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Vergleichstest: Zwei PDA-Tastaturen von Logitech im Duell

KeyCase-Tastatur mit Taschen-Funktion tritt gegen TypeAway an. Nachdem Golem.de im vergangenen Jahr vier PDA-Tastaturen getestet hat, tat sich nun wieder etwas in diesem Bereich. Logitech betritt erstmals dieses Marktsegment und bietet gleich zwei PDA-Tastaturen mit deutschem Layout an. Die beiden Logitech-Tastaturen müssen sich dabei vor allem gegen die erfolgreiche Stowaway-Tastatur behaupten, die im deutschsprachigen Raum ein harter Gegner ist.
/ Ingo Pakalski
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Mit den beiden Tastaturen verfolgt Logitech sehr unterschiedliche Ansätze: Während die TypeAway als direkte Konkurrenz zur Stowaway gelten kann, geht die KeyCase als Mischung aus Tastatur und Tasche neue Wege: Die KeyCase besteht aus flexiblem Stoff, so dass die Tastatur als Tasche um den PDA gewickelt wird. Zum Betrieb der Tastaturen muss jeweils ein Treiber von einem PC auf den PDA installiert werden. Beide Tastaturen gibt es derzeit ausschließlich für die Palm-Modelle m125, m130, m500, m505 sowie m515. Logitech plant zwar, auch andere PDA-Typen zu unterstützen, gab aber noch keine Details preis.

TypeAway

Als direkte Konkurrenz zur Stowaway-Tastatur von Think Outside kann nur die TypeAway gelten, weil nur sie Notebook-Tasten besitzt und damit den ersten ernst zu nehmenden Konkurrenten für die Stowaway in Deutschland darstellt. Die übrigen Anbieter von PDA-Tastaturen verzichten weiterhin auf Modelle mit deutschem Layout. Auch wenn die Stowaway an diesem Test nicht direkt teilnimmt, muss sich die TypeAway auf Grund der Ähnlichkeiten an dem etablierten Konkurrenten messen, der sein Können bereits in einem früheren Vergleichstest unter Beweis stellte.

In geschlossenem Zustand kommt die TypeAway auf eine Dünne von nur 1,2 cm und erreicht in der Breite 8,5 cm und in der Höhe 13,4 cm. Damit ist die Logitech-Tastatur nur halb so dick wie die Stowaway, die mit 230 Gramm auch mehr Gewicht auf die Waage bringt als die TypeAway mit 150 Gramm. Dies bedeutet aber Kompromisse an anderer Stelle: Bietet die Stowaway in ausgeklapptem Zustand eine ausgewachsene Notebook-Tastatur und benötigt auch mehr Platz auf dem Schreibtisch, entspricht die TypeAway bei geringeren Ausmaßen (27,4 cm in der Breite, 8,7 cm in der Höhe) einer Subnotebook-Tastatur mit deutlich kleineren Tasten. Trotz der kleinen Tasten von 12 mm x 13 mm lässt es sich mit einem Tastenhub von 2 mm bequem tippen, was die TypeAway einem präzisen Druckpunkt verdankt. Allerdings bleibt den Fingern deutlich weniger Platz als auf der Stowaway. Wer also eher große Hände hat, kann auf der TypeAway schon "Platzangst" bekommen und wird die Stowaway vorziehen. Aus Platzgründen fallen zudem die Tasten der oberen Zahlenreihe bei der TypeAway nochmals deutlich schmaler aus als die übrigen Buchstabentasten.

Die TypeAway verlangt ein wenig mehr Eingewöhnung als die Stowaway, weil das Logitech-Pendant eine leicht veränderte Tastenaufteilung besitzt. Besonders fällt auf, dass genau in der Mitte der aufgeklappten Tastatur eine rund 2 cm große, konstruktionsbedingte Lücke klafft, was für Gelegenheitsschreiber ungewohnt ist. Zehnfingerschreiber stören sich daran nicht, bekommen aber mit der an den rechten Rand gerutschten rechten Umschalt-Taste Schwierigkeiten, weil diese leicht verfehlt wird. Stattdessen erwischt man die Taste, die den Cursor eine Zeile nach oben bewegt, was sich nach einiger Gewöhnung aber einstellt. Das gilt auch für die "'"-Taste, die man als Zehnfingerschreiber zunächst öfter statt der angepeilten Backspace-Taste tippt.

Die im Unterschied zur Stowaway geringere Größe der TypeAway im ausgeklappten Zustand bringt in der Praxis kaum Vorteile, denn beiden genügt zur Benutzung etwa das Klapptischchen in einem Flieger oder einem Zug. Auch die TypeAway benötigt zwingend eine stabile Unterlage. Eine nach vorne umklappbare Daumenauflage am unteren Rand der aufgeklappten Tastatur sorgt dafür, dass die Daumen beim Zehnfingerschreiben nicht auf der recht scharfkantigen Seitenwand der Tastatur aufliegen. Kleine Gumminoppen an der Unterseite halten die Tastatur fest und verhindern ein allzu leichtes Verrutschen auf glatten Flächen. Da die Tastatur keine eigene Stromversorgung besitzt, zieht sie entsprechenden Strom aus dem angeschlossenen PDA.

Die Tastatur-Einbindung der TypeAway in das PalmOS bietet alles, was auch die Stowaway bringt und gibt nur wenig Anlass zur Klage. Zur Bedienung von PalmOS-spezifischen Funktionen sind viele Tasten doppelt belegt und über 19 Tastenkürzel lassen sich PalmOS-Programme starten. Zusammen mit der Funktionstaste rufen acht Zahlentasten fest verdrahtete Programme und mit der Display-Beleuchtung eine PalmOS-Funktion auf. Die beiden Zahlentasten "9" und "0" lassen sich mit einem beliebigen Programm verknüpfen. Eine Änderung der übrigen Zuordnungen ist nicht vorgesehen. Für Anwender, die etwa einen anderen Kalender, eine alternative Telefonapplikation oder ein anderes Merkzettelprogramm verwenden, bleiben diese Tastenkürzel damit nutzlos. Immerhin stehen neben den zwei erwähnten Tasten noch neun weitere Tastenkombinationen zur freien Belegung bereit. Allerdings lassen sich darüber ausschließlich Programme starten, die sich im PDA-Speicher befinden. Applikationen auf einer Speicherkarte können so nicht aufgerufen werden.

Zur PDA-Bedienung beherrscht die Tastatur viele PalmOS-Befehle: So können etwa Einträge geschlossen, gelöscht oder deren Details mit speziellen Tasten angezeigt werden. Auch das Quittieren oder Abbrechen von Dialogboxen ist möglich. Ferner stehen Windows-konforme Befehle zur Nutzung der Zwischenablage bereit, so dass sich Vielschreiber hier nicht umgewöhnen müssen. Auf Wunsch hört man beim Schreiben einen Tastenklick.

Allerdings gibt es auch Bereiche von PalmOS-Applikationen, die die Logitech-Tastatur ebenso wenig steuern kann wie die Stowaway. So kann man nicht durch Listen scrollen, um etwa gezielt einen Merkzettel oder eine Adresse zu öffnen, wenn dies nicht von den Applikationen unterstützt wird, was für alle Standard-PalmOS-Programme gilt. Auch das Bewegen in Menüs ist nicht vorgesehen, obwohl eine Menütaste zum Aufruf implementiert wurde. Wie die Stowaway beherrscht auch die Logitech-Tastatur das Scrollen in Menüs nur mit WordSmith, weil die Textverarbeitung entsprechend angepasst wurde. Ebenfalls fehlte der TypeAway die Möglichkeit, mit der Tastatur zwischen Kategorien in PalmOS-Programmen zu wechseln. So muss für all diese Kommandos immer wieder der Stift einspringen. Mit dem aktuellen Stowaway-Treiber lassen sich solche Unzulänglichkeiten umgehen, weil immerhin ein virtueller Mauszeiger implementiert wurde, was der Logitech-Treiber nicht kennt.

Etwas ungewohnt gestaltet sich der Aufruf des Programmstarters über die Tastatur, denn ein Druck auf die entsprechende Taste öffnet eine von Logitech angebotene Sparversion ohne Kategorien davon, die dafür per Tastatur bedient werden kann. Der Grund liegt darin, dass der Logitech-Treiber den PalmOS-Programmstarter nicht mit der Tastatur steuern kann. Allerdings startet die Logitech-Entwicklung keine Programme von Speicherkarten und verzichtet auf eine Kategorisierung, was leicht zur Unübersichtlichkeit führt. Immerhin lässt sich über ein Tastenkürzel ein alternativer Programmstarter aufrufen.

KeyCase

Mit der KeyCase-Tastatur stellt Logitech ein interessantes Produkt vor, dessen Einsatzzweck aber nebulös bleibt. Denn Vielschreiber werden mit einer Stofftastatur kaum glücklich, weil prinzipbedingt ein vernünftiger Druckpunkt fehlt, wenngleich es sehr faszinierend ist, eine Stofftastatur in der Hand zu halten. Für Gelegenheitsschreiber hingegen dürfte der finanzielle Aufwand in Höhe von rund 150,- Euro eine entsprechend hohe Abschreckung ausüben.

Mit der KeyCase will Logitech die Funktionen einer Tasche und einer Tastatur vereinen. Die flexible Stofftastatur umhüllt den PDA bei Nichtbenutzung und schützt diesen damit vor äußeren Beschädigungen. Die Tastatur kommt erst beim Öffnen der Tasche zum Vorschein, weil sie auf der Innenseite der Stofftasche aufgebracht ist. Damit der PDA beim Öffnen der Tasche nicht herausrutscht, hält eine feste Verankerung den mobilen Begleiter fest. Klappt man die Verankerung hoch und steckt sie in dem auf der Tastatur befindlichen Kontakt, aktiviert sich die Tastatur und los geht's mit dem Schreiben. Leider kennt die recht voluminöse Taschentastatur keine Unterbringung für einen Stift, Speicherkarten oder anderes Zubehör.

Wenn die Tasche geschlossen wird, wirkt selbst ein zierlicher Palm m5xx ziemlich klobig, weil die Außenmaße des gesamten "Pakets" stark ansteigen. So ist die KeyCase geschlossen 13 cm hoch, etwa 9 cm breit und rund 3 cm dick. Im geöffneten Zustand benötigt die Tastatur eine Stellfläche von 26,7 cm in der Breite und 12,9 cm in der Tiefe. Will man in den PDA freihändig Daten mit dem Stift eingeben, muss man die Tastatur nach hinten umklappen.

Da die Stofftastatur keinerlei Eigenstabilität mitbringt, benötigt man zum Schreiben auf selbiger unbedingt eine feste Unterlage wie etwa einen Tisch. Das Tippen erfordert dann viel Übung, weil die Tasten ganz ohne Druckpunkt auskommen und recht stark niedergedrückt werden müssen, damit die gewünschten Buchstaben auf dem PDA-Bildschirm erscheinen. Da die KeyCase keine zwei Tastendrücke auf einmal verarbeiten kann, müssen alle "Ebenentasten" wie Strg, Cmd und auch die Umschalttaste vorher einmal betätigt werden. Will man etwa ein großes "A" eingeben, drückt man zunächst einmal die Umschalttaste und anschließend den Buchstaben "a", woraufhin dieser in Großschreibung erscheint. Gleiches gilt auch für Tastenkürzel oder Menübefehle, was eben nach Übung verlangt. Gleichfalls ungewohnt verhält sich die KeyCase bei Tastenwiederholungen: Je fester man eine Taste betätigt, je schneller wird diese wiederholt ausgeführt.

Dabei sind die Tasten der KeyCase noch kleiner als bei der TypeAway, auf der man schon leicht Platzangst bekommt, so dass auch die Taschen-Tastatur kaum etwas für große Hände ist. Eben, weil die KeyCase keine zwei Tastendrücke mit einem Mal verarbeiten kann, eignet sie sich kaum für das Zehnfingersystem, weil die Kompromisse das Schreibtempo stark verringern. Anders als bei der TypeAway entsprechen die vier Kürzeltasten auf der Tastatur den vier Hardware-Knöpfen in den Einstellungen vom PalmOS, so dass es keiner weiteren Konfiguration bedarf.

Drei weitere Schnellstart-Knöpfe öffnen ein E-Mail-Programm, die Suchfunktion von PalmOS und einen speziellen Programmstarter von Logitech. Der E-Mail-Knopf startet auf einem Standard-System das PalmOS-Mail-Programm. Ist stattdessen die E-Mail-Software MultiMail installiert, wird diese aktiviert. Wenn hingegen Eudora als E-Mail-Client aufgespielt ist, startet der Tastendruck diese Applikation. Anders als bei der TypeAway integrierte Logitech den Programmstarter bei der KeyCase nicht in den Treiber, sondern legt ein separates Programm namens AppCentral bei, das auch eine andere Oberfläche aufweist als das TypeAway-Pendant. Auch das KeyCase-Programm lässt sich mit der Tastatur steuern und listet alle Applikationen im PDA-Speicher in einer langen Liste, die sich nicht weiter unterteilen lässt, wodurch man schnell die Übersicht verliert. Auch dieses Tool listet keine auf einer Speicherkarte befindlichen Programme.

Über die zehn Zifferntasten lassen sich dann noch frei wählbare Programme starten, wenn dabei die Taste "BildschSchaltf" betätigt wird, wobei auch hier Applikationen auf einer Speicherkarte unberücksichtigt bleiben. Immerhin kann man mit der KeyCase auch den normalen Programmstarter über ein Kürzel aufrufen. Eine tolle Idee sind die separaten Knöpfe für die Befehle Ausschneiden, Kopieren und Einfügen, um leicht die Funktionen der Zwischenablage zu nutzen. Die Taste "Markieren" entspricht der Umschalttaste am PC, womit man einfach mit dem Text-Cursor über zu markierenden Text gleitet.

Eine gute Figur macht die KeyCase bei der Einbindung in das PalmOS, muss aber die gleichen Kritikpunkte wie die TypeAway ertragen. So kann man Dialogboxen bestätigen oder Dokumente mit den Tasten "OK", "Fertig" und "Abbrechen" schließen, findet aber leider keine Tasten für die wichtigen PalmOS-Funktionen "Neu", "Löschen" und "Details". Um diese aufzurufen, muss der entsprechende Anfangsbuchstabe und vorher die Taste "BildschSchaltfl" betätigt werden. Leider fehlt auch diesem Logitech-Treiber die Möglichkeit, sich mit den Scrolltasten durch Programmlisten etwa im Adressbuch, den Merkzetteln oder den Aufgaben zu bewegen. Auch die Navigation in Kategorien kennt der Treiber nicht. Auf eine Taste zum Aufruf des PalmOS-Menüs wurde komplett verzichtet, so dass für die PDA-Bedienung immer wieder zum Stift gegriffen werden muss.

Im Treiber selbst stellt man die Empfindlichkeit, Verzögerung und Wiederholrate der Tasten in jeweils drei Schritten ein. Besonders die Empfindlichkeit war in der Standard-Einstellung (mittel) zu hoch, weil die Tastatur nur schwerfällig auf Tastendrücke reagierte. Auf Wunsch hört man beim Schreiben einen Tastenklick, was besonders bei den druckpunktlosen Tasten eine wertvolle Hilfe darstellt. Wie auch die TypeAway kennt auch die KeyCase den virtuellen Mauszeiger des Stowaway-Treibers nicht.

Beiden Tastaturen liegt eine CD mit deutschen Treibern und einer englischsprachigen Demo-Version von WordSmith 2.01 bei, die schon fast ein Jahr alt ist. Die aktuelle Versionsnummer von WordSmith lautet 2.16 und bietet jetzt auch eine deutschsprachige Oberfläche und eine deutlich bessere Unterstützung für Speicherkarten. Die mitgelieferte, gedruckte Dokumentation erklärt das Nötigste zur Tastatur und verweist bei vielen Bedienungsschritten auf das PDF-Handbuch auf der CD.

Beide Tastaturen sind nur für die Palm-Modelle m125, m130, m500, m505 sowie m515 erhältlich. Die TypeAway steht zum Preis von 129,- Euro in den Regalen, während die KeyCase 149,99 Euro kostet. Logitech plant, die Tastaturen auch für andere PDA-Modelle anzubieten, hüllt sich aber noch in Schweigen.

Fazit:

Mit der Logitech TypeAway bekommt die Stowaway-Tastatur endlich ernst zu nehmende Konkurrenz auf dem deutschen Markt und kann dem starken Konkurrenten durchaus das Wasser reichen. Schade nur, dass die TypeAway mit kleineren Tasten vorlieb nehmen muss und dadurch wieder hinter die Stowaway zurückfällt. Wer sich an den kleineren Tasten jedoch nicht stört, bekommt mit der TypeAway eine gute Tastatur für seinen PDA, um darauf ohne Schwierigkeiten auch unterwegs längere Texte schreiben zu können.

Die Einbindung in das PalmOS bei der TypeAway und der KeyCase entsprechen im Großen und Ganzen dem, was die Stowaway als Maßstab vorlegt und begeistert – trotz einiger kleiner Kritikpunkte. Sobald auch der Logitech-Treiber einen virtuellen Mauszeiger erhält, herrscht in dieser Disziplin sogar Gleichstand. Unverständlich bleibt, warum die Tastatur-Treiber keine Menüsteuerung erlauben, wo WordSmith zeigt, dass dies möglich ist. Wer intensiv mit Speicherkarten arbeitet, wird sich zu Recht ärgern, dass die Logitech-Treiber damit überhaupt nicht klarkommen.

Etwas enttäuschend war die Vorstellung der KeyCase, weil die prinzipiell gute Idee, Tastatur und Tasche zu vereinen, keine Pluspunkte brachte. Für Viel- und Zehnfingerschreiber eignet sich die Tastatur nicht, weil der fehlende Druckpunkt den Schreibspaß trübt und die Untauglichkeit, zwei Tasten gleichzeitig zu verarbeiten, den Schreibfluss hemmt. Somit profitieren nur Gelegenheitsschreiber von der Tastatur, denen 150,- Euro wohl zu teuer sein wird. Bei den Taschenfunktionen fällt vor allem deren Fehlen auf: Selbst preiswerte PDA-Taschen bieten Platz für Speicherkarten, alternative Stifte oder Ähnliches. Nicht so bei der KeyCase, die als einzige Besonderheit die Stofftastatur auf ihrer Seite weiß.


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