Web-Services: Kein neuer Hype, aber überall wichtiges Thema

Hindernisse bei Standardisierung und Sicherheit

Nach dem Ergebnis einer Studie von Cap Gemini Ernst & Young sollen sich Web-Services künftig zum Trendsetter entwickeln. Es handelt sich um Softwarebausteine, die auf verschiedenen Netzwerkrechnern laufen und über das Internet zu einer Anwendung verknüpft werden. Zu relativ geringen Kosten können so verschiedene Geschäftsprozesse über Unternehmensgrenzen hinweg verbunden werden. Auf Grund der technischen Einfachheit und eines hohen Standardisierungsgrads können Web-Services von Partnern, Zulieferern oder Kunden verknüpft werden.

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Rund ein Drittel der deutschen Unternehmen (30 Prozent) hat bereits eine Strategie zum Einsatz der neuen Technologie entwickelt und fast genauso viele (25 Prozent) betrachten Web-Services als bedeutsames oder sehr bedeutsames Thema. Dies ergab eine Studie der Management- und IT-Beratung Cap Gemini Ernst & Young nach Befragung von 170 deutschen Unternehmen. Noch steckt knapp die Hälfte (49 Prozent) der Studienteilnehmer in der Initialphase. Während sich knapp ein Drittel (29 Prozent) mit dem Aufbau einzelner Web-Services beschäftigen, sind bereits 15 Prozent konkret beim Ausbau. Bei drei Prozent sind Web-Services bereits Realität und werden im Unternehmen breit genutzt.

"Wer jetzt die Zeichen der Zeit verschläft, könnte leicht von der Entwicklung überholt werden", warnte Heinz Brommundt, Vice President und Chief Technology Officer bei Cap Gemini Ernst & Young in Zentraleuropa. "Hier kommt kein neuer Hype auf uns zu, sondern ein Thema, das sowohl die IT-Abteilungen als auch das obere Management ernsthaft verfolgt."

Die Zahl derer, die Web-Services auf breiter Front einführen werden, wird vermutlich schnell steigen: 32 Prozent der Befragten glauben die neuen Softwarebausteine innerhalb der nächsten zwei Jahre und 44 Prozent in zwei bis höchstens vier Jahren auf breiter Basis in ihrem Unternehmen einzusetzen.

Die drei Softwarehersteller Microsoft (26 Prozent), IBM und Sun (jeweils 11 Prozent) haben den höchsten Bekanntheitsgrad bei Web-Services. Insgesamt verbinden knapp die Hälfte der Befragten einen der großen Drei mit dem Thema. Doch es bleibt genügend Raum für Nischenanbieter: 36 Prozent nannten sonstige Anbieter.

Ein wichtiger Aspekt für den Erfolg wird die Standardisierung sein: Hier geht die Meinung der IT-Direktoren und CIOs auseinander. Bei den 49,1 Prozent, die von einer Einigung ausgehen, rechnet die Mehrheit damit, dass es eine Standardisierung bei Transaktionen und bei Sicherheitsaspekten innerhalb der nächsten zwei bis vier Jahre geben wird. Ein Viertel geht sogar von einem Zeitraum von nur zwei Jahren aus.

Wie wichtig das Thema Sicherheit ist, sieht man bei der Frage nach den Hindernissen: 60 Prozent der Befragten befürchten Sicherheitslücken durch den Einsatz der neuen Technologie. Für 44 Prozent ist das Marktmodell noch nicht klar. 34 Prozent halten den Umsetzungsaufwand für zu groß. Hier ist Aufklärungsarbeit dringend erforderlich.

Am häufigsten (87 Prozent) werden Web-Services im Marketing und im Vertrieb sowie beim Customer Relationship Management (CRM) eingesetzt. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) beabsichtigt, innerhalb der nächsten 24 Monate Web-Services einzusetzen. Doch jede Branche hat andere Bedürfnisse: Im Handel wird außer auf CRM besonderer Wert auf Aftersales, Service, Ersatzteilvertrieb und E-Procurement (69 Prozent) gelegt. Die Industrie sieht es für die vier erstgenannten Bereiche ähnlich. Doch statt auf E-Procurement setzt man hier auf Supply Chain Management. Bei Dienstleistern stehen neben CRM besonders Finanzen und Controlling (63 Prozent) auf der Projektliste.

Für das laufende Jahr bewegt sich das finanzielle Volumen bei der Mehrzahl der Projekte noch unter einer Million Euro, was als Indiz zu deuten ist, dass viele noch vorsichtig mit der neuen Technologie umgehen. Rund zehn Prozent liegen zwischen einer und fünf Millionen Euro. Doch ein Prozent der Projekte hat bereits die stattliche Größe von zehn bis 50 Millionen Euro erreicht. "Wer heute Web-Services strategisch einsetzt, gibt nicht nur mehr Geld aus, sondern baut auch mehr auf Großprojekte. Klar, dass dann das Thema zur Chefsache wird", stellte Heinz Brommundt fest. Die Studie ergab, dass bei 57 Prozent der Unternehmen der Vorstand beziehungsweise die Geschäftsführung das Thema Web-Services vorantreibt. Bei 55 Prozent ist es die IT-Abteilung.

Trotz einer noch instabilen Marktsituation handelt es sich bei Web-Services um eine zukunftsträchtige neue Technologie, die die Konzepte komponentenbasierter Software fortsetzt. Mit fortschreitender Standardisierung und Eliminierung von Sicherheitslücken wird das Trendthema schnell an Bedeutung gewinnen. Der große Stellenwert ist schon jetzt erkannt. Mit zunächst internen Anwendungen und Piloten mit vertrauten Partnern können die Unternehmen ihr Risiko minimieren und sich trotzdem einen wettbewerbsrelevanten Vorsprung sichern.

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