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Angetestet: Linux-Desktop KDE 3.0

KDE 3.0 Final veröffentlicht. Mit der Veröffentlichung der KDE 3.0 Final macht die freie Desktop-Umgebung für Linux und Unix einmal mehr einen sichtbaren und spürbaren Schritt nach vorn. Auch wenn die aufgefrischte Optik mitunter zunehmend an aktuelle Windows-Versionen erinnert, bietet die neue Version doch einiges an neuen kreativen Ideen, die den alltäglichen Umgang mit dem Desktop vereinfachen. Zudem wartet KDE 3.0 mit einer deutlich verbesserten Performance auf. Wir warfen einen ersten Blick auf das jetzt veröffentlichte Final Release.
/ Jens Ihlenfeld
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Auch wenn die Neuerungen von KDE 3.0 im Vergleich zum letzten großen Versionssprung auf KDE 2.0 eher bescheiden ausfallen, hat die jetzt veröffentlichte Version 3.0 der Desktop-Umgebung für Linux und Unix einiges Neues zu bieten. Der Sprung in der Versionsnummer erklärt sich dabei vor allem aus dem Umstieg auf die neuen Qt-3.0.x-Bibliotheken, auf denen der Desktop aufgebaut ist. Dadurch laufen alte KDE2-Applikationen nicht ohne Neukompilieren unter KDE3.

Hinzu kommen spürbare Performance-Verbesserungen in einigen Bereichen, zahlreiche Bugfixes und auch konkrete Verbesserungen an KDE-Bibliotheken sowie den wichtigsten KDE-Applikationen, darunter sowohl der Web-Browser Konqueror, der E-Mail-Client KMail, das X-Terminal Konsole, der Editor Kate, der Soundserver Arts sowie die Medienwiedergabe Noatun, die PIM-Applikation KOrganizer als auch die PDA-Schnittstelle KPilot und der Fenstermanager KWin.

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Umfangreiche Verbesserungen finden sich unter anderem im Web-Browser und Dateimanager Konqueror. So wurde die Unterstützung für ECMAScript ("JavaScript") runderneuert sowie die DHTML-Kompatibilität drastisch verbessert. Dazu kommen neue Einstellungsmöglichkeiten für animierte GIFs, die nun wahlweise in einer Endlosschleife, einmalig oder gar nicht angezeigt werden können, was nicht nur Ressourcen spart, sondern auch besonders nervige Banner in ihre Schranken verweisen kann. Die neuen "smarten" Javascript-Regeln für "window.open" schaffen Abbilfe bei PopUp-Bannern. Aber auch die Konqueror-Sidebar hat eine Überarbeitung erfahren, unterstützt nun "Actions" und verfügt über einen integrierten Mediaplayer.

Der E-Mail-Client KMail verfügt in der neuen Version 1.4 nun über Unterstützung für das Maildir-Format, das unter anderem Qmail verwendet, SMTP-Authentifizierung, SMTP over SSL/TLS und Pipelining für POP3, was schnellere Downloads über langsame Netzwerke ermöglicht. Auch das Herunterladen der Mail-Header wurde beschleunigt und eine Unterstützung für Verteilerlisten und Aliasse hinzugefügt.

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Darüber hinaus bietet KMail nun die Möglichkeit, Mails direkt auf dem Server zu löschen, eine verbesserte IMAP-Unterstützung, permanentes Header Caching, automatische Konfiguration von POP3, IMAP- und SMTP-Sicherheitsfunktionen und kann die Codierung ausgehender Mails automatisch festlegen. Neu ist zudem die Unterstützung der DIGEST-MD5-Authentifizierung, UTF-7-Unterstützung und erweiterte Status-Reports für verschlüsselte und signierte Mails.

Praktisch gestaltet sich auch eine Neuerung in der Taskleiste Kicker, die mit dem neuen Applet "kpf" einen kleinen Webserver mitbringt. Mit wenigen Klicks lässt sich so ein Verzeichnis im Netz freigeben, so dass – eine Netzverbindung vorausgesetzt – andere mit einem normalen Webbrowser Zugriff auf die so zur Verfügung gestellten Dateien erhalten. So kann jeder am Internet angeschlossene Desktop-PC zum Webserver mutieren, wobei die maximal zur Verfügung gestellte Bandbreite auf einfache Weise beschränkt und innerhalb des Applets beobachtet werden kann. Das KWeather-Applet zeigt zudem aktuelle Wetterinformationen aus der ganzen Welt an.

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Bemerkenswert ist das verbesserte Cut & Paste, das unter anderem nun endlich auch mit Nicht-KDE-Applikationen wie z.B. StarOffice oder Mozilla reibungslos funktioniert.

Die KDE-Bibliotheken verfügen jetzt über eine vollständige Unterstützung von Management-Tools für Sicherheits-Zertifikate und Zertifizierungsstellen (CAs), die als KPart realisiert sind und so auch in Konqueror oder anderen Applikationen integriert werden können. Der Dateidialog wurde um eine URL-Speedbar erweitert, die, ähnlich dem Dateidialog unter Windows 2000, einen schnellen Zugriff auf bestimmte Verzeichnisse erlaubt. Zudem hat man KDirLister mit einem Cache ausgestattet, was sich vor allem beim Zugriff auf FTP-Server positiv bemerkbar macht. Auch lassen sich nun Multi-Key-Shortcuts als Emacs verwenden sowie traditionelle Mac-Tastaturen emulieren. Hinzu gekommen ist darüber hinaus WebDAV-Support sowie eine bessere CUPS-Unterstützung in KDEPrint.

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Die Medienwiedergabe Noatun hat man um einen globalen XML-Import/-Export für Playlisten erweitert und mit einem Winamp Skin Loader versehen. Zudem kommt Noatun nun auch mit Icecast bzw. Shoutcast Streams klar.

Beim X-Terminal Konsole finden sich die Neuerungen vor allem im Detail. So kann Konsole mit den Parametern "--nomenubar", "--noframe", "--noscrollbar" und "-tn foo" gestartet werden, wobei Letzterer die Umgebungsvariable "$TERM" auf den Wert "foo" setzt. Über die Tastenkombinationen "Ctrl-Alt-m" und "Ctrl-Alt-s" kann direkt auf das Menü zugegriffen bzw. die Session umbenannt werden. Zudem lassen sich in einer Session eingegebene Befehle nun duchsuchen, in einer Datei speichern oder löschen.

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Auch lassen sich die verschiedenen Sessions jetzt überwachen sowie Eingaben an alle Sessions schicken, praktisch z.B. beim Cluster-Management. Dazu bringt Konsole auch neue Optionen mit, über die sich z.B. das Verhalten bei Benachrichtigungen beeinflussen lässt. Geändert hat sich auch das Verhalten beim Öffnen einer neuen Session, dies richtet sich nun nach dem letzten gestarteten Sessiontypen. Aber auch die Integration in den Desktop hat man verbessert. So scrollt die Ausgabe beim Versuch, diese zu selektieren, nicht weiter nach unten, die Cursor-Darstellung ändert sich, wenn die Applikation den Fokus verliert, und das KDE-Session-Management öffnet beim Starten des Desktops nun auch alle zuletzt geöffneten Konsole-Sessions wieder.

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Das Paket KDEPIM wartet mit einem neuen API für das Adressbuch auf, das die entsprechenden Applikationen auch nutzen. KOrganizer verfügt über ein Plugin Interface, beherrscht nun auch Gruppen-Kalender und erlaubt es, Kontakte zu Terminen oder Todos zuzuordnen. KPilot, das für die Synchronisation mit PDAs verantwortlich ist, kommt jetzt auch mit USB-Visors klar und verfügt nun über Conduits, die als Plugins realisiert sind.

Neu hinzugekommen ist in KDE 3.0 mit KRegExpEditor ein Editor für reguläre Ausdrücke sowie das Paket KDEEdu, eine Kollektion von Edutainment-Applikationen für KDE. Darunter KEduca, ein Programm, mit dem sich Tests und Fragebögen erstellen lassen, KGeo für interaktive Geometrie, KStars, ein kleines Planetarium für den Desktop sowie der Vokabeltrainer KVocTrain und KTouch, um das Zehn-Finger-System zu erlernen.

KDE 3.0 kann jetzt in der fertigen Version im Quelltext sowie in Form von Binärpaketen für diverse Linux-Distributionen, darunter SuSE, Red Hat, Mandrake, Connectiva, Slackware und Yellow Dog, heruntergeladen werden. Auch eine Version für FreeBSD und Tru64 Unix steht bereit.

Fazit:
KDE 3.0 präsentiert sich sowohl äußerlich als auch im Kern überarbeitet. Die neuen Icons wirken bunter, der Desktop insgesamt etwas aufgeräumter und übersichtlicher. Der Start des Desktops verläuft etwas schneller, was auch für den Start der einzelnen Applikationen gilt. Auch das verbesserte Cut & Paste macht sich deutlich positiv bemerkbar. Dennoch, trotz der zahlreichen Neuerungen stand beim KDE 3.0 vor allem die Modellpflege im Vordergrund, der Umstieg auf Qt 3.0.x gestaltet sich für den Nutzer kaum bemerkbar. So macht KDE 3.0 alles in allem einen runden Eindruck, ohne für viel Aufregung zu sorgen. Die Verbesserungen im Detail machen einen Umstieg aber allemal interessant.


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