und Burgen - näher anschauen und keine versteckte Kiste mit eventuell wichtigen magischen Gegenständen übersehen will. Eine um eigene Hinweise ergänzbare Karte und ein Kompass helfen zudem bei der Orientierung im Spiel.

Regelexperten können über den Charakterbogen alle Details ihres Charakters einsehen: Auch beim Kampf wird genau gezeigt, wie gut man trifft, welche Abzüge man in Kauf nehmen muss und welche Effekte gegnerische Zauber, Gifte oder Krankheiten auf den Helden haben. Um in den teils recht hektischen Echtzeitkämpfen ohne Probleme seine Strategien und nächsten Aktionen planen zu können, bietet das Spiel die Möglichkeit, per Leertaste die Zeit anzuhalten, so dass in Ruhe die richtigen Tränke, Ausrüstungsgegenstände oder Aktionen ausgewählt werden können. Drückt man die Leertaste erneut, beginnt der Charakter die Befehle umzusetzen.

Fans von Rollenspielgrüppchen werden vermutlich etwas enttäuscht sein, dass man in Neverwinter Nights nur eine Person steuern kann und auch der Einfluss auf die unterschiedlichen Begleiter, die im Laufe des Spiels hinzukommen und auch wieder gehen, relativ gering ist. Man kann lediglich die Kampftaktik, die einzuhaltende Entfernung und einige andere Dinge festlegen. Die Ausrüstung des Begleiters ist nicht möglich, man kann diesem allerdings im Kampf mit Tränken oder Ähnlichem helfend zur Seite stehen. Die geringen Einflussmöglichkeiten sind jedoch nicht gravierend, da Begleiter - idealerweise jemand, der Fähigkeiten besitzt, über die der eigene Charakter nicht verfügt - relativ intelligent agieren, sich in Kämpfen teils selber heilen, einem bei verschlossenen Türen oder beispielsweise Truhen zur Hand gehen oder gar Fallen entschärfen bzw. vor selbigen warnen.

Damit entfällt zumindest bei den Echtzeit-Kämpfen etwas Stress, denn Neverwinter Nights bietet auch so genug Action. Die Kommunikation mit den Begleitern, die jeweils ihre eigene Geschichte zu erzählen wissen, erfolgt wie mit den restlichen Personen im Spiel - per Textfensterchen und Mausklick auf verschiedene zur Verfügung stehende Frage- und Antwortmöglichkeiten.

Aus dem Tritt geraten Held und Begleiter manchmal, wenn es darum geht, bestimmte Punkte zu erreichen. So bleiben diese teils vor Wänden stehen, anstatt eine darin befindliche Nische zu betreten. Beim Kämpfen kann dies tödlich sein, während es beim Schlösserknacken immer noch nervig ist, wenn der Begleiter untätig schräg vor einer Kiste steht, die er öffnen soll - und sogar bereits darauf hingewiesen hat, diese knacken zu wollen. In der aktuellen Version 1.19 (die englische Version ist bereits bei Version 1.2) von Neverwinter Nights hat Bioware dies zwar noch nicht beseitigt, verliert aber zumindest nicht mehr die Begleiter beim schnellen Durchwandern der verschiedenen Umgebungen aus den Augen.

Um Probleme auszumerzen und Neuerungen zur Verfügung zu stellen, hat Bioware dem Spiel löblicherweise eine halbautomatische Update-Routine spendiert, die beim Start des Spiels aus einem Menü aufgerufen wird und bei bestehender Internet-Verbindung dafür sorgt, dass Neverwinter Nights auf dem aktuellen Stand ist. Beim Test gab es allerdings ab und an noch einige heftige Abstürze, die vermutlich in einer Inkompatibilität zwischen Spiel und ATIs aktuellen Catalyst-Treibern für die Radeon 8500 begründet sind.

Ebenfalls bei Spielstart kann der Netzwerkmodus, der Spielleitermodus und ein Editor aufgerufen werden. Damit wird nicht nur das Schaffen eigener Karten, Gegner, Fallen, magischer Gegenstände und ganzer Szenarien möglich, sondern auch das gemeinsame Spielen. Bis zu 64 Spieler können so per Netzwerkmodus im normalen Spiel oder in eigenen Abenteuern agieren - wobei es auch einen Spielleiter geben kann, der den Spielern verschiedene Gegner vorsetzt und die Rolle der Nichtspieler-Charaktere übernimmt. Zudem gibt es Player-versus-Player-Zonen, in denen Spieler sich auch gegenseitig vertrimmen können. Selbst erstellte Abenteuer können anderen Neverwinter-Nights-Fans zur Verfügung gestellt werden.

Grafik und Sound von Neverwinter Nights sind zwar nicht das beste bisher Gesehene, aber schön anzuschauen und stimmungsvoll. Die Kreaturen und Bewohner der Forgotten Realms bewegen sich insbesondere in den Kämpfen sehr glaubwürdig und sind recht detailliert. Zaubersprüche erzeugen hübsches optisches Beiwerk, während Fackeln und leuchtende magische Gegenstände ein Licht- und Schattenspiel erzeugen, das mehr als überzeugen kann. Wenn man durch die Gassen und Gebäude von Niewinter marschiert, erhält man zudem immer die passende Untermalung wie Kampfeslärm, Gespräche und Ähnliches. Die teils düstere Musik trägt ihren Teil dazu bei, die verseuchte Stadt zum Leben zu erwecken.

Fazit:
Neverwinter Nights ist ein Spiel, das viele Stunden vor den Bildschirm fesseln kann, nicht nur durch die interessante Story, die hübsche Grafik und den stimmungsvollen Sound, die eine schönschaurige Atmosphäre schaffen. Anfänger werden dank der gelungenen Steuerung nahezu ebensoviel Spaß an Biowares neuem Streich haben wie hartgesottene Rollenspieler, denen das D&D-Regelwerk vertraut ist. Selbst wenn man die offizielle Kampagne mehrmals durchgespielt und die alternativen Enden mit verschiedenen Charakteren erlebt hat, so kann man mittels Netzwerkspiel, Editor und Mitspielern noch lange Spaß mit Neverwinter Nights haben. Allerdings ist zu raten, die Updatefunktion des Spiels bereits vor dem ersten Spielstart zu nutzen, um von vornherein Fehler auszumerzen, die Bioware aber leider noch nicht vollständig behoben hat.


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