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Test: PalmOS-Smartphone Handspring Treo mit Mini-Tastatur

Treo 180 mit monochromem Touchscreen, Mini-Tastatur und 16 MByte RAM. Seit kurzer Zeit bietet Handspring die PalmOS-Smartphones Treo 180 und 180g über seinen Online-Shop und bei den Elektronikmärkten Media Markt und Saturn an. Zumindest in den Elektronikmärkten bekommt man das Gerät auch mit einem Mobilfunkvertrag. Der bislang einzig bekannte Kooperationspartner Viag Interkom hat den Treo hingegen noch nicht ins Angebot gehievt. Jetzt trudelte mit dem Treo 180 ein Testgerät mit Mini-Tastatur statt einem für PalmOS-Geräte üblichen Graffiti-Feld in die Redaktion ein und musste seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Besonderes Augenmerk richteten wir auf die Einbindung der Tastatur in das PalmOS sowie die Verknüpfung der PDA-Funktionen mit den Handy-Möglichkeiten.
/ Ingo Pakalski
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Der Treo 180 ist eine Mischung aus PDA und Handy, der PalmOS 3.5.H4.0 verwendet, von einem 33-MHz-Dragonball-Prozessor angetrieben wird, großzügige 16 MByte Speicher besitzt und in den Mobilfunknetzen 900 MHz und 1.800 MHz arbeitet. Über ein kostenlos für den Juni angekündigtes Update soll auch ein Betrieb im GPRS-Netz möglich sein. Der drahtlose Datenaustausch geschieht über Infrarot; Bluetooth beherrscht der Treo noch nicht. Hält man das kompakte Smartphone in der Hand, fallen die recht geringen Ausmaße (11 x 6,9 x 1,8 cm) für diesen Gerätetyp positiv auf. Andere Smartphones nehmen hier deutlich mehr Platz ein. Zwar ist der Treo deutlich größer als moderne Mittelklasse-Handys, passt aber dennoch recht bequem in die Hosen- oder Sackotasche und wiegt dabei nur 153 Gramm.

Wenn das Smartphone nicht verwendet wird, schützt ein Klappdeckel mit Sichtfenster den Bildschirm vor Beschädigungen. Das Sichtfenster ermöglicht den Blick auf das komplette Display, so dass man etwa eingehende Anrufe auch bei geschlossenem Gerät erkennt. Zum Einschalten des Treo stehen zwei Möglichkeiten parat: Entweder man klappt den Deckel auf, was einem den Zugang zu Bildschirm und Tastatur gewährt, oder man drückt vor dem Öffnen eine der vier Hardware-Knöpfe respektive den Einschaltknopf. Durch Letzteres schaltet sich das Gerät mit der zuletzt verwendeten Applikation ein, während beim Einschalten durch Öffnen des Deckels immer die Telefon-Applikation gestartet wird. Über die vier Hardware-Knöpfe werden in der Standardkonfiguration gezielt der Browser, die SMS-Software, der Terminkalender oder die Telefon-Applikation gestartet. Palm-Kenner merken schnell, dass Handspring die vier Hardware-Knöpfe von PalmOS anders belegte, um den Telefonfunktionen Rechnung zu tragen.

Mit dem Treo 180 will Handspring vornehmlich Kunden ansprechen, die mit PalmOS bislang nicht in Berührung kamen und mit einem ungewohnten Graffiti-Feld nicht abgeschreckt werden sollen. Bis man das Gerät effektiv bedienen kann, muss man aber auch mit der Tastatur üben, was jedoch leichter fällt als das Erlernen der Graffiti-Bedienung. Mag man sich als eingefleischter PalmOS-Anwender kaum vorstellen, dass diese Tastatur einem Graffiti-Feld gewachsen sein kann, wird man schon während der Einarbeitungszeit eines Besseren belehrt: Die Handspring-Ingenieure haben Tastatur und PalmOS so effektiv verzahnt, dass man auf das Zücken des soliden Metallstifts meist verzichten kann.

Die Mini-Tastatur mit QWERTZ-Layout besitzt keine Umlauttasten, so dass die Buchstaben 'ä', 'ö', 'ü' und 'ß' über eine Zusatztaste ausgewählt werden müssen. Will man ein 'ä' eingeben, tippt man ein 'a', gefolgt von der Alt-Taste, woraufhin ein Kontextmenü mit Sonderzeichen erscheint. In diesem Menü ist der Buchstabe 'ä' vorgewählt, so dass man diesen leicht mit einem beherzten Druck auf die Leer- oder Return-Taste auswählen kann, was damit leichter fällt als man zunächst meinen möchte. Analog dazu verfährt man bei den übrigen Umlauten, wobei man über die Alt-Taste auch Sonderzeichen aus anderen Sprachkreisen erreicht.

Bei der Groß- und Kleinschreibung erweist es sich als große und notwendige Hilfe, dass es genügt, die Umschalttaste einmal niederzudrücken und dann den gewünschten Großbuchstaben zu tippen. Nach Eingabe des Großbuchstabens deaktiviert sich die Umschalttaste wieder selbsttätig. Man braucht die Umschalttaste also nicht niedergedrückt zu halten. Durch zweifaches Betätigen der Umschalttaste bleibt das Gerät im Großschreibmodus, bis die Taste diesen wieder deaktiviert. Auch wenn die Tastatur nur sehr kleine Tasten aufweist, kann man damit gut schreiben, vorausgesetzt, die eigenen Finger sind nicht zu groß. Wer an dem Gerät Interesse hat, sollte in jedem Fall die Tauglichkeit der Tastatur für die eigenen Bedürfnisse - also Finger - vor dem Kauf prüfen. Schade, dass sich Handspring beim Treo für nach oben gewölbte Tasten entschieden hat, weil diese dann nicht mit dem Stift getippt werden können. Hier wären Tasten mit einer Einbuchtung nach innen ratsamer gewesen. Auch wenn die Tastatur die Texteingabe stark erleichtert, bleibt doch festzustellen, dass man damit auch nicht schneller schreibt als etwa mit einem Handy, das mit der Texterkennung T9 ausgestattet ist, wie ein Vergleichstest ergeben hat.

Die Einbindung der Tastatur in das PalmOS absolvierte Handspring zum Großteil vorbildlich. Eine blaue Optionstaste gewährt dabei Zugang zu speziellen PalmOS-Funktionen, aber auch anderen netten Erleichterungen, weswegen viele Tasten doppelt belegt sind. Eine eigene Taste ruft in jedem Palm-Programm das entsprechende Menü auf, in dem man sich mit den Hoch-Runter-Tasten oder dem Jog-Dial bewegt und den gewünschten Befehl ausführt. Das Aktivieren von ausgewählten Elementen übernimmt meist die Return- oder Leertaste, aber auch ein Druck auf das Jog-Dial führt zum gewünschten Ergebnis. Ohnehin empfiehlt es sich, starken Gebrauch vom Jog-Dial-Knopf zu machen, will man weitestgehend auf eine Stiftbedienung verzichten. Auch wenn das Jog-Dial nicht ganz so intelligent in das PalmOS eingebunden ist, wie etwa beim vorbildlichen HandEra 330 , bleibt die Taste doch ein wichtiges und nützliches Werkzeug.

Auch die häufig in Dialogboxen anzutreffenden Knöpfe "Fertig" und "Abbrechen" können mit Hilfe der Optionstaste betätigt werden. Bei der Textnavigation werden die beiden Hoch-Runter-Tasten mit der Optionstaste zu Links-Rechts-Tasten, so dass der Textcursor ohne Stift bequem in alle Richtungen bewegt werden kann. Außerdem lassen sich Menükürzel und Text-Shortcuts direkt über die Tastatur eingeben, was eine effektive und schnelle Arbeit mit dem Gerät ermöglicht.

Etwas verwundert stellt man fest, dass die Komma-Taste nur zusammen mit der blauen Optionstaste erreicht werden kann, was etwas Gewöhnung bedarf. Durch den geringen Platz auf dem Gerät wurde das Tastenlayout so eng zusammengerückt, dass sich die Backspace-Taste unterhalb der 'p'-Taste befindet. Auch hier braucht es viel Übung, bis man nicht mehr ständig 'p' tippt, wenn man ein Zeichen löschen will. Als Kritikpunkt bleibt zu vermerken, dass Handspring keine Möglichkeit bietet, mit der Tastatur zwischen verschiedenen PalmOS-Rubriken eines Programms zu wechseln, was für die komplette und intelligente Bedienung eines PalmOS-Geräts unabdingbar wäre. In solchen Fällen muss man daher dann zum Stift greifen.

Für das eigentliche Telefonieren bietet der Treo drei verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann man sich das Smartphone bei geöffnetem Deckel ans Ohr halten, was sogar erträglich ist, weil das leichte Gerät gut in der Hand liegt. Da der Treo keinen Knopf zum Aufklappen des Deckels besitzt, benötigt man meist beide Hände zum Öffnen der Treo-Klappe, was einen eingehenden Anruf automatisch entgegen nimmt. Nach einiger Übung und mit einigem Geschick bekommt man es aber irgendwann hin, den Treo auch einhändig zu öffnen. Das Drücken der "Hoch-Taste" vor dem Öffnen der Klappe weist den Anrufer ab. Zum Beenden eines Anrufs und zum Ausschalten des Geräts genügt es, den Treo zu schließen. Zudem beherrscht der Treo eine Freisprechoption, bei der das geöffnete Gerät etwa auf einen Tisch oder aber auch auf das Armaturenbrett eines PKWs gelegt werden kann, um bequem freihändig und verständlich zu telefonieren. Will man vermeiden, dass andere Ohren die Gespräche mithören, kommt das mitgelieferte Headset zum Einsatz, das über die Headset-Buchse angeschlossen wird. Bei der Verwendung des Headsets vermissten wir eine fehlende Sprachanwahl, was heutzutage jedes Mittelklasse-Handy beherrscht. Trägt man also den Treo in der Tasche und hat das Headset im Ohr, lassen sich Anrufe entgegennehmen, es fehlt aber die Möglichkeit jemanden anzurufen, ohne das Gerät dafür in die Hand zu nehmen.

Eingehende Anrufe signalisiert der Treo entweder durch Klingeltöne oder einen eingebauten Vibrationsalarm. Zwischen diesen beiden Betriebsmodi wechselt bequem ein Schiebeschalter am Gerät. Leider kennt der Treo nur zwei verschiedene Lautstärke-Einstellungen bei den Klingeltönen, was für diese Preisklasse ungenügend ist. Bei allen eingehenden Anrufen schaltet sich zudem die Display-Beleuchtung ein, damit ein Anrufer auch in dunkler Umgebung erkannt werden kann. Außerdem macht der Treo so lautlos auf Anrufe aufmerksam, wenn weder Vibrationsalarm noch Klingeltöne aktiviert sind. Begeistern die Klingeltöne mit nur zwei Lautstärkestufen schon nicht, enttäuscht der Vibrationsalarm vollends: Den viel zu schwachen Vibrationsalarm bemerkt man bei eingehenden Anrufen so gut wie nie, selbst wenn man das Gerät direkt am Körper trägt. Dafür tönt die Vibration so laut, dass man diese in ruhiger Umgebung laut und vernehmlich hört, was nicht der Sinn eines Vibrationsalarms ist.

Zum Anmelden im Handy-Netz verwendet man den Ein-Aus-Schalter, der damit dreifach belegt ist: Ein einfacher Druck schaltet den PDA ein oder aus, während der Knopf für die An- oder Abmeldung in ein GSM-Netz länger gedrückt werden muss. Betätigt man den Knopf zweimal schnell hintereinander, schaltet dies die Hintergrundbeleuchtung des Displays um. Letzteres erfordert immer wieder sehr viel Geschick und geht auch nach viel Übung alles andere als leicht von der Hand, so dass das manuelle Zuschalten der Beleuchtung schnell zum Geduldsspiel wird. Eine LED signalisiert durch ein grünes Blinken, dass Kontakt zu einem Funknetz besteht. Befindet man sich gerade in einem Funkloch, blinkt die LED rot. Mit gleicher Farbe und schnellerem Takt leuchtet die LED, wenn sich die Akkukapazität dem Ende neigt.

Durch den Treo ist Palm nun nicht mehr der einzige Hersteller, der in seinen Geräten ein kleineres Display verbaut. Auch Handspring verwendet im Treo ein Display mit 16 Graustufen und einer Auflösung von 160 x 160 Bildpunkten, das von der Größe dem der m100er-Reihe von Palm entspricht. Dennoch bleiben Schrift und Symbole auf dem kontrastreichen Display gut lesbar, auch wenn die Bildschirm-Qualität nicht an hochwertige Displays wie etwa im Visor Edge, Visor Pro oder Palm m500 heranreicht. Die geringen Display-Ausmaße ermöglichten Handspring aber, ein entsprechend kleines Gerät zu bauen. Für das kleine Gehäuse wurde auch die Erweiterungsoption geopfert, so dass die Treo-Geräte keinen von den Visor-Modellen bekannten Springboard-Steckplatz besitzen. Unverständlich bleibt, warum Handspring auch auf die Integration eines anderen, kleineren Erweiterungs-Steckplatzes wie etwa SD-Card oder Memory Stick verzichtet hat.

Die Hintergrundbeleuchtung des Touchscreens erntet die gleichen Kritikpunkte wie auch alle einigermaßen aktuellen Handspring- und Palm-Modelle. Es wird statt des Hintergrunds der Vordergrund beleuchtet, was dazu führt, dass die Beleuchtung bei Dämmerlicht nicht ausreicht. Als Abhilfe dient der kostenlose Palm-Hack BackLight Hack(öffnet im neuen Fenster) , der tatsächlich den Hintergrund ausleuchtet, so dass der Bildschirm auch bei dämmerigem Umgebungslicht gut gelesen werden kann. Unverständlich bleibt, dass die Entwickler vergessen haben, auch die Tasten zu beleuchten, um einen Einsatz bei Dunkelheit zu ermöglichen.

Alle Telefonfunktionen deckt eine von Handspring entwickelte Telefonapplikation ab, über die man Anrufe tätigt, hält, entgegennimmt, Anruflisten verwaltet und Adressen ordnet. In der Telefonapplikation finden sich zahlreiche Optionen zur Festlegung, ob nicht angenommene Anrufe zum Anrufbeantworter oder einer anderen Nummer weitergeleitet werden sollen. Es lässt sich auch bestimmen, ob die eigene Rufnummer bei Anrufen übermittelt wird. Wer sich den Treo mit einem Vertrag von Viag Interkom zulegen will, wird enttäuscht sein, weil der Treo viele spezifische Funktionen von Viag Interkom nicht beherrscht. So funktioniert zwar das Roaming ins D1-Netz, wenn das Netz von Viag Interkom nicht zur Verfügung steht, allerdings schaltet der Treo nicht wieder automatisch in das Netz von Viag Interkom zurück, wenn dies möglich ist. Der Grund liegt darin, dass dies mit einem optionalen GSM-Standard realisiert wird, den Handspring mit dem Treo nicht unterstützt. Kunden von Viag Interkom müssen also bei Bedarf vom D1-Netz immer manuell zurück in das von Viag Interkom wechseln. Als weitere Funktion von Viag Interkom zeigen viele Handys, ob man sich in der speziellen City- oder Genion-Zone befindet, was der Treo leider ebenfalls nicht beherrscht. Das ist besonders bitter, weil ausgerechnet Viag Interkom in Deutschland bislang als einziger Anbieter plant, den Treo mit Mobilfunkvertrag zu verkaufen.

Die als zentrale Steuereinheit dienende Telefon-Applikation besteht aus vier Programmteilen, zwischen denen ein Druck auf die betreffende Taste bequem wechselt. So befinden sich darin ein ganz gewöhnliches Wähl-Interface sowie zehn Schnellwahltasten auf jeweils fünf Tafeln verteilt, so dass insgesamt 50 Schnellwahltasten zur Verfügung stehen, die allesamt auch ohne Stift angesteuert werden können. Ist das Wähl-Interface aktiviert, kann man wahlweise über die großzügig dimensionierten Bildschirmtasten oder den in die Tastatur integrierten Zehnerblock tippen. In das Wähl-Interface lassen sich Telefonnummern vobildlicherweise aus anderen Applikationen heraus kopieren und wählen. Als Weiteres informiert eine Anrufliste über eingehende, ausgehende oder verpasste Telefonate. Als kleiner Haken erweist sich, dass die Anrufliste immer alle Anrufe anzeigt, anstatt praxisnah nur verpasste Anrufe zu listen.

PalmOS-Kenner werden schnell das Adressbuch im Programmstarter des Treo vermissen, das jetzt stark überarbeitet in der Telefon-Software steckt und "Kontakte" heißt. Erscheinen beim normalen PalmOS-Adressbuch alle Namens-Einträge, listen die "Kontakte" alle Namen mit den dazugehörenden Telefonnummern darunter im Direktzugriff, so dass diese bequem gewählt werden können. Die aufgelisteteten Buchstaben B, P und H hinter den Telefonnummern informieren, welcher Anschluss privat oder beruflich genutzt wird und wann es sich um eine Handy-Nummer handelt. Im Unterschied zum bisherigen Adressbuch lassen sich die Einträge nicht nur nach "Nachname, Vorname", sondern auch nach "Vorname, Nachname" sortieren. Dafür verschwand die Sortiermöglichkeit "Firma, Nachname", die das PalmOS-Adressbuch als zweite Variante bot.

Als große Hilfe erweist sich die neue "Initialen-Suche", die einen Kontakt nach Eingabe der Anfangsbuchstaben von Vor- und Nachname findet. Bislang musste der vollständige Name eingegeben werden, bis der richtige Treffer gefunden wurde. Nicht nur wer in seiner Datenbank etwa 17 Müllers besitzt, wird die neue Initialen-Suche schnell zu schätzen lernen. Bedauerlich, dass man aus den Kontakten heraus keine Kurzmitteilungen versenden kann und dafür immer erst zum entsprechenden Programm wechseln muss.

Leider kann die Telefonapplikation ausschließlich auf Telefonnummern in den Kontakten zugreifen, eine Nutzung von Einträgen auf der SIM-Karte beherrscht das Programm nicht. Dazu muss man ein Hilfsprogramm starten, das Einträge nur als Schnellwahltaste in den Treo-Speicher kopiert; ein Export in die Kontakte fehlt. Umgekehrt lässt sich damit der Inhalt der Schnellwahltasten auf der SIM-Karte ablegen. Nur über dieses Tool lassen sich zudem Kurzmitteilungen an Adressaten versenden, die nur auf der SIM-Karte gespeichert sind. Wer neben dem Treo weiterhin ein normales Handy verwenden will, wird darüber kaum glücklich werden, weil das einen Datenaustausch stark erschwert.

Ähnliches gilt auch für den Umgang mit Kurzmitteilungen, was gleichfalls einigen Beschränkungen unterliegt: Es fehlt die Möglichkeit, gezielt auf Kurzmitteilungen zuzugreifen, die auf der SIM-Karte gespeichert sind. Befinden sich auf der SIM-Karte Kurzmitteilungen, verschiebt der Treo diese nach der Anmeldung in ein GSM-Netz in den Speicher des Geräts, so dass alle Kurzmitteilungen von der SIM-Karte gelöscht werden. Es gibt zwar vorher eine Sicherheits-Abfrage, die aber ignoriert wird, wenn man nicht bei jeder Netzwerk-Anmeldung geduldig auf diese wartet und dort auf "Nein" tippt. Der Transfer in den Treo-Speicher lässt sich nicht rückgängig machen, weil der Treo Kurzmitteilungen nicht aus dem Speicher auf eine SIM-Karte übertragen kann. Wer neben dem Treo ein zweites Handy verwenden will, wird auch damit kaum glücklich.

Als einzige "normale" PalmOS-Applikation wird der Terminplaner durch Druck auf die entsprechende Hardware-Taste gestartet. Hierbei handelt es sich - wie bei Handspring-Geräten üblich - um den erweiterten Kalender+, der auf Datebk 3 beruht und im Unterschied zum normalen Kalender einiges mehr an Funktionen beherrscht. Ein Druck auf die Kalendertaste wechselt zwischen den verschiedenen Ansichten des Kalenders (Tages-, Wochen-, Monats-, Jahres- und Listenansicht). Nur die Alarmfunktion vom Kalender+ kann den Vibrationsalarm für Termine im Treo 180 nutzen. Auf einer weiteren Hardware-Taste sitzt der Web-Browser Blazer 2.0, womit sich HTML-Seiten auf dem mobilen Gerät darstellen lassen, wobei sowohl HTTP-Authentifizierung als auch HTTPS für den gesicherten Web-Zugriff unterstützt werden. Damit sollen sich alle Webseiten nach den Standards HTML, WML, xHTML, und cHTML (i-Mode) besuchen lassen, wobei auch das Ablegen von Cookies möglich ist. Für die letzte der vier Hardware-Tasten bleibt die SMS-Applikation reserviert, die eingegangene Kurzmitteilungen speichert und das Schreiben sowie den Versand von Kurzmitteilungen ermöglicht.

Um auch weiterhin einigermaßen bequem auf die üblichen PIM-Anwendungen des PalmOS zugreifen zu können, hatte Handspring eine pfiffige Idee: Durch das Drücken der blauen Optionstaste sind auch die vier Hardware-Knöpfe doppelt belegt. Durch Betätigen der blauen Taste - was nur bei geöffnetem Deckel möglich ist - starten die vier Hardware-Tasten die Merkzettel, die Aufgabenverwaltung, das Zeitzonen-Programm und den wissenschaftlichen Taschenrechner. Bei der Möglichkeit, die Tastenbelegungen umzubelegen, ging Handspring hingegen halbherzig ans Werk: Die oberste Tastenebene mit den Telefonie-Programmen lässt sich zwar nach Belieben verändern, aber die zweite Ebene mit den PIM-Programmen und dem Taschenrechner kann nicht in den PalmOS-Einstellungen bearbeitet werden. Allerdings existiert mit Buttons-T(öffnet im neuen Fenster) ein kostenloses Tool, dass von einem Handspring-Mitarbeiter stammt und die genannten Kritikpunkte bereinigt.

Im Innern des Treo werkelt ein Lithium-Ionen-Akku, was einen weiteren Kritikpunkt des Treo beschreibt: Der Akku kann nicht ausgewechselt werden. Wer also bisher für sein Handy gerne einen Ersatz-Akku im Gepäck hatte, muss mit dem Treo auf solche Reserven verzichten. Wenn der Akku fernab einer Steckdose leer gesaugt ist, kann man weder Telefonieren noch Termine oder Adressen nachschlagen. Immerhin hat Handspring beim Treo aus den Fehlern bei den PDAs gelernt, so dass der Neuling jetzt direkt mit dem Ladegerät verbunden werden kann. Warum dem Gerät aber zum Anschluss an den PC statt einer Dockingstation nur noch ein einfaches USB-Kabel beiliegt, bleibt mysteriös.

Handspring selbst gibt für den Treo Akku-Laufzeiten an, die in der Praxis kaum eingehalten werden können. So heißt es von Handspring, dass das Gerät im Stand-by-Modus 120 Stunden durchhalten würde und 3 Stunden Dauergespräch möglich seien. Ohne auch nur ein Telefonat zu führen oder den PDA länger als zwei Minuten im Betrieb zu haben, hielt der Akku im Stand-by-Betrieb nur 84 Stunden. Sobald man den PDA aber gelegentlich verwendete und auch ein paar Telefonate von wenigen Minuten Länge führte, verringerte sich die Bereitschaftszeit auf unter 70 Stunden. Das bedeutet, dass das Gerät je nach Telefonhäufigkeit alle ein bis zwei Tage aufgeladen werden muss. Aus Eigeninteresse sollte man zudem darauf achten, den Akku nicht zu leer werden zu lassen, weil sonst keine Telefonate mehr möglich sind. Sehr ärgerlich: Bei einem Telefonat mit fast leerem Akku vernahm man vom Treo als einzige Warnung drei kurze Pieptöne, woraufhin das Telefonat sofort beendet wurde und sich das Gerät ausschaltete.

Mit insgesamt sechs freiliegenden Tasten am Gerät wünschte man sich, dass Handspring dem Treo eine Tastensperre spendiert hätte, um ein unbeabsichtigtes Einschalten des Geräts zu verhindern. Wer den Treo etwa in einer Jeans-Hosentasche transportiert, wird eine Tastensperre besonders vermissen, weil man dann leicht an den Aus-Schalter gelangt. Hält man diesen dann zu lange gedrückt, geht die Netzverbindung unbemerkt verloren.

Zum Lieferumfang des Treo gehören ein Lade-Netzteil, ein USB-Kabel zum Anschluss an den PC oder Mac, ein gedrucktes Handbuch und eine Schnellstart-Doku sowie die Software-CD mit dem Palm Desktop 4. Bei der Installation von der CD lässt sich auf Wunsch das mitgelieferte E-Mail-Programm OneTouch Mail installieren, das aber nur in englischer Sprache vorliegt, jedoch umfangreicher ist als das normale Mail-Programm. Zudem werden bei der Installation alle Verbindungseinstellungen abhängig vom gewählten Netzbetreiber gewählt, so dass keine umständliche Konfiguration auf dem PDA anfällt. Die gedruckte Kurzanleitung führt zwar in die nötigsten Arbeitsschritte ein, verrät aber relativ wenig über die Termin- und Adressverwaltung. Leider werden darin auch viele Hinweise zur effektiven Bedienung besonders zur Tastatur nicht erwähnt, so dass ein Blick in die PDF-Doku unabdingbar ist. Ein umfangreicheres gedrucktes Handbuch hätte dem Produkt gut zu Gesicht gestanden.

Der Treo ist derzeit über den Online-Shop von Handspring(öffnet im neuen Fenster) erhältlich und kostet dort ohne Mobilfunkvertrag 810,84 Euro. Außerdem führen die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn das Gerät, allerdings häufig ebenfalls ohne Mobilfunkvertrag. Media Markt in Berlin verkauft den Treo für 699,- Euro ohne Vertrag. Einige Filialen von Media Markt und Saturn sollen den Treo schon mit Mobilfunkvertrag zum Preis von 549,- Euro anbieten. Ab wann und zu welchem Preis der Treo regulär auch bei Viag Interkom mit Kartenvertrag erhältlich sein wird, steht noch nicht fest. Im Juni will Handspring ein kostenloses Update für den Treo anbieten, das dem Gerät GPRS beibringt.

Fazit:
Mit dem Treo 180 bringt Handspring ein durchdachtes Smartphone auf den Markt, dass die Bereiche PDA und Handy vorbildlich miteinander kombiniert. Besonderes Lob gebührt den Entwicklern für den gelungenen Einsatz der Tastatur statt des sonst üblichen Graffiti-Feldes, was selbst eingefleischten PalmOS-Anwendern nach einiger Übungszeit leicht von der Hand geht und das Graffiti-Feld nicht vermissen lässt. Auch die Telefonfunktionen, die für Handspring Neuland sind, können überzeugen, bedürfen aber hier und da der Nachbesserung. Erstmals setzt Handspring in einem Gerät einen Flash-ROM-Baustein ein, so dass sich Updates ohne Probleme einspielen lassen.

Ein Kritikpunkt betrifft den untauglichen Vibrationsalarm, der viel zu laut und dennoch zu sachte agiert. Auch das Fehlen einer dringend benötigten Sprachanwahl kann in dieser Preisklasse nur Verwunderung ernten, da dies heutzutage schon jedes Mittelklasse-Handy beherrscht und für den sinnvollen Einsatz des Headsets unabdingbar ist. Zwar hat Handspring endlich den häufig geäußerten Kritikpunkt beherzigt, die Netzteile direkt an das mobile Gerät anschließen zu können, bietet dafür aber nur einen fest eingebauten Akku. Wer bei leerem Akku keinen Zugang zu einer Steckdose hat, muss also nicht nur auf PDA-Funktionen verzichten, sondern kann auch keine Telefonate mehr führen und für andere nicht mehr erreichbar sein. Unverständnis rufen auch die unbeleuchteten Tasten hervor, die eine Verwendung in dunkler Umgebung unmöglich machen. Unverständlicherweise kann der Treo nicht als Modem im Zusammenspiel mit einem Laptop oder PC genutzt werden, was besonders für die Hauptzielgruppe - Unternehmenskunden - Grund für einen Nichtkauf sein kann.

Bedauerlich und unzeitgemäß zugleich erscheint die Entscheidung, dem Treo keinerlei Erweiterungssteckplatz zu spendieren, so dass vorerst kaum Erweiterungsmöglichkeiten erhältlich sind. Denn auch der USB-Anschluss wurde verändert, so dass Zubehör, das über diese Schnittstelle angeschlossen wird, vorerst nicht für die Treo-Reihe erhältlich ist. Trotz der Kritikpunkte muss man anerkennen, dass Handspring mit dem Treo sein erstes Gerät mit Handy-Funktionen auf den Markt gebracht hat und diese Aufgabe recht gut gemeistert hat. Wer sich mit den geäußerten Kritikpunkten arrangieren kann, erhält ein durchdachtes Smartphone, das durch seine geringe Größe besticht.


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