TV-Bericht: Gehäuft Displayschäden beim Handy 8210 von Nokia
Das Team von Plusminus beauftragte einen unabhängigen Sachverständigen, der 10 neue Nokia-Modelle 8210 einkaufte und diese untersuchte. Das beauftragte Ingenieurbüro Weis zieht ein ernüchterndes Fazit: "Von den 10 Geräten, die Sie geliefert haben, waren 4 in Ordnung, 2 wiesen einen Displayschaden auf, 3 hatten einen Ausfall nach mehrmaligem Gebrauch und 1 war sofort defekt. Aus meiner Sicht dürfte es sich hier um einen Konstruktionsfehler handeln und ich bin erstaunt, dass solche Fehler einer renommierten Firma wie Nokia unterlaufen." So einen Fehler habe er in seiner 25-jährigen Laufbahn bisher nicht erlebt, fügt Konrad Weis hinzu.
Grund für die Ausfälle sei eine zu dünne Oberschale des Handys. Es halte so einem normalen Gebrauch nicht stand. Nokia hätte das Gerät so nicht auf den Markt bringen dürfen, so die Einschätzung des von Plusminus beauftragten Gutachters. Zudem hätte Nokia den konstruktiven Mangel auch nach Markteinführung korrigieren können, indem das Unternehmen eine stabilere Oberschale eingesetzt hätte.
Ein großer Händler äußerte gegenüber Plusminus: "Von 10 verkauften 8210-Geräten kommen 7 vom Kunden wieder zurück auf Grund dieses Displayschadens." Diese hohe Ausfallquote bestätigte auch Torsten Bressmer, der Vertriebsleiter der Firma Pro Systec, die in Deutschland einer der größten Versicherer für Handys ist. Demnach würden 70 Prozent des Nokia 8210 wieder im Service auftauchen, wobei die meisten Fehler Schäden am Display seien.
"Die Kosten belaufen sich derzeitig auf einen fast sechsstelligen Bereich der sich zusammenstellt aus Reparatur, Versand, Porto oder eventuell sogar Totalersatz des Gerätes. Nokia an sich wurde von uns informiert, mit dem Hinweis, dass wir hier außerhalb von einem akzeptablen Bereich stehen. Leider konnten wir von Nokia weder einen Termin bekommen, noch ein Statement erhalten, um das weitere Vorgehen mit diesen Serien zu besprechen" , so Bressmer.
Wie Plusminus ermittelte, repariere Nokia den Fehler meist nicht auf Kulanz. Der ungenannte Händler bestätigte dies gegenüber dem ARD-Magazin. Besonders wenn die Geräte mehrmals mit dem Displayschaden in Reparatur waren, wird häufig behauptet, der Displayschaden sei selbst verursacht oder es sei ein Wasserschaden. "Irgendeine andere Argumentation wird dann gefunden, dass das nicht mehr repariert wird" , berichtet der Händler.
Dem Team von Plusminus lag ein Schreiben vor, was dieses Verhalten bestätigt. Darin weist die Konzern-Spitze seine Servicecenter an, die Garantie schon bei den kleinsten Spuren von Feuchtigkeit abzulehnen. Dabei ist das 8210 gar nicht ausreichend gegen Kondensfeuchtigkeit verkapselt, so der von der ARD beauftragte Gutachter.
Auf Nachfrage von Plusminus hat Nokia eingeräumt, in bestimmten Chargen mangelhafte Bauteile verwendet zu haben. Allerdings streitet Nokia einen generellen Konstruktionsfehler des Modells 8210 ab, erklärt aber erstmals "Nokia sei an einer einvernehmlichen Lösung auffälliger Schadensfälle interessiert."