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Spieletest: Morrowind - 3D-Rollenspiel für Einzelkämpfer

Komplexes, editierbares Spiel für leistungsstarke Rechner. Mit "The Elder Scrolls III: Morrowind" haben Bethesda Softworks und Ubi Soft eines der komplexesten Fantasy-3D-Rollenspiele für Einzelspieler für den Windows-PC auf den Markt gebracht, eine Xbox-Version soll in Kürze folgen. Morrowind ist, wie es der volle Name schon sagt, das dritte Mitglied der Elder-Scrolls-Spieleserie und spielt auf der Vulkan-Insel Vvardenfell – der Heimat der Dunkelelfen.
/ Christian Klaß
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Besagte Dunkelelfen, eher fremdenfeindliche Gesellen, hoffen auf die Bewahrheitung einer uralten Prophezeiung, der zufolge sie die von ihnen verhassten imperialen Besatzer loswerden könnten und ihre Kontrolle über die Insel – zu der man eine Posterkarte mitgeliefert bekommt – wiederherstellen könnten. Das Imperium versucht unterdessen den Status Quo aufrechtzuerhalten und verschiedene Vorkommnisse herunterzuspielen. Als Spieler landet man nun eines Tages an der Küste von Vvardenfell und muss sich kurze Zeit später entscheiden, ob man sich als Spion des Imperators um die Sicherheit der Insel und der Bewohner sorgt oder sich alleine durchs Leben schlägt.

Morrowind bietet einen großen Freiraum bei der Erschaffung des Charakters, erfordert allerdings – wie auch während des Spiels – einige strategische Überlegungen, um einen einigermaßen ausgewogenen Charakter zu erhalten. Interessant sind die vielen vorgeschlagenen Berufe und die Möglichkeit, weit über deren Fähigkeiten hinauszuwachsen und etwa einen magiebegabten Krieger, einen nahkampferprobten Magier oder einen meuchelnden Alchemisten zu spielen. Ebenso wie übermäßige Spezialisierungen könnten zu breit angelegte Fähigkeiten jedoch ihre Probleme mit sich bringen. Fähigkeiten steigert man im Spiel entweder durch permanente Verwendung, aber auch durch Training beispielsweise bei den Gilden, denen man zum großen Teil beitreten kann.

Da viele zu lösende Aufgaben, zu durchstreifende Gebiete oder zu entdeckende Verliese mit mehr oder weniger heftigen Gegnern zu tun haben, sind insbesondere die körperlichen oder magischen Kampf- und die Verteidigungsfähigkeiten wichtig – Spieler werden dennoch eine Weile brauchen, bis sie die am besten für sie funktionierende Taktik herausgefunden haben. Dabei muss auch die Speicherfunktion des Öfteren bemüht werden, denn anfangs beißt man ziemlich oft ins virtuelle Gras. Zum Glück ist das Speichern jederzeit möglich.

Die Kämpfe mit den sehr schön gestalteten Gegnern werden in Echtzeit ausgeführt und erlauben bei den Waffen den Angriff mittels verschiedener Schlag- und Hiebtechniken, die abhängig von der Mausbewegung ausgeführt werden. Treffer, die man während des Ausführens eigener Angriffe einsteckt, können diese unterbrechen. In Bewegung zu bleiben und schnell zu handeln, seine Lebens- und Magie-Energie ("Magicka") im Auge zu halten, ist deshalb wichtig. Fans von rundenbasierten Rollenspielen werden deshalb wohl zumindest anfangs nicht ganz so glücklich mit Morrowind sein. Allzu kampfeslustige Naturen müssen ebenfalls etwas aufpassen, denn nur Monster oder Verbrecher dürfen folgenlos angegriffen und beklaut werden. Wird dies missachtet, hat man alsbald die imperialen Wachen an den Hacken.

Das Durchwandern von Vvardenfell unternimmt der Spielercharakter meist alleine, nur selten begleiten ihn Computerspieler. Wer sich also ein Heldengrüppchen wünscht, wird von Morrowind enttäuscht. Die Kommunikation mit den Bewohnern von Vvardenfell erfolgt per Stichworten, die man per Mausklick auswählt und wartet, was das Gegenüber per Textausgabe antwortet. Die Interaktion ist dabei stark davon abhängig, wie man mit den Gesprächspartnern umspringt, was diese von einem halten. Das Verhältnis kann teils durch Einschmeicheln, Bestechung oder Hilfe verbessert – aber auch verschlechtert werden.

Die sich Stück für Stück entfaltende Hintergrundgeschichte, die Charaktererschaffung und -verbesserung, die Kampftaktiken, die große Bewegungsfreiheit, die riesige Insel und die Möglichkeiten, welche sich durch die erdrückende Anzahl von Fähigkeiten, Zaubersprüchen und alchemistischen Getränkemixereien ergeben, lassen viele Konkurrenten geradezu armselig aussehen. Allerdings ist die Komplexität wohl nur für hartgesottene Rollenspielfans problemlos zu meistern. Insbesondere da das knappe Regelwerk nur ansatzweise erklärt, was alles möglich ist. Nicht nur Anfänger werden sich deshalb überfordert fühlen.

Die Komplexität sorgt allerdings auch dafür, dass einem so schnell in dem Spiel nicht langweilig wird, weil es immer etwas zu erforschen und entdecken gibt. Selbst wenn dem einmal nicht mehr so ist, kann man sich mittels mitgeliefertem Editor selbst daran machen, das Spiel zu verändern, also z.B. eigene Abenteuer, Rassen oder magische Artefakte zu entwerfen und diese mit anderen zu teilen. Bethesda hat selbst bereits einige kostenlose Plug-Ins zur Verfügung gestellt, die u.a. neue Charaktere und Waffen ins Spiel bringen. Die meisten Plug-Ins haben bisher allerdings Spieler entworfen, die sich auf den diversen Fanseiten finden.

Während der Inhalt und die Möglichkeiten von Morrowind den Spieler fordern, verlangt die grafisch sehr gelungene Aufmachung des 3D-Spiels dem Rechner das Extremste ab. Selbst einen fixen Athlon XP mit schneller Grafikkarte bringt das Spiel bei einer Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten bei vielen Details regelmäßig zum Stottern. Unspielbar wird Morrowind dadurch zwar nicht, aber es stört den Gesamteindruck der Grafik etwas. Sehr schön ist, dass das Spiel die Pixelshader von GeForce3/4 und Radeon 8500 unterstützt und damit die Grafik – unter anderem beim hübsch animierten Wasser – ihren letzten Schliff bekommt.

Bei Musik und Soundeffekten gibt es ebenfalls nichts zu meckern, sie tragen gut zur Stimmung des Spiels bei. Sprachausgabe wird nur spärlich eingesetzt, etwa wenn man an jemandem vorbeiläuft und dieser dann eine Begrüßung von sich gibt. Hilfreich wäre eine Sprachausgabe vielleicht bei den unzähligen Büchern gewesen, die im Spiel zu finden sind und die Geschichte der Welt, ihrer Bewohner und Götter erklären. Dabei ist anzumerken, dass das Spiel nicht aus dem Englischen übersetzt wurde, sondern leider nur das Handbuch auf Deutsch ist.

Den einzigen echten Patzer liefert sich das ansonsten sehr gute Spiel durch plötzliche Abstürze – ohne weitere Fehlermeldung ist es plötzlich beendet, häufiges Speichern ist dann sehr zu empfehlen. Das Problem tritt zwar nicht bei allen, aber doch bei genügend Spielern auf, wie man im Ubi-Soft-Forum nachlesen kann. Verschiedene Fanseiten berichten, dass Bethesda schätzungsweise in der nächsten oder übernächsten Woche den ersten Patch für Morrowind liefern werde. Ob dieser sich dem Absturzproblem annimmt, wird sich zeigen müssen.

Fazit:
Mit "The Elder Scrolls III: Morrowind" hat Bethesda eines der bisher besten und umfangreichsten 3D-Rollenspiele auf den Markt gebracht, dessen Komplexität allerdings Einsteiger oder Gelegenheitsspieler etwas überfordern wird. Für Hardcore-Rollenspieler mit Englischkenntnissen, die auch ohne einen Multiplayer-Modus auskommen, führt kein Weg an dem selbst mittels Editor beliebig erweiterbaren Morrowind vorbei. Allerdings müssen Bethesda und Ubi Soft noch die teils auftretenden Abstürze ausmerzen, die den Spielspaß in Spielfrust verwandeln können.


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