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Europäische Satellitennavigation Galileo von EU abgesegnet

EU sucht zur Finanzierung noch nach privaten Investoren. Die EU-Verkehrsminister haben jetzt beschlossen, dass man mit dem europäischen Navigationssystem Galileo dem amerikanischen GPS-System und dem russischen GLONASS Konkurrenz machen will. Der Beschluss der Minister folgt dem vorangegangenen Gipfelbeschluss von Barcelona pro Galileo. Galileo soll in der endgültigen Ausbaustufe aus 30 Satelliten in 23.300 Kilometer Höhe bestehen, die ab 2008 die zivile und militärische Navigation der EU-Staaten unabhängig vom US-amerikanischen GPS machen und zudem wesentlich genauer als das amerikanische Pendant sein soll.
/ Andreas Donath
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Im Landverkehr soll Galileo die Ermittlung und Beeinflussung der Fahrzeiten ermöglichen und – dank automatischer Fahrzeugleitsysteme – auch die Verringerung von Staus und Straßenverkehrsunfällen möglich machen. Beispiele aus den Bereichen des Land-, Luft- und Seeverkehrs werden am häufigsten genannt, doch wird die Satellitennavigation auch von Tag zu Tag mehr in Landwirtschaft und Fischfang, bei der Erdölprospektion, im Bauwesen, im Verteidigungs- und Zivilschutzbereich eingesetzt. In der Telekommunikation soll Galileo in Kombination mit anderen Techniken wie GSM und UMTS weitere Möglichkeiten zur Bereitstellung von Positionsdaten bieten. Auf den Tagungen des Europäischen Rates von Köln, Feira, Nizza, Stockholm und Laeken wurde die strategische Bedeutung von Galileo betont.

Man rechnet im künftigen Hauptsitz der Galileo-Zentrale Brüssel mit rund 3,6 Milliarden Euro an Entwicklungs- und Stationierungskosten. Alleine für die Entwicklung geht man nach Medienberichten von 1,1 Milliarden Euro aus. Zunächst gibt es jedoch nur rund die Hälfte des Betrages (450 Millionen Euro) von der EU, während die ESA und andere europäische Institutionen den Rest beisteuern müssen. Diversen Medienberichten zufolge soll Deutschland alleine 350 Millionen Euro beisteuern. Die restliche Finanzierung von immerhin 2,5 Milliarden Euro sollen nicht Staaten, sondern Unternehmen im Rahmen von Public-Private Partnerships in das Projekt einfließen lassen. Doch die fehlen noch. Das könnte bedeuten, dass die EU erst einmal mit den entsprechenden Mitteln einspringen müsste.

Kritiker nennen das Projekt deshalb auch ein Fass ohne Boden und bezweifeln, dass man wirklich ein von den Amerikanern unabhängiges Navigationssystem benötige, da die zivile Variante von GPS deutlich genauer geworden ist, seit die amerikanischen Militärs die Genauigkeit nicht mehr unangekündigt manipulieren, sondern vielmehr verbessern wollen. Das russische GLONASS ist hingegen technisch veraltet und zu unzuverlässig als Alternative zu GPS. Galileo und GPS sollen interoperabel und zueinander kompatibel sein.

Für eine optimale Ausnutzung der für Galileo zur Verfügung gestellten Frequenzen ist eine gewisse Überlagerung mit dem Frequenzband L1 notwendig, das die USA künftig für ihren militärischen Code benutzen wollen. Die Lösungsvorschläge der Europäer sollen eine solche Überlagerung erlauben, ohne dass es zu unangemessenen Interferenzen mit dem militärischen Signal kommt. Die internationalen Vorschriften erlauben es, Galileo auf denselben Frequenzen zu betreiben wie das militärische GPS, sofern das amerikanische System dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Der Netzbetrieb von Galileo soll später einem Unternehmen übertragen werden. Operativ soll das europäische Satellitennavigationssystem Galileo dann ab 2008 sein. Der Betrieb soll pro Jahr über 200 Millionen Euro verschlingen. Wie beim jetzigen GPS soll den Nutzer auch bei Galileo die Basisnutzung nichts kosten. Lediglich für bislang nicht genau spezifizierte Sonderanwendungen muss gezahlt werden.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat die Entscheidung des Rates der EU-Verkehrsminister zum Start der Entwicklungsphase des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo begrüßt. "Mit der Freigabe der Gemeinschaftsmittel bekennt sich Europa zu diesem strategisch wichtigen Infrastrukturprojekt" , so BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf v. Wartenberg. Die EU sichere damit die Wettbewerbsfähigkeit Europas und mache sich vom militärisch bestimmten GPS-System unabhängig.

Allein in Europa sollen nach einer Studie der Europäischen Union bis zum Jahr 2005 rund 100 Millionen Geräte mit Satellitennavigation ausgestattet sein, zehn Jahre später – 2015 – bereits 260 Millionen. Den gesamtwirtschaftlichen Vorteil allein für die Staaten der EU beziffert die Studie bis zum Jahr 2020 auf kumulativ rund 74 Milliarden Euro.


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