W3B: Nutzer bereit, für Inhalte zu zahlen
Für deutschsprachige Online-Nutzer ist das Internet nicht mehr wegzudenken: Über 80 Prozent geben an, dass das Medium in ihrem täglichen Leben eine wichtige Rolle spielt oder dass sie darauf inzwischen nicht mehr verzichten wollen.
Noch nie wurde im Internet so häufig und noch nie wurde so lange gesurft. Der Anteil der Nutzer, die sich pro Woche an mehr als fünf Tagen ins Netz einwählen, stieg seit Frühjahr 1997 von 29 Prozent auf 65 Prozent; der Anteil der Personen, die wöchentlich mindestens zehn Stunden online verbringen, von 24 Prozent auf 45 Prozent. Gefördert wird diese Entwicklung einerseits durch günstigere Gebühren der Internet-Nutzung – jeder vierte Nutzer ist inzwischen Kunde eines Flatrate-Tarifs – andererseits durch die schnelleren Einwahlgeschwindigkeiten: 73 Prozent der Nutzer surfen heute mit ISDN oder schneller durchs Internet.
Insbesondere im privaten Bereich werden die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten des Internet geschätzt und genutzt: Faktisch jeder Internet-Nutzer (99,5 Prozent) setzt das Netz zumindest gelegentlich aus privaten Gründen ein. 59 Prozent surfen "sehr oft" privat. Vor fünf Jahren waren dies nur 41 Prozent.
Beruflich wird das Internet heute von 39 Prozent der Nutzer eingesetzt. Hinsichtlich der Nutzungsmotive liegen Online-Information und -Kommunikation an oberster Stelle, gefolgt vom Nutzungsziel Unterhaltung/Neugier. Doch nicht allein das Internet beeinflusst das tägliche Leben seiner Nutzer. Vielmehr weisen sie, so die neue W3B-Studie, insgesamt eine ausgesprochen ausgeprägte Affinität gegenüber digitalen Geräten aller Art auf. 90 Prozent aller deutschsprachigen Nutzer besitzen heute einen eigenen PC mit Internet-Zugang, vor fünf Jahren waren es nur 79 Prozent; ebenso viele ein Mobiltelefon mit oder ohne Online-Zugang. Der Anteil der Nutzer mit eigenem CD-Brenner ist im vergangenen Halbjahr von 52 Prozent auf 62 Prozent gestiegen.
Auch zukünftig wollen die deutschsprachigen Internet-Nutzer ihre technische Ausstattung erweitern, bereits im kommenden halben Jahr plant jeder zweite Online-User, mindestens ein technisches Gerät zu erwerben. So möchte rund ein Viertel der von W3B befragten Nutzer im kommenden halben Jahr eine Digitalkamera erwerben, knapp 13 Prozent einen CD-Brenner.
Die beachtliche Ausstattung und Anschaffungsplanung der Online-Nutzer mit CD-Brennern sei dabei auch im Zusammenhang mit dem großen Interesse am Download von MP3-Dateien zu sehen: Über ein Drittel der Nutzer bewerten MP3-Downloadmöglichkeiten im Web als "besonders wichtig". 46 Prozent dieser Nutzergruppe laden "sehr oft" oder "oft" MP3-Dateien aus dem Internet herunter.
Immer mehr Internet-Nutzer entdecken zudem das Internet als attraktiven Shopping-Kanal, immer mehr planen den Einsatz des Internet als Einkaufsstätte, und immer mehr Online-Käufe werden auch tatsächlich getätigt. Über ein Drittel der deutschsprachigen Nutzer hat schon über 20 Online-Einkäufe getätigt; fast 60 Prozent planen Online-Einkäufe im kommenden Halbjahr.
Auch Electronic Content wird salonfähig, jedoch kein Angebot für die breite Masse. Aus Sicht vieler Online-Anbieter muss die "Kostenlos-Mentalität" der Internet-Nutzer ein Ende haben. Durch die Flaute im Werbemarkt ist der Fokus der Anbieter verstärkt auf alternative Einnahmequellen gerichtet: Der Nutzer soll zukünftig für bestimmte Online-Inhalte zur virtuellen Kasse gebeten werden.
Aus Sicht der Nutzer ist das Internet jedoch keineswegs kostenfrei: Sie zahlen bereits die Gebühren für den Internet-Zugang inklusive der Telefongebühren. Und diese Kosten sind zum Teil nicht unerheblich. Vier von fünf Internet-Nutzern sind der Meinung, dass eine kostengünstigere Online-Nutzung entscheidend für die zukünftige positive Entwicklung des Internet ist. Bei der Einführung von kostenpflichtigem Online-Content ist somit darauf Rücksicht zu nehmen, dass dieser für den Nutzer zusätzliche Kosten bedeutet und damit eine Erhöhung seines monetären Medienbudgets erfordert.
Seitens der Internet-Nutzer waren die W3B-Umfrageergebnisse zum Thema "Pay for Content" lange Zeit stabil: Seit mehreren Jahren war rund die Hälfte der User strikt gegen das Bezahlen von Online-Content; maximal 20 Prozent waren bereit, für bestimmte Content-Typen zu zahlen. Im Frühjahr 2002 zeigt sich nun erstmals eine deutliche Trendwende: Heute lehnen nur noch weniger als 30 Prozent das Bezahlen für Online-Content kategorisch ab. Vor allem das Interesse an Online-Content in Form von Nachrichten, Informationen und Daten ist im vergangenen Halbjahr ganz deutlich gestiegen, gefolgt von der Online-Softwarenutzung. Das Downloaden von Filmen, Bildern, Musik und Sounds ist nach wie vor für weniger als jeden fünften Nutzer relevant.
Es wird dabei aber auch deutlich, dass kaum ein Online-Content "massentauglich" ist. Vielmehr kommen je nach Content-Typ sehr verschiedene Zielgruppen in Frage. So sind z.B. auf Grund der geringen Zahlungsbereitschaft junger Nutzergruppen Bezahlmodelle für Online-Chats mit Prominenten kaum erfolgversprechend. Besonders offen gegenüber "Paid Content" zeigen sich dagegen Personen im Alter ab 40 Jahren, insbesondere männliche Nutzer und diese sind speziell an Informationen/Daten/Nachrichten interessiert.
Doch nicht allein die Wahl des passenden Contents sei wichtig für den Erfolg von Paid-Content-Angeboten, so die Studie weiter. Auch die nutzerorientierte Ausgestaltung der Rahmenbedingungen sei entscheidend und hier zeigen sich die zahlungswilligen Anwender anspruchsvoll: Unkompliziert muss der Online-Abruf sein, die Inhalte sollen aktuell sein, es muss Vorab-Test-/Ansichtsmöglichkeiten geben und der Content muss sofort nach dem Kauf verfügbar sein – Anforderungen, die sich nicht immer erfüllen lassen.
Als Zahlungsmethode für Paid Content bevorzugen die Nutzer die Zahlung pro Kauf. Problem dabei ist, dass sich im deutschen Markt die Digitale Signatur und auch Micropayment-Systeme nur langsam etablieren. Die zurzeit verfügbaren Systeme wie z.B. FirstGate click & buy sind maximal jedem fünften Nutzer bekannt; die aktive Nutzung liegt bei nur 5 Prozent der Internet-Gesamtnutzerschaft.
Laut W3B-Studie zeigt sich damit, dass die Akzeptanz von "Paid Content" unter den potenziellen Kunden steigt und dass die Nutzeranforderungen sehr komplex sind: Umso wichtiger ist es für Online-Anbieter, die individuellen Wünsche ihrer Zielgruppe genau zu kennen. Nur so können sie attraktive Angebote schaffen, für die ihre Nutzer bereit sind zu zahlen.