Spieletest: ICO - Fantasy-Adventure für die PlayStation 2
Schönes 3D-Adventure für Rätsel- und Geschicklichkeitsfans. Mit ICO hat Sony Computer Entertainment ein 3D-Adventure für die PlayStation 2 veröffentlicht, das sich zwar verschiedener bekannter Elemente bedient, diese aber auf sehr atmosphärische Art und Weise miteinander verknüpft. Es gilt darin, den 12-jährigen Ico aus einer Burgruine zu befreien, in die er zu Beginn des Spiels auf Grund seiner Hörner verbannt wird.
Ico hat das Pech, Opfer des Fluchs zu sein, der über seinem Heimatdorf liegt: In jeder Generation wird, sehr zum Schrecken der Bewohner, ein Junge mit Hörnern geboren. Als Ico mit Hörnern auf die Welt kommt, wird ihm die Schuld an jedem Unglück zugeschoben. Als die Hörner an seinem 12. Geburtstag noch ein gutes Stück weiter wachsen, sperren die aufgebrachten Dorfbewohner Ico in eine weit entfernte, am Meer liegende dunkle Festung, um damit die Götter milde zu stimmen.
An dieser Stelle übernimmt der Spieler die Steuerung des Jungen, der alsbald entdeckt, dass vor ihm schon viele andere zum Sterben in das düstere Gefängnis gesperrt wurden. Allerdings entdeckt er auch, dass er dennoch nicht alleine ist – grauenhafte Schattenwesen bewachen ein leuchtendes, leicht geisterhaft wirkendes und fremdsprachiges Mädchen namens Yorda. Nachdem Ico das Mädchen rettet, suchen die beiden trotz Sprachbarriere gemeinsam einen Fluchtweg. Die Geschichte entspinnt sich in Zwischensequenzen, die identisch mit der Spielgrafik sind und den Spieler nicht mit Text überfordern.
Yorda agiert zum Teil unabhängig, muss jedoch von Ico geführt werden, damit die gemeinsame Flucht gelingen kann. Dazu kann sie per L1-Taste gerufen, an der Hand gehalten, zum Sprung ermuntert und aufgefangen oder an Vorsprüngen hochgezogen werden. Da Yorda schwächer als Ico und zudem sehr ängstlich ist, muss Ico einen für sie genehmen Weg aus den jeweiligen Teilen der Burg finden. Es gilt in düsteren Räumen, aber auch in schwindeligen Höhen zu klettern, hangeln, balancieren, an Ketten zu schwingen und waghalsige Sprungmanöver zu absolvieren – ohne dabei in den Tod zu stürzen. Der Weg ist dabei nicht immer gleich ersichtlich und es gilt einige Rätsel zu lösen, um Ico und Yorda durch die verschlungenen Pfade der Burg zu lotsen.
Obwohl sich das Spiel hauptsächlich um das Lösen von Rätseln und waghalsige akrobatische Manöver dreht, kommt auch die Action nicht zu kurz: Es gibt eine dunkle Macht, die mittels ihrer Schattenwesen verhindern will, dass insbesondere Yorda die Burg verlässt. Ico steht dazu anfangs ein Stab zur Verfügung, den er auch als Fackel und zum Anzünden von Bomben benutzen kann. Wer es gewohnt ist, einfach nur wild draufzuprügeln, wird in Ico schnell scheitern, denn die Schattenwesen haben es vor allem darauf abgesehen, Yorda zu packen und sie über Schattenportale in ihr Gefängnis zurückzubringen – gelingt ihnen dies, ist Ico gescheitert.
Lebenspunkte, Power-Ups, High-Scores oder Boni spielen beim Kämpfen keine Rolle – es gibt sie schlichtweg nicht. So gilt es also, sich zwischen die ängstliche Yorda und die Schattenwesen zu stellen oder – falls doch mal ein Schattenwesen Yorda gepackt und in ein Schattenportal gezerrt hat – die gute wieder aus selbigem herauszuziehen, solange sie noch zu sehen ist. Wird Ico getroffen, so geht er für einige Zeit zu Boden, was die Schattenwesen sofort nutzen, um näher an Yorda heranzukommen. Allerdings muss Ico nicht immer kämpfen, wenn es dem ungleichen Pärchen gelingt, rechtzeitig zum nächsten magischen Tor zu gelangen, denn diese vernichten beim Öffnen die Schattenwesen.
Die 3D-Grafik und Soundkulisse von ICO darf mit Fug und Recht als gelungen bezeichnet werden: Das düstere Innere der tristen Burg, die Tupfer aus Farbe in bewachsenen Bereichen, die Brücken in luftigen Höhen mit Blick in schwindelnde Tiefen und die bedrohlichen Schattenwesen ziehen den Spieler in ihren Bann. Ebenfalls beeindruckend sind die natürlichen Bewegungen und die realistisch wirkenden Schatten der beiden Hauptcharaktere, die man meist aus der Beobachter-Perspektive von schräg oben sieht, an die man jedoch auch heranzoomen kann. Hier gibt es den einzigen großen Kritikpunkt: Die Kamerasteuerung beschränkt den Blickwinkel zu stark und verhindert den freien Blick auf die Szenerie mitunter zu sehr – in Kämpfen ist dies mitunter ebenfalls von Nachteil, allerdings kein gravierender. Ebenfalls sehr stimmungsvoll, aber dennoch nicht aufdringlich sind Ton- und Musikkulisse. Bei der Sprachausgabe wurde zwar lediglich deutsch untertitelt, allerdings ist dies dem Spiel nicht abträglich – insbesondere da Ico Yordas Sprache eh nicht versteht.
Fazit: ICO ist ein sehr atmosphärisches, gefühlvolles Adventure für Rätsel-, Geschicklichkeits- unf Fantasyfreunde, das nicht nur durch seine beeindruckende Präsentation, sondern auch durch stimmiges Gameplay überzeugen kann. Extrem-Spieler werden den Titel zwar in etwa zehn Stunden durchgespielt haben, aber dafür wird das Spiel auch nicht durch nahezu unlösbare Fruststellen oder ständige Wiederholungen künstlich in der Spielzeit aufgebläht. ICO zählt trotz der bekannten Elemente eindeutig zu den erfrischendsten Adventures im Konsolenmarkt.