Test: PalmOS-Smartphone Handspring Treo mit Mini-Tastatur

Wenn das Smartphone nicht verwendet wird, schützt ein Klappdeckel mit Sichtfenster den Bildschirm vor Beschädigungen. Das Sichtfenster ermöglicht den Blick auf das komplette Display, so dass man etwa eingehende Anrufe auch bei geschlossenem Gerät erkennt. Zum Einschalten des Treo stehen zwei Möglichkeiten parat: Entweder man klappt den Deckel auf, was einem den Zugang zu Bildschirm und Tastatur gewährt, oder man drückt vor dem Öffnen eine der vier Hardware-Knöpfe respektive den Einschaltknopf. Durch Letzteres schaltet sich das Gerät mit der zuletzt verwendeten Applikation ein, während beim Einschalten durch Öffnen des Deckels immer die Telefon-Applikation gestartet wird. Über die vier Hardware-Knöpfe werden in der Standardkonfiguration gezielt der Browser, die SMS-Software, der Terminkalender oder die Telefon-Applikation gestartet. Palm-Kenner merken schnell, dass Handspring die vier Hardware-Knöpfe von PalmOS anders belegte, um den Telefonfunktionen Rechnung zu tragen.
Mit dem Treo 180 will Handspring vornehmlich Kunden ansprechen, die mit PalmOS bislang nicht in Berührung kamen und mit einem ungewohnten Graffiti-Feld nicht abgeschreckt werden sollen. Bis man das Gerät effektiv bedienen kann, muss man aber auch mit der Tastatur üben, was jedoch leichter fällt als das Erlernen der Graffiti-Bedienung. Mag man sich als eingefleischter PalmOS-Anwender kaum vorstellen, dass diese Tastatur einem Graffiti-Feld gewachsen sein kann, wird man schon während der Einarbeitungszeit eines Besseren belehrt: Die Handspring-Ingenieure haben Tastatur und PalmOS so effektiv verzahnt, dass man auf das Zücken des soliden Metallstifts meist verzichten kann.
Bei der Groß- und Kleinschreibung erweist es sich als große und notwendige Hilfe, dass es genügt, die Umschalttaste einmal niederzudrücken und dann den gewünschten Großbuchstaben zu tippen. Nach Eingabe des Großbuchstabens deaktiviert sich die Umschalttaste wieder selbsttätig. Man braucht die Umschalttaste also nicht niedergedrückt zu halten. Durch zweifaches Betätigen der Umschalttaste bleibt das Gerät im Großschreibmodus, bis die Taste diesen wieder deaktiviert. Auch wenn die Tastatur nur sehr kleine Tasten aufweist, kann man damit gut schreiben, vorausgesetzt, die eigenen Finger sind nicht zu groß. Wer an dem Gerät Interesse hat, sollte in jedem Fall die Tauglichkeit der Tastatur für die eigenen Bedürfnisse - also Finger - vor dem Kauf prüfen. Schade, dass sich Handspring beim Treo für nach oben gewölbte Tasten entschieden hat, weil diese dann nicht mit dem Stift getippt werden können. Hier wären Tasten mit einer Einbuchtung nach innen ratsamer gewesen. Auch wenn die Tastatur die Texteingabe stark erleichtert, bleibt doch festzustellen, dass man damit auch nicht schneller schreibt als etwa mit einem Handy, das mit der Texterkennung T9 ausgestattet ist, wie ein Vergleichstest ergeben hat.
Auch die häufig in Dialogboxen anzutreffenden Knöpfe "Fertig" und "Abbrechen" können mit Hilfe der Optionstaste betätigt werden. Bei der Textnavigation werden die beiden Hoch-Runter-Tasten mit der Optionstaste zu Links-Rechts-Tasten, so dass der Textcursor ohne Stift bequem in alle Richtungen bewegt werden kann. Außerdem lassen sich Menükürzel und Text-Shortcuts direkt über die Tastatur eingeben, was eine effektive und schnelle Arbeit mit dem Gerät ermöglicht.
Etwas verwundert stellt man fest, dass die Komma-Taste nur zusammen mit der blauen Optionstaste erreicht werden kann, was etwas Gewöhnung bedarf. Durch den geringen Platz auf dem Gerät wurde das Tastenlayout so eng zusammengerückt, dass sich die Backspace-Taste unterhalb der 'p'-Taste befindet. Auch hier braucht es viel Übung, bis man nicht mehr ständig 'p' tippt, wenn man ein Zeichen löschen will. Als Kritikpunkt bleibt zu vermerken, dass Handspring keine Möglichkeit bietet, mit der Tastatur zwischen verschiedenen PalmOS-Rubriken eines Programms zu wechseln, was für die komplette und intelligente Bedienung eines PalmOS-Geräts unabdingbar wäre. In solchen Fällen muss man daher dann zum Stift greifen.
Für das eigentliche Telefonieren bietet der Treo drei verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann man sich das Smartphone bei geöffnetem Deckel ans Ohr halten, was sogar erträglich ist, weil das leichte Gerät gut in der Hand liegt. Da der Treo keinen Knopf zum Aufklappen des Deckels besitzt, benötigt man meist beide Hände zum Öffnen der Treo-Klappe, was einen eingehenden Anruf automatisch entgegen nimmt. Nach einiger Übung und mit einigem Geschick bekommt man es aber irgendwann hin, den Treo auch einhändig zu öffnen. Das Drücken der "Hoch-Taste" vor dem Öffnen der Klappe weist den Anrufer ab. Zum Beenden eines Anrufs und zum Ausschalten des Geräts genügt es, den Treo zu schließen. Zudem beherrscht der Treo eine Freisprechoption, bei der das geöffnete Gerät etwa auf einen Tisch oder aber auch auf das Armaturenbrett eines PKWs gelegt werden kann, um bequem freihändig und verständlich zu telefonieren. Will man vermeiden, dass andere Ohren die Gespräche mithören, kommt das mitgelieferte Headset zum Einsatz, das über die Headset-Buchse angeschlossen wird. Bei der Verwendung des Headsets vermissten wir eine fehlende Sprachanwahl, was heutzutage jedes Mittelklasse-Handy beherrscht. Trägt man also den Treo in der Tasche und hat das Headset im Ohr, lassen sich Anrufe entgegennehmen, es fehlt aber die Möglichkeit jemanden anzurufen, ohne das Gerät dafür in die Hand zu nehmen.
Zum Anmelden im Handy-Netz verwendet man den Ein-Aus-Schalter, der damit dreifach belegt ist: Ein einfacher Druck schaltet den PDA ein oder aus, während der Knopf für die An- oder Abmeldung in ein GSM-Netz länger gedrückt werden muss. Betätigt man den Knopf zweimal schnell hintereinander, schaltet dies die Hintergrundbeleuchtung des Displays um. Letzteres erfordert immer wieder sehr viel Geschick und geht auch nach viel Übung alles andere als leicht von der Hand, so dass das manuelle Zuschalten der Beleuchtung schnell zum Geduldsspiel wird. Eine LED signalisiert durch ein grünes Blinken, dass Kontakt zu einem Funknetz besteht. Befindet man sich gerade in einem Funkloch, blinkt die LED rot. Mit gleicher Farbe und schnellerem Takt leuchtet die LED, wenn sich die Akkukapazität dem Ende neigt.
Durch den Treo ist Palm nun nicht mehr der einzige Hersteller, der in seinen Geräten ein kleineres Display verbaut. Auch Handspring verwendet im Treo ein Display mit 16 Graustufen und einer Auflösung von 160 x 160 Bildpunkten, das von der Größe dem der m100er-Reihe von Palm entspricht. Dennoch bleiben Schrift und Symbole auf dem kontrastreichen Display gut lesbar, auch wenn die Bildschirm-Qualität nicht an hochwertige Displays wie etwa im Visor Edge, Visor Pro oder Palm m500 heranreicht. Die geringen Display-Ausmaße ermöglichten Handspring aber, ein entsprechend kleines Gerät zu bauen. Für das kleine Gehäuse wurde auch die Erweiterungsoption geopfert, so dass die Treo-Geräte keinen von den Visor-Modellen bekannten Springboard-Steckplatz besitzen. Unverständlich bleibt, warum Handspring auch auf die Integration eines anderen, kleineren Erweiterungs-Steckplatzes wie etwa SD-Card oder Memory Stick verzichtet hat.
Die Hintergrundbeleuchtung des Touchscreens erntet die gleichen Kritikpunkte wie auch alle einigermaßen aktuellen Handspring- und Palm-Modelle. Es wird statt des Hintergrunds der Vordergrund beleuchtet, was dazu führt, dass die Beleuchtung bei Dämmerlicht nicht ausreicht. Als Abhilfe dient der kostenlose Palm-Hack BackLight Hack(öffnet im neuen Fenster) , der tatsächlich den Hintergrund ausleuchtet, so dass der Bildschirm auch bei dämmerigem Umgebungslicht gut gelesen werden kann. Unverständlich bleibt, dass die Entwickler vergessen haben, auch die Tasten zu beleuchten, um einen Einsatz bei Dunkelheit zu ermöglichen.
Als große Hilfe erweist sich die neue "Initialen-Suche", die einen Kontakt nach Eingabe der Anfangsbuchstaben von Vor- und Nachname findet. Bislang musste der vollständige Name eingegeben werden, bis der richtige Treffer gefunden wurde. Nicht nur wer in seiner Datenbank etwa 17 Müllers besitzt, wird die neue Initialen-Suche schnell zu schätzen lernen. Bedauerlich, dass man aus den Kontakten heraus keine Kurzmitteilungen versenden kann und dafür immer erst zum entsprechenden Programm wechseln muss.
Ähnliches gilt auch für den Umgang mit Kurzmitteilungen, was gleichfalls einigen Beschränkungen unterliegt: Es fehlt die Möglichkeit, gezielt auf Kurzmitteilungen zuzugreifen, die auf der SIM-Karte gespeichert sind. Befinden sich auf der SIM-Karte Kurzmitteilungen, verschiebt der Treo diese nach der Anmeldung in ein GSM-Netz in den Speicher des Geräts, so dass alle Kurzmitteilungen von der SIM-Karte gelöscht werden. Es gibt zwar vorher eine Sicherheits-Abfrage, die aber ignoriert wird, wenn man nicht bei jeder Netzwerk-Anmeldung geduldig auf diese wartet und dort auf "Nein" tippt. Der Transfer in den Treo-Speicher lässt sich nicht rückgängig machen, weil der Treo Kurzmitteilungen nicht aus dem Speicher auf eine SIM-Karte übertragen kann. Wer neben dem Treo ein zweites Handy verwenden will, wird auch damit kaum glücklich.
Als einzige "normale" PalmOS-Applikation wird der Terminplaner durch Druck auf die entsprechende Hardware-Taste gestartet. Hierbei handelt es sich - wie bei Handspring-Geräten üblich - um den erweiterten Kalender+, der auf Datebk 3 beruht und im Unterschied zum normalen Kalender einiges mehr an Funktionen beherrscht. Ein Druck auf die Kalendertaste wechselt zwischen den verschiedenen Ansichten des Kalenders (Tages-, Wochen-, Monats-, Jahres- und Listenansicht). Nur die Alarmfunktion vom Kalender+ kann den Vibrationsalarm für Termine im Treo 180 nutzen. Auf einer weiteren Hardware-Taste sitzt der Web-Browser Blazer 2.0, womit sich HTML-Seiten auf dem mobilen Gerät darstellen lassen, wobei sowohl HTTP-Authentifizierung als auch HTTPS für den gesicherten Web-Zugriff unterstützt werden. Damit sollen sich alle Webseiten nach den Standards HTML, WML, xHTML, und cHTML (i-Mode) besuchen lassen, wobei auch das Ablegen von Cookies möglich ist. Für die letzte der vier Hardware-Tasten bleibt die SMS-Applikation reserviert, die eingegangene Kurzmitteilungen speichert und das Schreiben sowie den Versand von Kurzmitteilungen ermöglicht.
Um auch weiterhin einigermaßen bequem auf die üblichen PIM-Anwendungen des PalmOS zugreifen zu können, hatte Handspring eine pfiffige Idee: Durch das Drücken der blauen Optionstaste sind auch die vier Hardware-Knöpfe doppelt belegt. Durch Betätigen der blauen Taste - was nur bei geöffnetem Deckel möglich ist - starten die vier Hardware-Tasten die Merkzettel, die Aufgabenverwaltung, das Zeitzonen-Programm und den wissenschaftlichen Taschenrechner. Bei der Möglichkeit, die Tastenbelegungen umzubelegen, ging Handspring hingegen halbherzig ans Werk: Die oberste Tastenebene mit den Telefonie-Programmen lässt sich zwar nach Belieben verändern, aber die zweite Ebene mit den PIM-Programmen und dem Taschenrechner kann nicht in den PalmOS-Einstellungen bearbeitet werden. Allerdings existiert mit Buttons-T(öffnet im neuen Fenster) ein kostenloses Tool, dass von einem Handspring-Mitarbeiter stammt und die genannten Kritikpunkte bereinigt.
Im Innern des Treo werkelt ein Lithium-Ionen-Akku, was einen weiteren Kritikpunkt des Treo beschreibt: Der Akku kann nicht ausgewechselt werden. Wer also bisher für sein Handy gerne einen Ersatz-Akku im Gepäck hatte, muss mit dem Treo auf solche Reserven verzichten. Wenn der Akku fernab einer Steckdose leer gesaugt ist, kann man weder Telefonieren noch Termine oder Adressen nachschlagen. Immerhin hat Handspring beim Treo aus den Fehlern bei den PDAs gelernt, so dass der Neuling jetzt direkt mit dem Ladegerät verbunden werden kann. Warum dem Gerät aber zum Anschluss an den PC statt einer Dockingstation nur noch ein einfaches USB-Kabel beiliegt, bleibt mysteriös.
Mit insgesamt sechs freiliegenden Tasten am Gerät wünschte man sich, dass Handspring dem Treo eine Tastensperre spendiert hätte, um ein unbeabsichtigtes Einschalten des Geräts zu verhindern. Wer den Treo etwa in einer Jeans-Hosentasche transportiert, wird eine Tastensperre besonders vermissen, weil man dann leicht an den Aus-Schalter gelangt. Hält man diesen dann zu lange gedrückt, geht die Netzverbindung unbemerkt verloren.
Zum Lieferumfang des Treo gehören ein Lade-Netzteil, ein USB-Kabel zum Anschluss an den PC oder Mac, ein gedrucktes Handbuch und eine Schnellstart-Doku sowie die Software-CD mit dem Palm Desktop 4. Bei der Installation von der CD lässt sich auf Wunsch das mitgelieferte E-Mail-Programm OneTouch Mail installieren, das aber nur in englischer Sprache vorliegt, jedoch umfangreicher ist als das normale Mail-Programm. Zudem werden bei der Installation alle Verbindungseinstellungen abhängig vom gewählten Netzbetreiber gewählt, so dass keine umständliche Konfiguration auf dem PDA anfällt. Die gedruckte Kurzanleitung führt zwar in die nötigsten Arbeitsschritte ein, verrät aber relativ wenig über die Termin- und Adressverwaltung. Leider werden darin auch viele Hinweise zur effektiven Bedienung besonders zur Tastatur nicht erwähnt, so dass ein Blick in die PDF-Doku unabdingbar ist. Ein umfangreicheres gedrucktes Handbuch hätte dem Produkt gut zu Gesicht gestanden.
Der Treo ist derzeit über den Online-Shop von Handspring(öffnet im neuen Fenster) erhältlich und kostet dort ohne Mobilfunkvertrag 810,84 Euro. Außerdem führen die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn das Gerät, allerdings häufig ebenfalls ohne Mobilfunkvertrag. Media Markt in Berlin verkauft den Treo für 699,- Euro ohne Vertrag. Einige Filialen von Media Markt und Saturn sollen den Treo schon mit Mobilfunkvertrag zum Preis von 549,- Euro anbieten. Ab wann und zu welchem Preis der Treo regulär auch bei Viag Interkom mit Kartenvertrag erhältlich sein wird, steht noch nicht fest. Im Juni will Handspring ein kostenloses Update für den Treo anbieten, das dem Gerät GPRS beibringt.
Fazit:
Mit dem Treo 180 bringt Handspring ein durchdachtes Smartphone auf den Markt, dass die Bereiche PDA und Handy vorbildlich miteinander kombiniert. Besonderes Lob gebührt den Entwicklern für den gelungenen Einsatz der Tastatur statt des sonst üblichen Graffiti-Feldes, was selbst eingefleischten PalmOS-Anwendern nach einiger Übungszeit leicht von der Hand geht und das Graffiti-Feld nicht vermissen lässt. Auch die Telefonfunktionen, die für Handspring Neuland sind, können überzeugen, bedürfen aber hier und da der Nachbesserung. Erstmals setzt Handspring in einem Gerät einen Flash-ROM-Baustein ein, so dass sich Updates ohne Probleme einspielen lassen.
Bedauerlich und unzeitgemäß zugleich erscheint die Entscheidung, dem Treo keinerlei Erweiterungssteckplatz zu spendieren, so dass vorerst kaum Erweiterungsmöglichkeiten erhältlich sind. Denn auch der USB-Anschluss wurde verändert, so dass Zubehör, das über diese Schnittstelle angeschlossen wird, vorerst nicht für die Treo-Reihe erhältlich ist. Trotz der Kritikpunkte muss man anerkennen, dass Handspring mit dem Treo sein erstes Gerät mit Handy-Funktionen auf den Markt gebracht hat und diese Aufgabe recht gut gemeistert hat. Wer sich mit den geäußerten Kritikpunkten arrangieren kann, erhält ein durchdachtes Smartphone, das durch seine geringe Größe besticht.



