Computerkriminalität stieg 2001 um 39,9 Prozent an
Gegenüber 2000 sind 23,1 Prozent mehr Fälle im Bereich der Wirtschaftskriminalität registriert worden. Im Vorjahr war dagegen ein Rückgang um 16,7 Prozent zu verzeichnen. Die starken Schwankungen in diesem Bereich sind auf eine Erfassungsungenauigkeit zurückzuführen: Bei größeren Ermittlungskomplexen werden häufig Serien mit bis zu mehreren tausend Einzelfällen registriert.
Die erfasste Computerkriminalität stieg 2001 um 39,9 Prozent an. Die stärkste Zunahme gab es bei Computerbetrug (§ 263a StGB) um 162,3 Prozent auf 17.310 Fälle sowie bei Betrug mit Zugangsberechtigungen zu Kommunikationsdiensten um 265,7 Prozent auf 8.039 Fälle. Dabei handelte es sich meist um Surfen im Internet unter Nutzung ausgespähter Daten bzw. Kennnummern auf Kosten der Dateninhaber. Ferner ging es um Zugangserschleichungen zu Telefonanschlüssen mit illegalem Anwählen von gebührenintensiven 0190er-Nummern (Account-Missbrauch) sowie um Überwindung von SIM-LOCK-Sperren zur illegalen Mobiltelefon-Nutzung.
Zugenommen haben auch die Betrugsfälle mit rechtswidrig erlangten Karten an Geldausgabe- bzw. Kassenautomaten (Kunden-, Service- und EC-Karten mit PIN); hier sind für das Jahr 2001 48.610 Fälle gegenüber 44.284 im Jahr 2000 registriert. Der Betrug mittels Kreditkarten stieg um 3,5 Prozent. Gefordert sind insbesondere Präventionsleistungen der Industrie durch technische Sicherungsverfahren, wie die Einführung der Chipkartentechnologie anstelle des fälschungsanfälligen Magnetstreifens. Aber auch schon die konsequente Anwendung der vorhandenen Sicherungstechniken, wie der flächendeckende Einsatz der PIN-Technik, kann nach Darstellung des BMI zu durchgreifenden Verbesserungen führen. Das Bundesministerium des Innern habe bereits entsprechende Initiativen zur Prävention unter Einbindung aller Beteiligten ergriffen.
Bundesinnenminister Otto Schily erklärte bei Vorlage des Berichts: "Die Zahlen der PKS 2001 zeigen erneut, dass Deutschland zu den sichersten Ländern im internationalen Vergleich gehört. Bund und Länder können eine in der Gesamtbewertung positive Bilanz der inneren Sicherheit ziehen. In wichtigen Deliktbereichen der Schwerkriminalität – wie Mord und Totschlag und Raub – ist die Zahl der Straftaten deutlich zurückgegangen. Auch bei einer der abscheulichsten Verbrechensformen, dem sexuellen Missbrauch von Kindern, ist ein Rückgang der Fälle zu verzeichnen."
Die Zahl der Diebstähle, Wohnungseinbrüche und Handtaschenraube hat sich deutlich reduziert. Die Gefahr, in Deutschland bestohlen oder beraubt zu werden, ist seit 1998 kontinuierlich rückläufig. Dies hat das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung spürbar erhöht. So fühlen sich knapp 70 Prozent der deutschen Bevölkerung, wie EMNID in einer aktuellen und repräsentativen Umfrage feststellt, sehr sicher bzw. sicher in der Region, in der sie leben.
Im Jahr 2001 ist die Gesamtzahl der polizeilich erfassten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent auf 6.363.865 Straftaten angestiegen (2000: 6.264.723; 1999: 6.302.316, 1998: 6.456.996, 1997: 6.586.165, 1996: 6.647.598).
Die Aufklärungsquote lag im Jahr 2001 mit 3.379.618 aufgeklärten Fällen bei 53,1 Prozent (2000 : 53,2 Prozent, 1999: 52,8 Prozent, 1998: 52,3 Prozent, 1997: 50,6 Prozent, 1993: 43,8 Prozent). Damit konnte das hohe Niveau, das seit Amtsantritt der Bundesregierung im Jahr 1998 erreicht wird, gehalten werden. Dieser Erfolg resultiert einerseits aus dem starken Rückgang der schwer aufklärbaren Diebstahlsdelikte und andererseits aus der erfolgreichen Ermittlungsarbeit im Bereich der Raubdelikte (2001 : 50,9 Prozent, 2000: 50,5 Prozent, 1999: 50,4 Prozent, 1998: 49,9 Prozent, 1993: 42,6 Prozent).
Die Zahl der erfassten Tatverdächtigen ging zurück : Mit 2.280.611 Tatverdächtigen wurden 0,3 Prozent weniger Tatverdächtige erfasst als im Vorjahr (2000: 2.286.372). Dabei stieg die Zahl der ermittelten deutschen Tatverdächtigen um 0,9 Prozent auf 1.712.228. Bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen gab es, wie in den Vorjahren, einen weiteren Rückgang um 3,5 Prozent auf 568.384. Der Tatverdächtigenanteil von Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit sank von 25,8 auf 24,9 Prozent.



