Kabel-TV: Kunden nehmen neue Dienstleistungen nicht an
Hege forderte den Bund auf, seine Verantwortung als größter Aktionär der Deutschen Telekom wahrzunehmen und schlug eine Abspaltung des Kabelgeschäfts in einer eigenen Kabel AG vor. Gleichzeitig hält er die Fusion der Netzebenen 3 und 4 für unabdingbar. Neue Investoren müssen, so seine Schlussfolgerung aus dem gescheiterten Deal mit Liberty Media, nicht nur Geld mitbringen, sondern auch Kompetenz im Kabelgeschäft.
Gerd Tenzer, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG, reagierte harsch auf die Ausführungen Heges. Er hält die Zukunft des Kabels in Deutschland für "glänzend" und verteidigte die Verkaufsstrategien der Telekom. Seit Freitag gebe es Gespräche über den Verkauf der sechs Regionalgesellschaften, die bis Ende Juli geführt werden sollen. Die Telekom sei jedoch offen, anders als in der ersten Runde auch an mehrere Interessenten zu verkaufen, wobei über den Preis noch nicht gesprochen worden sei.
Fehlende Investoren und Stagnation sind für Karl-Ulrich Kuhlo von n-tv Anlass, initiativ zu werden. Gemeinsam mit dem VPRT sollen Kabelnetzbetreiber, mögliche Investoren und Inhalteanbieter ein Zukunftsmodell für das Kabel in Deutschland erarbeiten. Kuhlo lud auch die Deutsche Telekom ein, an diesem Konsensmodell mitzuwirken, das die unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten berücksichtigen soll.
Für die Regionalgesellschaften in Nordhrein-Westfalen und Baden-Württemberg wurde mit Callahan ein Investor gefunden, der offensichtlich große Probleme hat. Ernst Uhlig, Geschäftsführer von ish, erklärte, dass sich die Erwartungen in Nordhrein-Westfalen nicht erfüllt hätten. Die Dienstleistungen wurden von den Kunden nicht angenommen, ish habe nicht ausreichend auf die speziellen Marktbedingungen reagiert. Anders als vorrangig auf Telefonie und Internet zu setzen, so Uhlig, müssten derzeit das Free-TV-Angebot aufrechterhalten bleiben und neue Konzepte für digitales Fernsehen entwickelt werden.
Kritik gab es an der Entscheidung des Bundeskartellamtes, das den Einstieg von Liberty Media in den deutschen Kabelmarkt verhindert hatte. Michael Schmittmann von PriceWaterhouseCoopers Veltins in Düsseldorf wies darauf hin, das die Kabel-Regionalgesellschaft nicht zwangsläufig marktbeherrschend sei, da zunehmend Satelliten die Versorgung der Haushalte mit Programmen sicherstellen könnten.
Einig waren sich die Teilnehmer der Diskussion, dass es zur Digitalisierung des Kabelnetzes keine Alternative gibt. Die Geschäftsinteressen der Netzbetreiber müssten jedoch bei einem Ausbau ebenso berücksichtigt werden wie die Interessen der Programmanbieter und der Nutzer.
Eine kritische Bilanz des digitalen Fernsehens in Großbritannien zog Rose Major von der Financial Times, London, im Rahmen der Diskussion. Zwar sind insgesamt neun Millionen Haushalte dort mit digitalen Anschlüssen versorgt, jedoch hat es in den letzten Jahren eine starke Konzentration auf der Anbieterseite gegeben. Marktführer ist BskyB aus dem Hause des Medienunternehmers Rupert Murdoch. Major bescheinigt zwar Großbritannien eine fortschrittliche Entwicklung des digitalen Fernsehens, stellt aber seinen wirtschaftlichen Erfolg in Frage. Auch in Großbritannien haben es die digitalen Kabeldienste schwer, ausreichend viele Teilnehmer zu finden, um wirtschaftlich interessant zu sein. Die Folge ist die Reduzierung auf einige wenige Anbieter und Pay TV.
Für den deutschen Markt sieht Major noch größere Schwierigkeiten, da das große Angebot der Free-TV-Programme es noch viel schwerer macht, die Kunden von der Notwendigkeit weiterer Programme und Mediendienste zu überzeugen, für die sie dann zusätzlich bezahlen müssten.
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