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GNU-Gründer Richard Stallman im Interview

Golem.de: Sie sagten, dass es für das Tauschen von Musik gut wäre, eine Art digitales Zahlungssystem zu haben. Es gibt proprietäre Systeme, die dies leisten, wie PayPal.

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Stallman: Ja, aber ich würde nicht sagen, dass PayPal proprietär ist. Es ist nur eine Website. Ich denke, es enthält keine proprietäre Software. Als ich mir den Vertrag ansah, den man bei PayPal abschließen soll, fand ich einige Punkte, die ich nicht unterschreiben konnte. Das sind andere Gründe, ich weiß gerade nicht, was es exakt war, aber es waren ethische Gründe, die ich mit dem PayPal-Vertrag hatte. Meine Hauptkritik an PayPal als Lösung für dieses Problem ist aber der große Overhead. PayPal für eine Zahlung von einem Euro zu nutzen ist nicht sinnvoll, der Overhead ist zu groß. Es für eine Zahlung von zehn Euro zu nutzen, kann man in Betracht ziehen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass, wenn man Menschen bittet, zehn Euro an eine Band zu geben, viele denken, zehn Euro sind viel Geld. Ein Euro ist ein kleinerer Betrag und ich denke, viele Leute in Europa, wenn sie etwas sehen wie "Sende einen Euro", würden nicht zögern. Ein Euro ist so wenig für sie. Aber das ist der Punkt, man muss es schmerzfrei machen, den Betrag so klein wählen, dass viele Leute gar nicht darüber nachdenken, soviel zu geben.

Golem.de: Wäre es technisch möglich, ein solches System von Seiten der Community zu installieren und zu betreiben?

Stallman: Ich weiß es nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es mit der Zeit möglich sein müsste. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es technisch möglich ist, es ist vielmehr eine Frage des Geschäfts, nicht der Technik, ob dies möglich ist. Es sind eher die sozialen Fragen, die zu lösen sind, die möglicherweise große Investitionen erfordern. Aber wenn man sich ansieht, wie viel die Gesellschaft investiert, um Urheberrechte durchzusetzen, warum sollte es dann nicht möglich sein, in eine Infrastruktur zu investieren, die es Menschen einfacher macht, Autoren und Musiker zu unterstützen.

Golem.de: Noch einmal zurück zu Hurd, der eine andere Architektur als der Linux-Kernel hat. Es ist eine Kombination aus den Hurd-Daemons und dem Mach-Mikrokernel, was die Funktion des monolithischen Linux-Kernels ersetzt. Denken Sie, Hurd wird Linux langfristig ersetzen?

Stallman: Ich weiß es nicht, es ist die Sache der Öffentlichkeit, der Nutzer zu entscheiden, wie erfolgreich Hurd sein wird.

Golem.de: Sicher, aber Sie haben die Entscheidung für diese Architektur doch ganz bewusst getroffen. Und das zu einer Zeit als viele sagten, es sei nicht möglich, einen Mikrokernel zu implementieren.

Stallman: Der Grund, warum ich entschied, dies zu nutzen, war, weil CMU einen Mikrokernel auf den Markt brachte und ich dachte, damit zu beginnen, sei schon der halbe Weg zum Ziel und wir würden es daher schneller erreichen. Aber das ist nicht passiert. Etwas lief falsch. Verschiedene Dinge waren der Grund für diese lange Verzögerung.

Ein Teil des Ganzen war, dass ich dachte, es sei mächtiger, bestimmte Funktionen erlauben würde, die man mit einem monolithischen Kernel nicht haben könnte. Aber hauptsächlich ging es darum, dass wir so schneller sein würden.

In den Jahren 1992 oder 93, ich weiß nicht mehr genau, wann es war, bat ich jemanden, sich für mich Linux anzusehen und mir zu sagen, was er davon hielt und wie gut es war. Ich dachte darüber nach, Hurd aufzugeben und stattdessen Linux zu unserem Kernel zu machen. Er sagte mir, dass es sehr dem Design des System V folgte, statt BSD, was besser gewesen wäre und dass es auf keinen Fall portierbar wäre. Und mit diesen beiden Argumenten dagegen sagte ich O.K., warten wir auf Hurd. Ich ging ja davon aus, dass es nicht allzu lange dauern würde. Das Resultat ist, dass ich eine Entscheidung traf, die möglicherweise ein Fehler war.

Golem.de: Welchen Kernel verwenden Sie heute?

Stallman: Ich nutzte heute GNU/Linux, denn Hurd unterstützt noch keine virtuellen Konsolen, die ich ausgiebig verwende. Ich finde GNU/Hurd derzeit also nicht passend. Aber virtuelle Konsolen werden jetzt gerade implementiert, dann könnte es für mich sinnvoll sein zu wechseln.

Zum Hintergrund:
Richard Stallman rief 1983 das GNU-Projekt mit dem Ziel ins Leben, ein freies, für jeden zugängliches und veränderbares Betriebssystem zu schaffen. Der letzte Baustein, der dem System 1990 noch fehlte, war ein Kernel. Dieser, sollte auf einer Mikrokernel-Architektur basieren. Da dieser Kernel, Hurd, aber bis heute auf sich warten lässt, kombinierten viele den Linux Kernel von Linus Torvalds mit den übrigen Bestandteilen von GNU zu GNU/Linux, was im allgemeinen Sprachgebrauch oft aber nur als Linux bezeichnet wird.
Um die Kommerzialisierung freier Software voranzutreiben, gründeten 1997 unter anderem Eric Raymond und Bruce Perens die Open-Source-Initiative. Sie stellten dabei den Charakter des offenen Quellcodes in den Vordergrund, nicht Freiheit der Software, da der Begriff in diesem Zusammenhang oft nur als kostenlos verstanden wird. Frei meint aber die Freiheit, ein Programm zu untersuchen, es zu ändern und in unveränderter oder veränderter Form weiterzugeben.

In seiner Rede auf dem Forum Electronic Business machte Stallman zudem einige Anmerkungen und Vorschläge zum Urheberrecht. Lesen die dazu auch unseren Artikel Stallman: Die BSA betreibt Terrorismus.

 GNU-Gründer Richard Stallman im Interview
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Felix Kaiser 07. Jul 2002

Also mir fällt immer wieder auf, dass die Qualität der Übersetzungen aus dem Englischen...

Christoph Moder 06. Jul 2002

Ganz im Gegenteil! Das ist es doch, was der IT-Szene fehlt: Leute, die nicht nur...

Geckotöter 05. Jul 2002

"Ein Teil des Ganzen war, dass ich dachte, es sei mächtiger, bestimmte Funktionen...

Geek 05. Jul 2002

Steht doch im Interview? "Ich ging ja davon aus, dass es nicht all zu lange dauern...

Richter, Hannes 05. Jul 2002

was ist damit gemeint "Hurd war möglicherweise eine Fehlentscheidung" ??


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