Analyse: i-mode - zwischen den Stühlen

Kritiker sehen in i-mode eine Totgeburt, weil die Technik in Deutschland zu spät gestartet sei und außerdem UMTS vor der Tür stehe. Weil die i-mode-Dienste proprietär sind und speziell in die Handys implementiert werden müssen, gibt es derzeit in Deutschland nur ein einziges Handy-Modell: Das N21i von NEC. Geräte von Toshiba und Trium sollen frühestens im Sommer dieses Jahres erscheinen.
Ob E-Plus tatsächlich zu spät kommt oder doch den richtigen Zeitpunkt erwischt hat, kann erst die nahe Zukunft zeigen. Noch ist der Dienst zu frisch, um absehen zu können, ob sich i-mode in Deutschland durchsetzen wird. Eine erste Preissenkung für das NEC-Handy (von 249,- Euro auf 149,- Euro) galt zwar nur für Bestandskunden, deutet jedoch auf eine gewisse Nervösität bei dem Düsseldorfer Mobilfunkanbieter hin. Schließlich liegt der Preis des Gerätes mit Vertrag deutlich höher als bei vergleichbaren Mittelklasse-Handys.
Zu i-mode gehört neben dem Gerät auch ein spezielles Internet-Portal, um den Dienst bequem über den kleinen Bildschirm des Handys bedienen zu können. Darüber bieten zahlreiche i-mode-Partner dann kostenpflichtige Inhalte an, die im Wesentlichen von existierenden Websites stammen. Die i-mode-Seiten verwenden das in Deutschland noch wenig bekannte cHTML, ein stark vereinfachtes Subset der regulären Web-Sprache HTML. Dadurch ist cHTML deutlich simpler zu handhaben als der WAP-Standard WML, so dass stetig weitere i-mode-Seiten entstehen. Nach wie vor dominieren in Deutschland aber die offiziellen, kostenpflichtigen i-mode-Seiten von E-Plus und den entsprechenden Partnern.
Der im N21i von NEC(öffnet im neuen Fenster) eingebaute Web-Browser NetFront von Access(öffnet im neuen Fenster) aus Japan kann neben den speziellen i-mode-Seiten im cHTML-Format auch WML-Seiten (WAP) sowie mit Einschränkungen reguläre HTML-Seiten anzeigen. WAP 2.0 sieht E-Plus mit seinen i-mode-Handys übrigens bereits abgedeckt: Der Standard wird die NTT-DoCoMo-Technik miteinbeziehen. Umgekehrt lassen sich alle i-mode-Seiten mit jedem normalen HTML-Browser auf dem PDA, dem Laptop oder dem Desktop-PC darstellen, sofern die Seiten nicht wie die E-Plus-Inhalte besonders geschützt sind.
WAP-Seiten zeigt der NEC-Browser in Farbe an, wenn die Seiten in diesem Format vorliegen. Beim Besuch normaler HTML-Seiten baut die Software aber einige Hürden auf: So lassen sich normale HTML-Seiten nur anzeigen, wenn diese kleiner als 10 KByte sind und die auf der Seite enthaltenen Bilder unter 5 KByte bleiben, was in der Praxis eine enorme Einschränkung bedeutet. Denn viele Webseiten überschreiten diese Grenzen mühelos. So lässt sich nicht einmal die Google-Homepage per i-mode aufrufen, weil das Logo wesentlich größer als 5 KByte ist. Zudem existiert noch eine Hardware-technische Grenze: Das kleine Handy-Display macht es zu einer ungeheuren Fleißaufgabe, auf Webseiten mit Tabellen zu navigieren, wie sie einem vielfach im Internet begegnen – Frames funktionieren gar nicht.
Als hilfreiche Ausweichmöglichkeit bleiben die von vielen Anbietern kostenlos bereitgestellten PDA-Seiten, die in aller Regel dem normalen Inhalt einer Homepage entsprechen, nur dass die Inhalte spartanischer gestaltet sind und dadurch besser auf kleinen PDA-Displays angezeigt werden können. Aber selbst mit solchen Seiten kann der i-mode-Browser immer noch ins Straucheln geraten – wenn sie zu groß sind. Um dem vorzubeugen, hilft eine spezielle Site(öffnet im neuen Fenster) der Suchmaschine Google: Damit steht eine i-mode-Umsetzmaschine bereit, die normale HTML-Seiten so herunterrechnet und in mehrere Teile zerlegt, dass diese auf dem iMode-Browser einigermaßen ordentlich angezeigt werden.
Mit Hilfe der speziellen PDA-Seiten im Zusammenspiel mit der Google-Umsetzung(öffnet im neuen Fenster) hievt man ohne große Probleme zahlreiche kostenpflichtige i-mode-Angebote gratis auf das i-mode-Handy. Zum Beispiel erhält man so die News-Seiten von Spiegel Online ( www.spiegel.de/dertag/pda(öffnet im neuen Fenster) ) oder der Süddeutschen Zeitung ( www.sueddeutsche.de/handheld/start.php3(öffnet im neuen Fenster) ) gratis, die über das i-mode-Portal Abogebühren fordern. Diesen Weg kann man auch mit dem PDA-Angebot von Golem.de ( www.golem.de/pda/pdahome.html ) beschreiten – was allerdings wenig Vorteile bringt, schließlich gibt es das Angebot bereits als kostenlosen i-mode-Dienst ( imode.golem.de ). E-Plus selbst können die Umgehungstaktiken seiner User eigentlich egal sein: Die Firma kassiert immer, sobald Daten über das Handy empfangen werden.
Im morgigen zweiten Teil der i-mode-Analyse geht es darum, wie man die kostenpflichtigen i-mode-Mails umgeht und ob die kostenpflichtigen Angebote vom i-mode-Portal ihr Geld wert sind.



