Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Spieletest: Arx Fatalis - 3D-Rollenspiel für Dungeon-Fans

Inoffizieller Ultima-Underworld-Nachfolger. Für diejenigen, die gerne durch unterirdische Höhlen, Katakomben und Städte reisen, um dort Rätsel zu lösen und Abenteuer zu erleben, bietet JoWooD seit kurzem das 3D-Rollenspiel "Arx Fatalis" für Windows-PCs an. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Ultima Underworld kommt dabei nicht von ungefähr, denn ein Teil der Arx-Fatalis-Programmierer von Arkane Studios stammt vom nicht mehr existierenden Spieleentwicklungsstudio Looking Glass Technologies.
/ Christian Klaß
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

In Arx Fatalis gilt es, die Rolle eines unfreiwilligen Helden zu übernehmen, der ohne Erinnerung an sich selbst in einem Goblin-Gefängnis zu sich kommt. Im Laufe der Flucht aus selbigem erfährt man zwar nichts über den Protagonisten, dafür aber über die Welt von Arx Fatalis: Nachdem die Sonne verloschen war, zogen sich Menschen, Goblins, Rattenmenschen, Trolle und Zwerge gemeinsam unter die Oberfläche zurück. Arx Fatalis spielt in diesem "dunklen Zeitalter", in dem sich praktisch niemand mehr auf die Oberfläche traut und der fragile Friede zwischen den Völkern durch einen über Leichen gehenden Chaoskult bedroht ist, der die Weltherrschaft anstrebt. Dem Spieler obliegt es nun, die Pläne des Chaoskults zu durchkreuzen und das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Die Charaktererschaffung ist nicht so komplex wie etwa bei Morrowind, was jedoch nicht unbedingt von Nachteil ist: Man verteilt einige Punkte auf die Attribute (Stärke, Geschicklichkeit, Mana etc.) und neun verschiedene Fertigkeiten, anschließend sucht man sich eines der zur Auswahl stehenden, nicht gerade hübschen Gesichter aus. Ein Beruf muss nicht gewählt werden. Hat man im Laufe des Spiels genügend Erfahrung gesammelt, so gilt es, weitere Punkte zu verteilen.

Die Steuerung des Charakters erfolgt per Maus und Tastatur. Dank Ich-Perspektive sieht man den Protagonisten nur komplett, wenn eine Zwischensequenz in Spielgrafik gezeigt wird. Es dauert etwas, bis man sich an die komplexe, aber auch etwas konfuse Steuerung gewöhnt hat. Wer Erfahrung in First-Person-Shootern gesammelt hat, wird deshalb schnell von der Möglichkeit Gebrauch machen, die Tastatur- und Maustastenbelegung seinen eigenen Vorlieben entsprechend zu verändern. Schon alleine, um die Kämpfe mit Angriffs- und Verteidigungsaktionen einfacher überstehen zu können. Kämpfe werden mit verschiedenen Waffen gegen diverse Gegner von der obligatorischen Riesenratte über Goblins bis hin zu diversen Untoten ausgetragen. Die Wahl der Waffe ist dabei mitunter wichtig: Vampire können nur mit Holzpflock endgültig ins Jenseits befördert werden.

Innerhalb und außerhalb des Kampfes ist zudem die Magie wichtig. Das Arx-Fatalis-Magiesystem basiert - wie schon Ultima Underworld - auf Runen, von denen 20 verschiedene gesammelt werden müssen, um damit insgesamt 50 Zauber bewirken zu können. Dabei gilt es je nach Zauber, die Muster der Runen mit dem Mauszeiger in der richtigen Reihenfolge zu zeichnen und bei Erfolg mit funktionierendem Zauber belohnt zu werden. Dies erinnert an das Strategie-Spiel Black & White, das bereits mit einer Gestenerkennung im Magiesystem aufwartete. Ein paar Zauber können zudem im Gedächtnis behalten werden, sie müssen dann nur noch per Klick und nicht mehr per Zeichnen aktiviert werden.

Abgesehen von den Kämpfen und magischen Aktionen gibt es in Arx Fatalis noch eine Menge mehr zu tun: Die sehr lineare Story entwickelt sich hauptsächlich durch das Erledigen von Aufgaben, die man durch Konversationen mit den anderen Bewohnern der Welt gestellt bekommt. Meist müssen dabei Rätsel gelöst werden, so müssen z.B. Gegenstände gefunden, Hebel aktiviert, Truhen geöffnet und Objekte miteinander kombiniert werden. Letzteres ermöglicht etwa das Instandsetzen von Maschinen, das Reparieren von Waffen, das Knacken von Türen mittels Dietrichen, aber auch das Zubereiten von Lebensmitteln. Essen und Trinken haben in Arx Fatalis eine wichtige Bedeutung - bekommt der unfreiwillige Held keine Nahrung, wirkt sich das eher schlecht aus, ist er hingegen gut genährt, werden Verletzungen schneller geheilt.

Wer sich nicht mit Kauf und Verkauf von Ausrüstungsgegenständen über Wasser hält, sondern sich als Spitzbube an anderer Leute Hab und Gut vergreift, muss auch in Arx Fatalis sehr vorsichtig vorgehen. So sollte man nur stehlen oder in Privatgemächer eindringen, wenn dabei niemand zusieht. Andernfalls werden die Wachen gerufen, die dann kurzen Prozess machen und das Leben des gespielten Charakters beenden. Selbst bei geglückter Flucht ist es dann allerdings vorbei mit der Gastfreundlichkeit, da man fortan als Feind gewertet wird.

Die Kommunikation und Reaktion der vom Spiel gesteuerten Figuren ist wirklich beeindruckend - geschwächte Gegner laufen weg, rufen um Hilfe und trommeln damit Verstärkung zusammen. Damit wird auch eine Gruppe schwächerer Gegner zu einer Herausforderung. Wenn die Gegner den schleichenden Helden vernehmen, etwa weil sie dessen Fußschritte oder klirrende Kettenrüstung hören, schauen sie erst mal nach dem Rechten. Schafft man es dann, sich versteckt zu halten, gehen sie wieder ihren Tätigkeiten nach und unterhalten sich miteinander. Auch durch Lauschen kann man so an die eine oder andere Information kommen - oder muss auch mal einen schlechten Goblin-Witz ertragen.

Grafisch ist Arx Fatalis gut gelungen, sowohl in Hinsicht auf die schön gestalteten Höhlen, Verliese und unterirdischen Städte als auch in Hinsicht auf die zahlreichen schön gestalteten Kreaturen, die diese bevölkern. Selbst die Gesichter der Menschen im Spiel wirken dabei dank guter Texturen schon sehr glaubwürdig. Dazu tragen auch die zur jeweiligen Umgebung passende Soundkulisse und die gute Sprachausgabe bei - die Musik hingegen ist Durchschnitt und nicht weiter erwähnenswert. Imposant sind auch die Magieeffekte, allerdings wirkt Morrowind hier insgesamt noch einen Tick hübscher.

In einigen Bereichen bricht das Spiel leider auch bei niedrigerer Auflösung und ohne Bump Mapping dramatisch ein, was den Spielfluss doch deutlich stören kann. Erst mit einem bereits erhältlichen Patch von Version 1.1 auf Version 1.11 wird ein Clipping-Fehler beseitigt, der Gegenstände teils in Wänden verschwinden oder einen durch eben diese hindurchsehen lässt. Auf unserem AthlonXP-Testsystem mit Radeon 8500 und Windows XP produzierte das Spiel zudem bei aktiviertem Bump Mapping einige nervige Grafikfehler wie z.B. flackernde Polygone oder "Risse" im Bild.

Der ansonsten gelungenen Atmosphäre des Spiels etwas abträglich sind leider die langen Ladezeiten zwischen Ebenen und Bereichen innerhalb einer Ebene. "Schuld" an ihnen dürfte sicherlich auch die detailreiche Grafik sein. Der Spielatmosphäre wirklich abträglich waren hingegen verschiedene Abstürze, die wir beim Test erlebten - dabei beendete sich das Spiel mittendrin und auch beim Wechsel in eine andere Ebene ohne Fehlermeldung selbst, was noch auf den einen oder anderen Bug schließen lässt. Zumindest einige Ursachen dafür scheint der erwähnte Patch auf die Version 1.11 zu beseitigen. Schade ist, dass das Spiel nach dem Durchspielen dank fehlendem Editor nicht um eigene Abenteuer und Karten erweitert werden kann.

Fazit:
Arx Fatalis kann als würdiger inoffizieller Nachfolger von Ultima Underworld gelten. Dafür sorgen nicht nur die Grafik, Geräuschkulisse und Sprachausgabe: Hat man sich in die Steuerung eingearbeitet, die Handlungsmöglichkeiten entdeckt und sich in die Fantasy-Welt eingelebt, fällt es einem schwer, sich davon zu lösen. Negativ fallen allerdings längere Ladezeiten sowie einige Grafikprobleme und Abstürze während des Spielens von Arx Fatalis auf.


Relevante Themen