Counterstrike wird nicht indiziert
Im Beisein der Presse wurde das Spiel heute von einem Mitarbeiter der BPjS zunächst kurz vorgestellt. Dabei lief die erste Vorführung über einen normalen Internet-Server. Die in einer demokratischen Wahl der PC-Action WWCL bestimmten Vertreter der Szene, Rami Allouni aka Raal und Sven Spilker aka Moquai, kommentierten dabei das Spielgeschehen.
Danach zog sich das Gremium zu einer intensiven Anhörung zurück, die unter Ausschluss der Presse stattfand. Rami und Sven wurde dabei die entscheidende Redezeit zur Szene auf knappe 3 Minuten zusammengestrichen – scheinbar eine kurzfristige Entscheidung der BPjS. Danach wurden sie nur noch kurz zum Spiel befragt. Die beiden berichteten zunächst von ihrem Eindruck, dass sie unter dem Ausschluss der Presse für das 12er-Gremium anscheinend nicht mehr relevant seien und waren sichtlich gefrustet.
In der danach stattfindenden Pressekonferenz erklärte die BPjS, dass es keine Identifikationsmöglichkeit für den Spieler gebe, da das Spiel nur im Mehrspieler-Modus spielbar sei. Die Struktur der Counterstrike Community war demnach ausschlaggebend für die Entscheidung gegen eine Indizierung. In der Begründung der BPjS wurde festgestellt, dass sowohl Elemente vorliegen, die für eine Indizierung sprechen, als auch etliche dagegen. Die strategische Vorgehensweise, die Spielergemeinschaft und die Kommunikation sind in den Augen der BPjS wichtige Merkmale, die gegen eine Indizierung sprechen.
In der offiziellen Erklärung der BPjS heißt es: "Allerdings ist es auch wesentlicher Bestandteil des Spiels, virtuelle menschliche Gegner zu töten. Je nach Spielerpersönlichkeit stehen für den Einen eher strategische Gesichtspunkte im Mittelpunkt, für den Anderen eher die vordergründige Action. Auch hat das Gremium darauf verwiesen, dass diejenigen Spieler, die in erster Linie kurzfristige aktionale Inhalte und Formen suchen, nicht langfristig an dieses Spiel gebunden werden. Das Gremium hat sehr deutlich gemacht, dass dieses Spiel nicht in die Hände von Kindern und jüngeren Jugendlichen gehört, da es für diese Altersgruppen beeinträchtigende Elemente aufweist. Dies insbesondere aus dem Grunde, weil Kinder und jüngere Jugendliche, die auf der Suche nach einem differenzierten Norm- und Wertesystem sind, durch die kampforientierte Spielhandlung negativ beeinflusst werden könnten. Andererseits hat das 12er-Gremium deutlich darauf verwiesen, dass das Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften gravierende Rechtsfolgen nach sich zieht, die in diesem Fall zu weitreichend sind. Denn bei älteren Jugendlichen sollte angenommen werden, dass sie bereits über ein gefestigteres Normen- und Wertesystem verfügen, und sehr wohl zwischen Realität und Spiel differenzieren können."
Weiter heißt es: "Das Spiel hat durch die Gesamtkonzeption in Verbindung mit Darstellung und Grafik gegenüber anderen Spielen, die in die Liste aufgenommen wurden, noch keinen solchen Gefährdungsgrad, der eine Indizierung rechtfertigt. Eine verrohende Wirkung ist nicht gegeben, weil die Umsetzung der Actionszenarien weitgehend auf Effekthascherei verzichtet."
Laut einer BPjS-Beraterin hat eine Entscheidung noch nie so lange gedauert. Die eigentlich für 12.30 Uhr angesetzte Pressekonferenz hat erst gegen 14.50 Uhr begonnen. Auch die Vorsitzende berichtete von einer langen Diskussion, die vor allem wegen dem Medienrummel erschwert wurde. Frau Monssen-Engberding äußerte sich erfreut über die Entscheidung gegen eine Indizierung.