Studie: Forschungsstandort Deutschland nur mäßig attraktiv
Die Befragten – 1.690 deutsche Wissenschaftler im Ausland, 2.197 ausländische Forscher in Deutschland sowie 341 hochqualifizierte Akademiker in der Wirtschaft – vermissten ausreichend interdisziplinäre Forschungsansätze und teamorientiertes Arbeiten. Die Rückkehr deutscher Forscher bzw. das Bleiben ausländischer Topwissenschaftler werde der Studie zufolge vorrangig durch den starren akademischen Arbeitsmarkt behindert. "Erstmals liegen damit belastbare Daten über die Motive der Zu- und Abwanderung von deutschen und ausländischen Wissenschaftlern vor", sagte Dr. Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes, heute vor der Presse in Berlin.
In der Studie nannten 90 Prozent der potenziellen deutschen Rückkehrer bzw. der ausländischen Bleibewilligen als Hinderungsgrund die mangelnde berufliche Perspektive. Immerhin 70 Prozent der Deutschen erhielten während ihres Auslandaufenthaltes ein Stellenangebot, aber nur 32 Prozent der Ausländer in Deutschland. Besonders kritisiert wurden am akademischen Stellenmarkt die vergleichsweise knappen Personalbestände, die starren Zugangsvoraussetzungen und vorgezeichneten Karrierewege sowie die inflexible Personalbewirtschaftung, so der Stifterverband.
Die Entscheidung über den Lebensmittelpunkt wird laut Studie wesentlich vom persönlichen Umfeld bestimmt. Für 80 Prozent der befragten Deutschen im Ausland spielen gute berufliche Möglichkeiten des Lebenspartners und gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle. Das jeweilige Gastland schätzten die befragten deutschen Forscher auch in dieser Hinsicht als attraktiver ein.
Der Stifterverband sieht sich durch die Ergebnisse bestätigt in seiner Kritik am überbürokratisierten Wissenschaftssystem in Deutschland. Oetker appellierte an die Politik, Zugangswege und Besoldungsstrukturen in wissenschaftlichen Einrichtungen, insbesondere den Hochschulen, zu flexibilisieren, statt sie einzuschränken wie zuletzt bei der Dienstrechtsreform. Oetker mahnt: "Wettbewerb in Bildung und Wissenschaft ist dringend nötig und der entsteht nur durch mehr Autonomie und leistungsabhängige Bezahlung der Wissenschaftler. Wer hier Kostenneutralität sät, wird Mittelmaß ernten."
Die ermittelten Missstände will der Stifterverband mit eigenen Maßnahmen angehen. So wolle man die vom Verband eingerichteten 14 Forschungs-Dozenturen, eine Alternative zur "Juniorprofessur", um weitere 10 Stellen erweitern. Damit sollen zusätzliche Stellen für Nachwuchsforscher geschaffen werden, die sich für Professorenämter qualifizieren, in Forschung und Lehre selbstständig sind und einen verringerten Lehranteil haben. Weiterhin werde man im Herbst eine international hochrangig besetzte Tagung ("Villa-Hügel-Gespräch") über die "Positionierung des deutschen Forschungs- und Forschungsfördersystems im europäischen Kontext" veranstalten. Mit dem Aktionsprogramm "Universitäre ForschungsInitiativen" unterstützt der Stifterverband bereits Forschungsverbundprojekte gezielt an Universitäten, die modellhaft kooperativ und interdisziplinär arbeiten.
Eine weitere vom Stifterverband in Auftrag gegebene Untersuchung ("Regionen exzellenter Forschung") soll die Leistungsfähigkeit von universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen messen; durchgeführt wird die Studie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Die "Brain Drain – Brain Gain – Eine Untersuchung über internationale Berufskarrieren" getaufte Studie findet sich in Kurzform(öffnet im neuen Fenster) (9 Seiten) und komplett(öffnet im neuen Fenster) (101 Seiten) jeweils im PDF-Format zum kostenlosen Download auf der Homepage des Stifterverbands, www.stifterverband.org(öffnet im neuen Fenster).
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