Ungewisse Zukunft für Linux-Distributoren?
In der Studie will die META Group die Anwendermeinung in Deutschland zu Linux und zur Leistungsfähigkeit der wichtigsten Distributoren, IT-Dienstleister und IT-Anbieter im deutschen Linux-Markt darstellen.
Bisher sei das Geschäftsmodell der Linux-Distributoren keine Erfolgsstory, so die META Group. Immer wieder müssten Investoren in weiteren Finanzierungsrunden zusätzliches Kapital genehmigen. Dabei steigen zwar die Erwartungen, bald in die Gewinnzone zu kommen, doch werden voraussichtlich einige Distributoren die derzeitige Schwächephase nicht überstehen, prognostizieren die Marktforscher. Die Anwender sollten daher vorsichtig in der Auswahl der Distributoren sein.
Um ein profitables Umsatzwachstum zu realisieren, gingen die Distributoren derzeit zielorientierter vor und positionieren sich als Dienstleister für Großunternehmen. Bei dieser Zielgruppe müsse aber in den kommenden Monaten eine eindeutige Trendwende für Investitionen in Linux, das heißt Investitionen in Infrastrukturthemen erfolgen, wenn das Konzept aufgehen soll. Bislang ist der Infrastrukturbereich kein Investitionsbereich mit Prioritätsstufe Eins. "Wenn nicht eindeutige kurzfristige Returns of Investment zu realisieren sind, wird keine Rückendeckung durch die Geschäftsführung zu erwarten sein" , so die META Group.
Es wird zwar überall von neuen Linux-Projekten gesprochen, doch im Markt selbst sei ein spürbarer Effekt noch nicht festzustellen. Für Distributoren bedeute dies, auf die Kostenbremse zu treten.
"Linux-Distributoren müssen ihren Vertrieb themenorientiert aufstellen und nicht nur allein über verbesserte Support-Kosten und Technologieargumente die Diskussion mit den Kunden führen" , rät Markus Huber-Graul, Senior Consultant bei der META Group. Linux sei zwar als Alternative "hoffähig" geworden, doch der direkte Anlass zum Einsatz von Linux wird in den meisten Fällen die Einführung neuer Systeme wie CRM (Customer Relationship Management), ERP (Enterprise Resource Planning), Kommunikationslösungen, etc. sein. Und obwohl es überwiegend die Distributoren waren, die den Linux-Markt sensibilisiert haben, müssen sie nun mit bekannten Beratern wie IBM Global Systems, T-Systems, Triaton, KPMG, PwC oder Hewlett Packard konkurrieren.
Nach den Implementierungsarbeiten werde Linux auch in ein Support-Konzept eingepasst werden müssen. "In Gesprächen mit unseren Kunden wird deutlich, dass die Zahl der Infrastruktur-Dienstleister reduziert werden muss" , berichtet Markus Huber-Graul weiter. Linux-Distributoren müssten bei Großkunden mit etablierten Dienstleistern zusammenarbeiten. Allerdings werden auch die Dienstleister ihr Linux-Angebot wesentlich ausbauen. Es entstehen automatisch Interessenskonflikte, zumal Linux in einigen Jahren ein Infrastrukturthema unter vielen sein und zum Standardangebot gehören wird. Distributoren können nicht nur auf ihre inländische Präsenz setzen, sondern müssen weltweit aktiv sein und einen hohen Anteil an rentablen Großkunden haben. Die Linux-Studie soll unter anderem zeigen, welche Distributoren die Key Player sein werden.
"Linux wird zwar viele Projekte in den Unternehmen mitbestimmen, doch ist zu erwarten, dass die Gewinner die Hardwarehersteller sowie die unabhängigen Software-Anbieter sein werden" , so die META Group.