Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Mit der Power von Distributed Computing

Rechenkapazität im und über das Netz organisieren. Auch ohne Supercomputer sind aufwendigste Berechnungen möglich, sehr viel kostengünstiger und zeitnaher, als viele IT-Verantwortliche bisher annehmen: mit der eigenen Hardware im Intranet oder per Outsourcing über das Internet.
/ Jens Ihlenfeld
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

"Distributed Computing" bedeutet verteiltes Rechnen. Dabei übernimmt ein zentraler Rechner mit entsprechender Steuerungssoftware die Aufgabe der Konfiguration eigenständiger Rechner innerhalb eines neuronalen Netzes und die ständige Optimierung, also die Verteilung kleiner Rechenanfragen an die beteiligten Computer und die Auswertung der zurückerhaltenen Ergebnisse. Leerlaufzeiten der beteiligten Rechner werden so erstmals sinnvoll genutzt und die sind oft immens.

Mit 12 Teraflops ans Ziel

Bisher war das verteilte Rechnen vor allem aus ehrenamtlichen Projekten bekannt, bei denen es keinerlei finanzielle Entschädigung und nicht einmal eine Gegenleistung für Strom-, Rechen- und Verbindungskosten gibt. So begnügen sich die Besitzer vieler heimischer Computer damit, Teil eines weltweiten gigantischen Supercomputers zu sein und bestenfalls honorieren Wissenschaftler die Arbeit mit einer kleinen Verlosung unter allen Teilnehmern. Das bekannteste Projekt ist SETI@home(öffnet im neuen Fenster) (SETI für Search for Extraterrestrial Intelligence), bei dem Millionen Menschen weltweit Signale aus dem Weltall auswerten, um außerirdischem Leben auf die Spur zu kommen. Die Rechenleistung ist gigantisch: Durchschnittlich wird mit 12 Teraflops bzw. 12 Billionen Fließkommaoperationen pro Sekunde gearbeitet. Andere Projekte, manche davon auch nur vermeintlich mit nicht-kommerziellem Charakter, sind bei der Arzneimittelforschung angesiedelt, z. B. bei der Suche nach einem wirksamen Medikament gegen Aids oder Krebs. Für negative Schlagzeilen sorgte das verteilte Rechnen jüngst, als der File-Sharing-Dienst KaZaA(öffnet im neuen Fenster) heimlich ein Programm zum Distributed Computing in seine Software eingebunden hatte. Der Unmut der Nutzer war aber ausschließlich in der kommerziellen Nutzung begründet.

Weitere Anwendungsbereiche ergeben sich aus besonders rechenintensiven Aufgaben wie etwa bei der Berechnung neuer Computer-Chips, in der Klimaforschung und für weit reichende Simulationen.

Der Dienst MoneyBee(öffnet im neuen Fenster) analysiert Börsendaten nach aufwendigen mathematisch-informationstechnischen Methoden und bedankt sich bei seinen Teilnehmern dafür mit Prognosen über den Aktienmarkt. Die Anleger können sie dann in ihre eigene Entscheidung einfließen lassen.

Rechner-Power aus dem Internet oder Intranet?

Noch haben viele potenzielle Auftraggeber Befürchtungen, ihre Daten dem offenen Internet oder einer anderen Firma anzuvertrauen. Doch statt der Nutzung anderer Rechner können wahlweise auch firmeneigene Desktop-PCs im Intranet für das verteilte Rechnen eingesetzt werden.

Hatte die US-Firma Entropia(öffnet im neuen Fenster) anfangs noch aus der Nutzung privater Rechenzeit ein Geschäft ausschließlich zu ihren Gunsten machen wollen, zahlt sie Privatleuten inzwischen Geld dafür. Der kalifornische Anbieter ist nach eigenen Angaben inzwischen zum Weltmarktführer im Bereich der PC-basierten Distributed-Computing-Lösungen geworden. Jüngst hat das Unternehmen als Kunden die Pacific Life Insurance Company(öffnet im neuen Fenster) , einen großen Anbieter von Lebensversicherungen dazugewinnen können. Für die sehr aufwendigen Computerberechnungen von Bevölkerungsentwicklungen und den damit einhergehenden Risiken setzt das Unternehmen nun auf die Rechenleistung der eigenen Windows-Desktops.

"Bei der Pacific Life ist die Berechnung von Risikomodellen eine kritische Größe. Dass Ergebnisse dieser Modellberechnungen nun in Stunden statt in Tagen oder Wochen vorliegen, verschafft uns einen Wettbewerbsvorteil" , weiß Jane Hsu, Vize-Präsident des Managements Enterprise Risk bei der Pacific Life, die neue Technik mit alter Hardware zu schätzen.

Ein anderer großer Anbieter für Distributed Computing ist United Devices(öffnet im neuen Fenster) . Wahlweise bietet die Firma mit Sitz in Austin, Texas, die benötigten Ressourcen über das Internet an oder stellt Software zur Verfügung, mit der Firmen die Rechenleistung des eigenen Intranets nutzen können. Einer der neuesten und größten Kunden ist der Schweizer Pharmakonzern Novartis(öffnet im neuen Fenster) , der damit beginnt, 1.000 Desktop-Computer seines Intranets für die Berechnung eigener Forschungsaufgaben einzusetzen.

Und glaubt man Peter Jeffcock von Sun Microsystems, so ist das verteilte Rechnen gerade für kleine Firmen mit gerade einmal 10 bis 20 Rechnern ideal. Keine Frage, dann zumindest kann die kostenlose Grid Engine Software(öffnet im neuen Fenster) von Sun eingesetzt werden, denn erst die Enterprise-Lösung kostet Geld. Insgesamt 5.000 Installationen seiner Software vermeldet Sun für April dieses Jahres. Dabei ist auch die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen(öffnet im neuen Fenster) , die auf diese Weise ihre 32 Sun Fire-Server zu einem Supercomputer zusammengeschlossen hat. Künftig werden wohl weit mehr Anwender die Grid Engine von Sun einsetzen, denn mit der neuen SuSE Linux Professional Edition 8.0(öffnet im neuen Fenster) wird die Verteilsoftware gleich mit ausgeliefert. Bei SuSE ist man stolz darauf, damit der erste Linux-Distributor zu sein, der das verteilte Rechnen der wachsenden Linux-Gemeinde näher bringt.

Fast scheint die Zeit der Supercomputer auch schon vorbei zu sein, da eigene Rechenkapazitäten effizienter genutzt werden können oder per Outsourcing einfach angemietet werden und für einige Projekte sogar kostenlos zur Verfügung stehen. Die Delphi Group(öffnet im neuen Fenster) sieht laut einem aktuellen Report im verteilten Rechnen schon die nächste Killerapplikation. Dafür ist es aber sicher noch etwas zu früh. Und auch die Delphi-Spezialisten schränken ein, dass die ersten größeren kommerziellen Erfolge erst im nächsten Jahr sichtbar werden dürften.

[von Niels Gründel]


Relevante Themen