ver.di: Unternehmen spionieren ihre Mitarbeiter aus
Im Interview mit der Fachzeitschrift NetworkWorld Germany sieht er die Ursache dafür zum einen in dem fehlenden Wissen über die gesetzlichen Regelungen zur Arbeitnehmerüberwachung, zum anderen existieren oft nicht einmal entsprechende Richtlinien oder Betriebsvereinbarungen in den Unternehmen. "Es gibt gerechtfertigte Überwachung, aber sie muss strengen Regeln unterliegen" , schränkte der Gewerkschafter ein.
Nur wenn ein konkreter Verdacht besteht, dass ein Mitarbeiter mit Hilfe der Kommunikationseinrichtungen seines Arbeitgebers gegen Gesetze wie etwa den Jugendschutz verstößt, muss ein Unternehmen ihn überwachen dürfen. Man könne die Installation der Kontroll-Tools nicht mit dem Präventionsgedanken rechtfertigen: "Man darf nicht jeden einfach verdächtigen, weil er eine Straftat begehen kann."
Schröders Befürchtung: "Überwachung lässt sich dazu instrumentalisieren, ungeliebte Mitarbeiter loszuwerden" . Besonders in wirtschaftlich schwierigen Situationen müsse man einen Mitarbeiter nur lange genug beobachten, bis man einen Fehler findet, der Maßnahmen gegen ihn rechtfertige. Seiner Meinung nach hilft gegen den gefürchteten Geheimnisverrat auch kein Überwachungs-Tool: "Wer Firmengeheimnisse verraten will, findet auch jenseits von E-Mail und elektronischem Datenverkehr einen Weg dafür."
Auch das Argument der Anbieter von Überwachungssoftware, die Kosten für private E-Mail- und Internet-Nutzung seien zu hoch und könnten mit Kontrolle gedrückt werden, widerlegt Schröder im Interview mit NetworkWorld Germany: Sie lägen heute unter 1,50 Euro im Monat pro Arbeitnehmer. Man solle lieber prüfen, "wie viel ein Unternehmen einspart, wenn seine Mitarbeiter ein paar Einkäufe im Web erledigen oder sich einfach durchs Surfen entspannen" , schlägt der Gewerkschafter vor.
- Anzeige Hier geht es zu Hacking & Security: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.