Abo
  • Services:

Ein neues Netz, das Petabytes zerlegen kann

Golem.de: Wie weit sind die heutigen Grids denn bereits vom Experimentierstadium entfernt?

Stellenmarkt
  1. PFALZKOM | MANET, Ludwigshafen
  2. Lidl Digital International GmbH & Co. KG, Leingarten

Reinefeld: Wir befinden uns gerade in einer äußerst spannenden Phase, der zwischen Forschung und Anwendung. Die Forschungs- und Entwicklungsphase, die in den frühen neunziger Jahren begonnen hat, ist nun größtenteils abgeschlossen. Als Ergebnis existieren nun einige Grid-Softwarepakete, die auf die jeweilige Anwendung angepasst werden müssen, was mühsam und zeitaufwendig ist. Die Amerikaner sprechen hier von Toolsets, deren einzelne Werkzeuge (Tools) zu einer funktionierenden Einheit zusammengesetzt werden müssen.
Wie immer in solchen Situationen, steht nun die Standardisierung im Vordergrund, damit zukünftig Softwarentwickler auf dem Erreichten aufbauen können. Derzeit wird viel über Web-Services diskutiert, die auch zunehmend in Business-to-Business-Anwendungen eingesetzt werden. Durch Verwendung des XML-Datenstandards stellen Web-Services Hardware- und Betriebssystem-unabhängige Dienste zur Verfügung. Ein wichtiges Schlagwort ist hier "OGSA" (Open Grid Service Architecture).

Golem.de: Wo findet die Grid-Technologie in der Forschung inzwischen Anwendung?

Reinefeld: Das weltweit wichtigste Grid-Projekt kommt diesmal nicht aus den USA, sondern aus Europa. Es handelt sich um das europäische "DataGrid"-Projekt, das vom CERN initiiert und koordiniert wird. Hintergrund des Projekts ist die baldige Inbetriebnahme des neuen LHC-Teilchenbeschleunigers in Genf. Diese Anlage wird mehrere Petabyte Daten (Millionen von Gigabte) pro Jahr erzeugen. Diese Flut von Daten ist so groß, dass sie nicht an zentraler Stelle verarbeitet werden kann. Damit ist DataGrid das weltweit erste Projekt, das zwingend auf Grid-Computing angewiesen ist. Neben mehreren anderen europäischen Forschungsgruppen arbeiten auch wir an diesem von der EU geförderten Projekt mit. Unsere Aufgabe besteht in der effizienten Einbindung von PC-Clustern in die Grid-Software-Umgebung.

Golem.de: Welche Vorteile hat dies - was können Wissenschaftler tun, was sie vorher nicht konnten?

Reinefeld: Zunächst einmal bietet das Grid Zugriff auf entfernte Hochleistungsrechner, die vor Ort nicht zur Verfügung stehen. Dadurch erhalten Wissenschaftler neue Möglichkeiten, größere und genauere Simulationsrechnungen durchführen zu können. Wichtig ist aber auch der Daten-Aspekt: Im bereits genannten DataGrid-Projekt werden mehrere tausend Physiker in ganz Europa an den gleichen Daten arbeiten können, die von den Teilchendetektoren erzeugt und in speziellen Datenzentren im Grid verteilt wurden. Die Simulationsergebnisse werden wiederum im Grid abgelegt und können so gemeinsam ausgewertet werden - ein echter Fortschritt der internationalen Zusammenarbeit. Dies ist natürlich nicht nur auf die Teilchenphysik anwendbar.

Golem.de: Wann sehen Sie erste praktische Anwendungen für die Wirtschaft?

Reinefeld: Wir stehen unmittelbar davor. Die Wirtschaft wird sehr bald von der Grid-Technologie profitieren, weil ihre vorhandenen B2B-Anwendungen auf denselben Web-Services basieren, die im Grid-Bereich angewandt werden.

Golem.de: Wo konkret werden die liegen?

Reinefeld: Die Europäische Union fördert derzeit bereits einige Grid-Projekte mit direkter Industrierelevanz. So sind wir beispielsweise an einem Projekt beteiligt, das von Schiffskonstrukteuren und Entwicklern der Automobilindustrie initiiert wurde, die über eine Grid-Umgebung Zugriff auf komplexe Strömungssimulationsprogramme benötigen. Diese Anwendungen laufen nur auf Hochleistungsrechnern, deren Betrieb sich die Anwender jedoch nicht leisten können oder wollen. Das Grid bietet ihnen die Gelegenheit, gegen Kostenbeteiligung Zugriff auf diese komplexen Anwendungen und Rechner zu erhalten. Ähnliche Projekte existieren im Arzneimittel-Design, in der Materialforschung (KfZ-Industrie), in der chemischen Forschung usw. Die EU hat hier die wichtige Rolle der Anschubfinanzierung übernommen. Ich erwarte von einigen Projekten einen durchschlagenden Erfolg, was weitere industriefinanzierte Projekte nach sich ziehen wird.

 Ein neues Netz, das Petabytes zerlegen kannEin neues Netz, das Petabytes zerlegen kann 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5.  


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (nur für Prime-Mitglieder)

tellipirelli 21. Mai 2002

Die Erde ne Kugel ? So´n Schwachsinn ... Menschen ? Fliegen ? Haha .......... Ohne...

mhmmm 21. Mai 2002

hört sich für mich irgendwie nach seti@home an heisst nur anders mhmm seltsam dafür...

sparfux 21. Mai 2002

Für die einen ist es Klopapier für andere die "längste Serviette der Welt". Es scheint...

sparfux 21. Mai 2002

Für die einen ist es Klopapier für andere die "längste Serviette der Welt". Es scheint...

fidelchen 21. Mai 2002

und wann kommen die zewabytes ??? *gg*


Folgen Sie uns
       


Windows 10 on Snapdragon - Test

Wir schauen uns Windows 10 on ARM auf zwei Snapdragon-Notebooks an.

Windows 10 on Snapdragon - Test Video aufrufen
Segelschiff: Das Vindskip steckt in der Flaute
Segelschiff
Das Vindskip steckt in der Flaute

Hochseeschiffe gelten als große Umweltverschmutzer. Neue saubere Antriebe sind gefragt. Der Norweger Terje Lade hat ein futuristisches Segelschiff entwickelt. Doch solch ein neuartiges Konzept umzusetzen, ist nicht so einfach.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Energy Observer Toyota unterstützt Weltumrundung von Brennstoffzellenschiff
  2. Hyseas III Schottische Werft baut Hochseefähre mit Brennstoffzelle
  3. Kreuzschifffahrt Wie Brennstoffzellen Schiffe sauberer machen

Always Connected PCs im Test: Das kann Windows 10 on Snapdragon
Always Connected PCs im Test
Das kann Windows 10 on Snapdragon

Noch keine Konkurrenz für x86-Notebooks: Die Convertibles mit Snapdragon-Chip und Windows 10 on ARM sind flott, haben LTE integriert und eine extrem lange Akkulaufzeit. Der App- und der Treiber-Support ist im Alltag teils ein Manko, aber nur eins der bisherigen Geräte überzeugt uns.
Ein Test von Marc Sauter und Oliver Nickel

  1. Qualcomm "Wir entwickeln dediziertes Silizium für Laptops"
  2. Windows 10 on ARM Microsoft plant 64-Bit-Support ab Mai 2018
  3. Always Connected PCs Vielversprechender Windows-RT-Nachfolger mit Fragezeichen

Smartphone von Gigaset: Made in Bocholt
Smartphone von Gigaset
Made in Bocholt

Gigaset baut sein Smartphone GS185 in Bocholt - und verpasst dem Gerät trotz kompletter Anlieferung von Teilen aus China das Label "Made in Germany". Der Fokus auf die Region ist aber vorhanden, eine erweiterte Fertigung durchaus eine Option. Wir haben uns das Werk angeschaut.
Ein Bericht von Tobias Költzsch

  1. Bocholt Gigaset baut Smartphone in Deutschland

    •  /