Studie: Web Services teurer als von Anbietern behauptet
Um herauszufinden, welche Bedeutung Web Services im Unternehmensalltag haben, befragte Forrester auf seinem Forum für Führungskräfte im April 2002 70 europäische Führungskräfte aus den Bereichen IT, Marketing und dem allgemeinen Management.
Nach der Umfrage geben 66 Prozent der Unternehmen derzeit weniger als ein Prozent des IT-Budgets für Web Services aus oder wissen gar nicht, wie hoch die Ausgaben sind. 84 Prozent der befragten Führungskräfte haben jedoch vor, die Ausgaben für 2003 zu erhöhen. Fast 60 Prozent der Befragten beabsichtigen, Web Services schon im nächsten Jahr für die interne Integration zu verwenden, während 54 Prozent Web Services anderer Unternehmen in Anspruch nehmen oder selbst Web Services für Dritte anbieten wollen.
Als primärer Einsatzbereich entpuppt sich der Bereich Kundenbeziehungen: Mit 57 Prozent führt CRM die Prioritätenliste an, gefolgt von der elektronischen Beschaffung (49 Prozent) und dem Vertrieb mit 47 Prozent. Darüber hinaus sind 66 Prozent der Führungskräfte davon überzeugt, dass Web Services bis 2004 eine Neugestaltung der Unternehmensprozesse bewirken werden, so Forrester.
Trotz der hohen Erwartungen, die die Führungskräfte in Web Services setzen, sind sie sich deren Grenzen bewusst. Die Tatsache, dass Web Services es Unternehmen ermöglichen, XML-Schnittstellen für Backend-Applikationen aufzubauen und somit den Port öffentlich mit einer HTTP-Adresse ins Internet zu stellen, ist vielen europäischen Führungskräften unheimlich. Entsprechend sehen die Befragten die Sicherheit als das größte Hindernis für die Benutzung von Web Services.
Zudem befürchten 40 Prozent, dass Budgets für Web Services auf Grund der Unerfahrenheit mit dieser Technologie nicht genehmigt werden und 36 Prozent der Befragten sehen Investitionen in Web Services wegen Geldmangel gefährdet oder glauben, dass die Technologie dieser Leistungen noch nicht ausgereift sei.
Forrester warnt dabei vor zu großer Euphorie. Denn auch wenn der Einsatz von Web Services die Wertschöpfung aus früheren Software-Investitionen ermöglicht, weil die Lizenzierung eines mindestens 350.000 Euro teuren Integrationsservers entfällt, seien die Implementierungskosten beachtlich.
Die wahren Kosten für strategische Web-Services-Projekte betragen auf Grund von Consulting- und Arbeitszeitkosten schnell das Zehnfache der Projekte in der Startphase, so Forrester. Unternehmen seien daher gezwungen, ihre Investitionspläne auf Kostengünstigkeit zu überprüfen.
"Ab 2004 werden Unternehmen Web Services bei allen IT-Projekten einsetzen und nicht nur für taktische Korrekturen. Die Integrationskosten werden erheblich sinken, Projektkosten für strategische Implementierungen werden jedoch weiterhin hoch bleiben, während Führungskräfte noch mit der Gestaltung von Unternehmensprozessen und zeitlicher Optimierung zu kämpfen haben", so David Metcalfe, Analyst bei Forrester Research.