Vergleichstest: Zwei PDA-Tastaturen von Logitech im Duell

Mit den beiden Tastaturen verfolgt Logitech sehr unterschiedliche Ansätze: Während die TypeAway als direkte Konkurrenz zur Stowaway gelten kann, geht die KeyCase als Mischung aus Tastatur und Tasche neue Wege: Die KeyCase besteht aus flexiblem Stoff, so dass die Tastatur als Tasche um den PDA gewickelt wird. Zum Betrieb der Tastaturen muss jeweils ein Treiber von einem PC auf den PDA installiert werden. Beide Tastaturen gibt es derzeit ausschließlich für die Palm-Modelle m125, m130, m500, m505 sowie m515. Logitech plant zwar, auch andere PDA-Typen zu unterstützen, gab aber noch keine Details preis.
TypeAway
In geschlossenem Zustand kommt die TypeAway auf eine Dünne von nur 1,2 cm und erreicht in der Breite 8,5 cm und in der Höhe 13,4 cm. Damit ist die Logitech-Tastatur nur halb so dick wie die Stowaway, die mit 230 Gramm auch mehr Gewicht auf die Waage bringt als die TypeAway mit 150 Gramm. Dies bedeutet aber Kompromisse an anderer Stelle: Bietet die Stowaway in ausgeklapptem Zustand eine ausgewachsene Notebook-Tastatur und benötigt auch mehr Platz auf dem Schreibtisch, entspricht die TypeAway bei geringeren Ausmaßen (27,4 cm in der Breite, 8,7 cm in der Höhe) einer Subnotebook-Tastatur mit deutlich kleineren Tasten. Trotz der kleinen Tasten von 12 mm x 13 mm lässt es sich mit einem Tastenhub von 2 mm bequem tippen, was die TypeAway einem präzisen Druckpunkt verdankt. Allerdings bleibt den Fingern deutlich weniger Platz als auf der Stowaway. Wer also eher große Hände hat, kann auf der TypeAway schon "Platzangst" bekommen und wird die Stowaway vorziehen. Aus Platzgründen fallen zudem die Tasten der oberen Zahlenreihe bei der TypeAway nochmals deutlich schmaler aus als die übrigen Buchstabentasten.
Die im Unterschied zur Stowaway geringere Größe der TypeAway im ausgeklappten Zustand bringt in der Praxis kaum Vorteile, denn beiden genügt zur Benutzung etwa das Klapptischchen in einem Flieger oder einem Zug. Auch die TypeAway benötigt zwingend eine stabile Unterlage. Eine nach vorne umklappbare Daumenauflage am unteren Rand der aufgeklappten Tastatur sorgt dafür, dass die Daumen beim Zehnfingerschreiben nicht auf der recht scharfkantigen Seitenwand der Tastatur aufliegen. Kleine Gumminoppen an der Unterseite halten die Tastatur fest und verhindern ein allzu leichtes Verrutschen auf glatten Flächen. Da die Tastatur keine eigene Stromversorgung besitzt, zieht sie entsprechenden Strom aus dem angeschlossenen PDA.
Allerdings gibt es auch Bereiche von PalmOS-Applikationen, die die Logitech-Tastatur ebenso wenig steuern kann wie die Stowaway. So kann man nicht durch Listen scrollen, um etwa gezielt einen Merkzettel oder eine Adresse zu öffnen, wenn dies nicht von den Applikationen unterstützt wird, was für alle Standard-PalmOS-Programme gilt. Auch das Bewegen in Menüs ist nicht vorgesehen, obwohl eine Menütaste zum Aufruf implementiert wurde. Wie die Stowaway beherrscht auch die Logitech-Tastatur das Scrollen in Menüs nur mit WordSmith, weil die Textverarbeitung entsprechend angepasst wurde. Ebenfalls fehlte der TypeAway die Möglichkeit, mit der Tastatur zwischen Kategorien in PalmOS-Programmen zu wechseln. So muss für all diese Kommandos immer wieder der Stift einspringen. Mit dem aktuellen Stowaway-Treiber lassen sich solche Unzulänglichkeiten umgehen, weil immerhin ein virtueller Mauszeiger implementiert wurde, was der Logitech-Treiber nicht kennt.
Etwas ungewohnt gestaltet sich der Aufruf des Programmstarters über die Tastatur, denn ein Druck auf die entsprechende Taste öffnet eine von Logitech angebotene Sparversion ohne Kategorien davon, die dafür per Tastatur bedient werden kann. Der Grund liegt darin, dass der Logitech-Treiber den PalmOS-Programmstarter nicht mit der Tastatur steuern kann. Allerdings startet die Logitech-Entwicklung keine Programme von Speicherkarten und verzichtet auf eine Kategorisierung, was leicht zur Unübersichtlichkeit führt. Immerhin lässt sich über ein Tastenkürzel ein alternativer Programmstarter aufrufen.
KeyCase
Mit der KeyCase will Logitech die Funktionen einer Tasche und einer Tastatur vereinen. Die flexible Stofftastatur umhüllt den PDA bei Nichtbenutzung und schützt diesen damit vor äußeren Beschädigungen. Die Tastatur kommt erst beim Öffnen der Tasche zum Vorschein, weil sie auf der Innenseite der Stofftasche aufgebracht ist. Damit der PDA beim Öffnen der Tasche nicht herausrutscht, hält eine feste Verankerung den mobilen Begleiter fest. Klappt man die Verankerung hoch und steckt sie in dem auf der Tastatur befindlichen Kontakt, aktiviert sich die Tastatur und los geht's mit dem Schreiben. Leider kennt die recht voluminöse Taschentastatur keine Unterbringung für einen Stift, Speicherkarten oder anderes Zubehör.
Da die Stofftastatur keinerlei Eigenstabilität mitbringt, benötigt man zum Schreiben auf selbiger unbedingt eine feste Unterlage wie etwa einen Tisch. Das Tippen erfordert dann viel Übung, weil die Tasten ganz ohne Druckpunkt auskommen und recht stark niedergedrückt werden müssen, damit die gewünschten Buchstaben auf dem PDA-Bildschirm erscheinen. Da die KeyCase keine zwei Tastendrücke auf einmal verarbeiten kann, müssen alle "Ebenentasten" wie Strg, Cmd und auch die Umschalttaste vorher einmal betätigt werden. Will man etwa ein großes "A" eingeben, drückt man zunächst einmal die Umschalttaste und anschließend den Buchstaben "a", woraufhin dieser in Großschreibung erscheint. Gleiches gilt auch für Tastenkürzel oder Menübefehle, was eben nach Übung verlangt. Gleichfalls ungewohnt verhält sich die KeyCase bei Tastenwiederholungen: Je fester man eine Taste betätigt, je schneller wird diese wiederholt ausgeführt.
Drei weitere Schnellstart-Knöpfe öffnen ein E-Mail-Programm, die Suchfunktion von PalmOS und einen speziellen Programmstarter von Logitech. Der E-Mail-Knopf startet auf einem Standard-System das PalmOS-Mail-Programm. Ist stattdessen die E-Mail-Software MultiMail installiert, wird diese aktiviert. Wenn hingegen Eudora als E-Mail-Client aufgespielt ist, startet der Tastendruck diese Applikation. Anders als bei der TypeAway integrierte Logitech den Programmstarter bei der KeyCase nicht in den Treiber, sondern legt ein separates Programm namens AppCentral bei, das auch eine andere Oberfläche aufweist als das TypeAway-Pendant. Auch das KeyCase-Programm lässt sich mit der Tastatur steuern und listet alle Applikationen im PDA-Speicher in einer langen Liste, die sich nicht weiter unterteilen lässt, wodurch man schnell die Übersicht verliert. Auch dieses Tool listet keine auf einer Speicherkarte befindlichen Programme.
Über die zehn Zifferntasten lassen sich dann noch frei wählbare Programme starten, wenn dabei die Taste "BildschSchaltf" betätigt wird, wobei auch hier Applikationen auf einer Speicherkarte unberücksichtigt bleiben. Immerhin kann man mit der KeyCase auch den normalen Programmstarter über ein Kürzel aufrufen. Eine tolle Idee sind die separaten Knöpfe für die Befehle Ausschneiden, Kopieren und Einfügen, um leicht die Funktionen der Zwischenablage zu nutzen. Die Taste "Markieren" entspricht der Umschalttaste am PC, womit man einfach mit dem Text-Cursor über zu markierenden Text gleitet.
Im Treiber selbst stellt man die Empfindlichkeit, Verzögerung und Wiederholrate der Tasten in jeweils drei Schritten ein. Besonders die Empfindlichkeit war in der Standard-Einstellung (mittel) zu hoch, weil die Tastatur nur schwerfällig auf Tastendrücke reagierte. Auf Wunsch hört man beim Schreiben einen Tastenklick, was besonders bei den druckpunktlosen Tasten eine wertvolle Hilfe darstellt. Wie auch die TypeAway kennt auch die KeyCase den virtuellen Mauszeiger des Stowaway-Treibers nicht.
Beiden Tastaturen liegt eine CD mit deutschen Treibern und einer englischsprachigen Demo-Version von WordSmith 2.01 bei, die schon fast ein Jahr alt ist. Die aktuelle Versionsnummer von WordSmith lautet 2.16 und bietet jetzt auch eine deutschsprachige Oberfläche und eine deutlich bessere Unterstützung für Speicherkarten. Die mitgelieferte, gedruckte Dokumentation erklärt das Nötigste zur Tastatur und verweist bei vielen Bedienungsschritten auf das PDF-Handbuch auf der CD.
Beide Tastaturen sind nur für die Palm-Modelle m125, m130, m500, m505 sowie m515 erhältlich. Die TypeAway steht zum Preis von 129,- Euro in den Regalen, während die KeyCase 149,99 Euro kostet. Logitech plant, die Tastaturen auch für andere PDA-Modelle anzubieten, hüllt sich aber noch in Schweigen.
Fazit:
Die Einbindung in das PalmOS bei der TypeAway und der KeyCase entsprechen im Großen und Ganzen dem, was die Stowaway als Maßstab vorlegt und begeistert – trotz einiger kleiner Kritikpunkte. Sobald auch der Logitech-Treiber einen virtuellen Mauszeiger erhält, herrscht in dieser Disziplin sogar Gleichstand. Unverständlich bleibt, warum die Tastatur-Treiber keine Menüsteuerung erlauben, wo WordSmith zeigt, dass dies möglich ist. Wer intensiv mit Speicherkarten arbeitet, wird sich zu Recht ärgern, dass die Logitech-Treiber damit überhaupt nicht klarkommen.



