Interview mit dem Gründer von Fuckedcompany.com (Update)
Im Gespräch mit Golem.de erzählt Philip J. Kaplan von tatsächlich erfolgreichen Web-Unternehmern, natürlich gutem Timing sowie kratzenden Hosen.
Golem.de: Hi Phil, nett mit Dir zu sprechen. Wie geht's denn so?
Philip Kaplan: Ich habe seit Tagen nicht gebadet oder saubere Klamotten getragen. Meine Hosen kratzen und ich glaube, ich entwickele Fußpilz. Ich muss blinzeln, um meinen Monitor sehen zu können und außerdem kriege ich Pickel auf der Stirn. Aber ansonsten: super!
Golem.de: Diesen Monat kam endlich Dein lang erwartetes Buch "F'D Companies" auf den Markt. Kannst Du uns in drei einfachen, aber verständlichen Sätzen erklären, worum es dabei geht?
Golem.de: Warum hat die Schreiberei so lange gedauert? Wenn man sich das Buch anschaut, fallen einem die große Kinderschrift und die sehr, sehr kleinen Seiten, von denen es ziemlich wenige gibt, auf. Außerdem schreibst Du anscheinend viel von Deiner Website ab.
Kaplan: Das Buch ist Originalmaterial, vielleicht hab' ich einen oder zwei Sätze von Fuckedcompany.com übernommen. In Sachen Größe des Buches: Ich tendierte dazu, prägnant und ziemlich gedrängt zu schreiben. Ich beschreibe nicht viel, ich gehe direkt zu den Fakten (und Beleidigungen). Der Vorteil, hoffe ich, ist eine leichte, spaßige, vergnügliche Lektüre. Außerdem war ich faul.
Kaplan: Schwangere Frauen und Fußfetischisten sollen's kaufen. Ich weiß nicht, ob ich das Buch meinen Enkelkindern geben werde, aber vielleicht verkauf ich's ihnen für 18,- Dollar. [Soviel kostet das Werk im Einzelhandel, Anm. d. Red.]
Golem.de: Es gab Gerüchte über harte Bieterwettkämpfe, wer denn nun Dein Buch veröffentlichen dürfte. Bist Du nun schon Milliardär, mit Deinem Vertrag?
Kaplan: Noch nicht, aber ich arbeite dran.
Golem.de: Denkst Du, dass das Timing der Veröffentlichung von "F'D Companies" richtig ist? Nun sagt ja jeder, die Rezession sei vorbei. Die Leute wollen was Positiveres lesen.
Kaplan: Das ist schon ein sehr positives, spaßiges Buch. Ich greife niemanden an und verteidige die Angestellten, die belogen, ausgenommen, betrogen oder auf eine andere Art von diesen Firmen verarscht wurden. Außerdem ist das Teil ein geschichtliches Werk. Deshalb ist es heute genauso relevant wie in 500 Jahren!
Golem.de: Deine Gegner sagen immer, dass Deine "15 Minutes of Fame" nun langsam vorbei wären. Die dauern aber trotzdem schon ziemlich lange. Wie kam es zu dieser Berühmtheit? Durch die Wunder des Internet?
Kaplan: Gut bemerkt. Die Leute quatschen eigentlich schon seit zwei Jahren [seit Fuckedcompany.com startete, Anm. d. Red.] über meine "15 Minutes". Wie viele Minuten haben denn zwei Jahre? Also glaube ich mal, dass das heißt, dass ich entweder berühmt bin oder auch nicht. Wahrscheinlich das Letztere.
Golem.de: Wann wird Deine Website überflüssig werden – die "Luckedcompanys" die "Fuckedcompanys" endlich überholen?
Kaplan: Ich sage seit den letzten zwei Jahren, dass es alles in zwei Wochen vorbei ist. Ich bin wohl schlecht in solchen Vorhersagen.
Golem.de: Ist die Krise nun wirklich zu Ende, der Exzess endlich abgebaut? Oder geht's gleich in die nächste Rezession?
Kaplan: Glücklicherweise wird es immer "fucked companies" geben – für den Rest der Geschichte.
Golem.de: Du hast inzwischen auch diverse Fans in anderen Ländern, in Deutschland und sonst wo. Wie wär's mit einer Europatournee?
Kaplan: Da hätte ich Lust drauf! Mein Verlag Simon & Schuster zahlt diese Rechnungen, die Jungs sind ziemlich billige Typen.
Golem.de: Es gibt Fuckedcompany-Klone in der ganzen Welt. Wäre es nicht eine gute Idee gewesen, aus den "Dot-Com"-Todesseiten ein Franchise-Unternehmen zu machen?
Kaplan: Von den Klones habe ich noch gar nichts gehört. Ich kümmere mich mit meiner Site aber manchmal auch um Firmen in anderen Ecken der Erde, bleibe aber meistens thematisch in den USA.
Golem.de: Welche neuen Projekte stehen denn noch so an?
Kaplan: Ich implementiere gerade ein neues System, bei dem Firmen immer dann eine E-Mail bekommen, wenn Fuckedcompany einen Tipp (ein Gerücht) über sie bekommt. Das braucht jeder Laden auf der ganzen Welt. Ich mache das auch ganz billig, wahrscheinlich unter 20,- Dollar pro Monat.
Golem.de: Während die Hoffnungslosigkeit der "Dot-Com"-Firmen von nur noch mehr Hoffnungslosigkeit abgelöst wird, ist das Internet populärer denn je. Ist das nicht eine Ironie?
Kaplan: Ja.
Golem.de: Was sagst Du Journalisten, die nun schwitzend nach erfolgreichen Technologie-Unternehmern suchen, um wieder mehr Positives zu berichten?
Kaplan: Ich bin mir sicher, dass es Tausende von Leuten gibt, die online Geld verdienen – vor allem Ein-Mann-Firmen, wie Fuckedcompany. Irgendein Typ, der Kontaktlinsen über eine Storefront bei Yahoo vertickt, eine Frau, die ein paar Tausender pro Woche mit dem Web-Absatz von Schmuck macht... Das sind die echten Geschichten, nicht dieser 100-Millionen-Dollar-Risikokapital-Müll.
Golem.de: Ist der ganze Negativismus, den wir jetzt in Bezug auf das Internet sehen, nicht der gleiche idiotische Hype, wie es der überzogene Positivismus der "New Economy" war?
Kaplan: Also ich war eigentlich schon immer idiotisch. Also haben sich die Dinge nicht wirklich verändert...
Golem.de: Als Rausschmeißerfrage, die viele Fans sicher interessiert: Hast Du nun endlich mehr Erfolg bei Frauen, seitdem es das Buch gibt?
Kaplan: Daran arbeite ich noch... Das erzähl' ich Dir, wenn die Promotiontour vorbei ist (lacht).
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