P10 VPU - Programmierbarer Super-Grafikprozessor von 3Dlabs

"Der Zusammenfluss von hochentwickelten Shading-Sprachen wie OpenGL 2.0 und kommenden Versionen von DirectX kombiniert mit 3Dlabs VPUs wird neue Klassen von visuellen Anwendungen möglich machen" , so Neil Trevett, Senior Vice President of Market Development bei 3Dlabs. "Die Fähigkeit, komplexe Schattierungs-Algorithmen zu nehmen, wie man sie aus realistischen Film-Animationen kennt, und sie auf hoch parallelen "Visual Processors" zu verwenden ist ein bedeutender Schritt hin zum interaktiven visuellen Realismmus. Dies ist ein Fortschritt, auf den die Industrie seit über 20 Jahren hinarbeitet."
Bereits der erste auf der neuen Architektur basierende Grafikprozessor mit Codenamen P10, von 3Dlabs als Virtual Processing Unit (VPU) eingestuft, soll Algorithmen ausführen, an die bei aktuellen DirectX-8-kompatiblen Grafikprozessoren gar nicht zu denken ist. 3Dlabs "Visual Processing Architecture" nutzt eine optimierte Grafik-Pipeline, die bisherige inflexible Pipeline-Stufen durch programmierbare SIMD (Single Instruction, Multiple Data) Prozessor-Arrays ersetzt. Die P10 VPU soll über 200 SIMD-Prozessoren in seinen Geometrie-, Textur- und Pixel-Verarbeitungs-Pipelines vereinen und damit über 170 Gigaflops und ein TeraOP/s an programmierbarer Grafikleistung erreichen. In Verbindung mit einer 256 Bit breiten DDR-SDRAM-Speicherschnittstelle soll eine Bandbreite von bis zu 20 GByte/s erreicht werden, was aber nur für die Profi-3D-Grafiklösungen gelten dürfte.
Die Programmierung soll im Vergleich zu den Vertex- und Pixel-Shadern aktueller Grafikprozessoren dank der CPU-ähnlichen Architektur deutlich einfacher sein. Dank einem virtuellen Speichersystem, das alle Speicherzugriffe auf einen virtuellen 16-GByte-Adressraum abbilden kann, sollen P10-basierte Boards die Limitationen von On-Board-Grafikspeicher sprengen. Mittels eines Multi-Threading-fähigen Kommando-Prozessors soll der P10 wie eine Vielzahl von virtuellen VPUs angesprochen werden können, was dank gleichzeitiger Abarbeitung für ruckelfreie Grafik sorgen soll. Programmierbare Einheiten sollen komplexe Befehle – auch Subroutinen und Schleifen – für eine Vielzahl von Grafikeffekten ermöglichen.
3Dlabs hat eigenen Angaben zufolge bereits erste P10-Vorserienmuster und DirectX-9- und OpenGL-2.0-Treiber-Prototypen an führende Entwickler gesendet. Neben der Anpassung bekannter 2D- und 3D-Anwendungen auf die neue Hardware sollen bereits neuartige Anwendungen entwickelt werden. Diese sollen beispielsweise dank Echtzeit-Wavelet-Dekompression auf ein Hundertstel der ursprünglichen Größe verkleinerte Textur- und Geometriedaten nutzen können, Ray-Casting Engines für die Echtzeit-Darstellung von volumetrischen medizinischen Datensätzen verwenden oder erstmals fotorealistische Bilder in Echtzeit rendern.
Die ersten Profi-Grafikkarten mit P10 VPU sollen im dritten Quartal 2002 auf den Markt kommen und aktuelle und kommende Versionen von DirectX und OpenGL unterstützen. Ab wann die ersten P10-basierten Grafikkarten für den Konsumenten-Markt erscheinen werden, wurde noch nicht angekündigt.
Kommentar:
Die Konkurrenten NVidia und ATI haben ihre DirectX-9-Grafikchips für den Konsumenten-Markt für das dritte bzw. vierte Quartal 2002 angekündigt, man darf also gespannt sein, wie Creative Labs sich mit den Chips seines potenten Neuerwerbs 3Dlabs gegen die " GeForce5 " bzw. " R300 " schlagen wird. Aber auch Matrox sollte man nicht vergessen – Gerüchten zufolge hat der kanadische Hersteller ein Comeback mit einer eigenen leistungsfähigen 3D-Grafikhardware geplant, will sich dazu aber noch nicht äußern.