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ComRoad korrigiert Umsatz um 98 Prozent nach unten

Nur 1,3 Millionen Euro Umsatz statt der gemeldeten 93,6 Millionen Euro

Der am Neuen Markt notierte Telematik-Anbieter ComRoad hat jetzt einen 232-seitigen Sonderprüfungsbericht vorgelegt, der von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner erstellt wurde. Das Ergebnis erscheint niederschmetternd, denn offenbar wurden die gemeldeten Umsätze zu über 98 Prozent nur vorgetäuscht.

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So wurden von den zum 31. Dezember 2001 ausgewiesenen Umsatzerlösen der Gesellschaft für 2001 in Höhe von insgesamt 93,6 Millionen Euro allein 90,3 Millionen Euro über die Firma VT Electronics Ltd. aus Hongkong abgewickelt. Daneben wurden an die GTTS-Partner 3,2 Millionen Euro direkt in Rechnung gestellt. Die übrigen Umsätze betreffen sonstige Umsätze in Höhe von rund 0,1 Millionen Euro, die in Deutschland erlöst wurden.

Zu diesen Umsätzen hat nun aber die Sonderprüfung ergeben, dass von den mit den GTTS-Partnern ausgewiesenen Umsätzen über insgesamt 93,5 Millionen Euro entsprechende Nachweise für Umsätze in Höhe von 67,1 Millionen Euro nicht erbracht werden konnten. Auf Grund fehlender bzw. nicht nachgewiesener Ansprechpartner konnten Vertragspartner, mit denen Umsatzerlöse über weitere 25,1 Millionen Euro erzielt worden sein sollen, nicht kontaktiert werden.

Damit bleiben von dem gemeldeten Umsatz in Höhe von 93,6 Millionen Euro bestätigte Umsätze mit GTTS-Partnern über 1,3 Millionen Euro über. Dies entspricht 1,4 Prozent der am 15. Januar 2002 in einer Ad-hoc-Mittleilung gemeldeten Umsätze von 93,6 Millionen Euro für 2001.

Recherchen über angebliche Vertragspartner haben ergeben, dass es diese teilweise nicht bzw. im Prüfungszeitraum 2001 nicht mehr gibt, so der Prüfungsbericht. Insbesondere hat die Gesellschaft 2001 96,4 Prozent ihrer angegebenen Umsätze über die VT Electronics Ltd. abgewickelt. Nachweise dahingehend, dass tatsächlich Geschäfte mit dieser Firma in 2001 ausgeführt wurden und dass diese Gesellschaft zu irgendeinem Zeitpunkt existierte, konnten nicht erbracht werden.

"Da hohe Umsatzerlöse weltweit ausgewiesen wurden, bei denen jedoch gleichzeitig keine Gelder geflossen sind, steht zu vermuten, dass Scheinrechnungen erstellt und Eingangsrechnungen fingiert wurden. Diese wurden dann als Umsatz, Wareneinsatz bzw. geleistete Anzahlungen im Jahresabschluss 2001 ausgewiesen", so der Bericht.

Zudem wurden eingegangene Beteiligungen und ausgereichte Darlehen teilweise unter "Außerachtlassung des Vorsichtsprinzips" nicht oder nicht ausreichend besichert. Wegen der ertragsmäßig negativen Entwicklung und der drohenden bzw. eingetretenen Insolvenz einzelner Beteiligungsgesellschaften, an die neben der Kapitalbeteiligung zusätzlich entweder Darlehen ausgereicht wurden oder für die sich die ComRoad AG verbürgt hat, sei auch hier mit hohem Wertberichtigungsbedarf zu rechnen.

Darüber hinaus können sich aus bestehenden Verträgen und eingegangenen Bürgschaften mögliche zukünftige finanzielle Verpflichtungen für die ComRoad AG ergeben, heißt es weiter.

Infolgedessen hat der Aufsichtsrat in seiner Sitzung vom 09. April 2002 beschlossen, dass Frau Schnabel aus wichtigem Grund abberufen wird. Schnabels Ehemann und ehemaliger Vorstandschef von ComRoad, Bodo Schnabel, ist bereits Anfang April wegen Betrugsverdachts verhaftet worden.

Der Aktienkurs von ComRoad fiel am Morgen um gut 40 Prozent und notiert derzeit bei 0,43 Euro. Im Januar lag das Papier noch bei gut 10 Euro, ihren Höchststand hatte die Aktie im Herbst 2000 bei gut 60 Euro.


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