Premiere schließt Lücke in der Programmverschlüsselung
"Damit haben wir die größte Angriffsfläche für Hacker versiegelt" , sagte Dr. Helmut Stein, Technischer Geschäftsführer bei Premiere. Für Zuschauer, die Premiere mit einer manipulierten SmartCard empfingen, blieb der Bildschirm nach der Abschaltung schwarz. Für alle Premiere-Zuschauer mit einer regulären SmartCard war der Empfang nach Senderangaben dadurch nicht unterbrochen.
Bislang hatte der Sender sein komplettes Programmangebot inklusive aller Pay-per-View-Dienste auch als Monitoring-Angebot mit einer einzigen Verschlüsselung ausgestrahlt. Das heißt, mit nur einem entsprechenden Schlüssel konnten alle Kanäle freigeschaltet und gesehen werden. Damit sollte zum einen Betreibern von Kabelnetzen die Signalüberwachung am Übergabepunkt erleichtert werden. Zum anderen bot die Monitoring-Funktion Premiere-Händlern die Möglichkeit, ohne gesonderte Bestellung zu Demonstrationszwecken auf die Near-Video-on-Demand-Angebote zuzugreifen. "Analysen haben gezeigt, dass die Mehrheit aller manipulierten SmartCards mit genau dem Monitoring-Schlüssel beschrieben sind" , so Stein weiter. Die ersatzlose Abschaffung der Monitoring-Funktion sei die logische Folge.
Gleichzeitig kündigt Stein einen weiteren Schritt in der technischen Bekämpfung der Digitalpiraterie an: "Noch in diesem Jahr werden wir ein neues Verschlüsselungssystem einsetzen."
Das neue System betacrypt 2 basiert auf der offenen DVB-Technologie mit neu entwickelter Multisektoren-SmartCard, die neben einer Grundverschlüsselung das separate Verschlüsseln einzelner Programme oder TV-Dienste ermöglicht. Die betacrypt-2-Software wird von Premiere im August via Satellit und Kabel auf die bestehende Boxenpopulation aufgespielt.
Parallel dazu werden die SmartCards der ersten Generation abgeschaltet und durch die neuen Multisektoren-Karten ersetzt. Der vollständige Wechsel des Sicherheitssystems, der einen Kartentausch bei allen knapp 2,5 Millionen Premiere-Abonnenten umfasst, soll bis zum Ende des Jahres 2002 abgeschlossen sein.
Zusätzlich will Premiere auch weiterhin in unregelmäßigen Abständen Schlüsselwechsel durchführen. Die neuen Schlüssel werden dabei jeweils mit dem normalen Sendesignal über Kabel und Satellit in die Haushalte übertragen und auf die regulären SmartCards aufgespielt.
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