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Halo, Dead Or Alive 3 & Co: Die ersten Xbox-Spiele im Test

Dritter Teil der Xbox-Serie. Nachdem wir uns bereits mit der Hardware der Xbox auseinander gesetzt haben, folgt nun der Test der - für den Erfolg einer Konsole letztendlich ausschlaggebenden - Software. Knapp 20 Titel sind bereits erhältlich, einen Teil der interessanteren Neuerscheinungen darunter haben wir einer genaueren Prüfung unterzogen.
/ Thorsten Wiesner
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Das Spektrum der bisher erhältlichen Spiele ist dabei recht breit gefächert, neben dem - wohl mit der größten Spannung erwarteten - Ego-Shooter Halo sind auch Sport- und Rennspiele wie Project Gotham Racing, Plattform-Action wie Batman Vengeance, Party-Titel wie Fuzion Frenzy und Beat'em Ups wie Dead Or Alive 3 erhältlich. Die Tests im Einzelnen:

Halo
Fuzion Frenzy
Project Gotham Racing
Dead Or Alive 3
Batman Vengeance

Halo

Kaum ein anderes Spiel konnte schon etliche Monate vor der Veröffentlichung derart von sich reden machen wie das von Bungie entwickelte Halo. Sensationelle Grafiken und eine starke Gegner-KI sollten die Argumente sein, die dafür sorgen, dass man sich alleine wegen dieses Spiels eine Xbox zulegt - so zumindest die Planung von Microsoft. Die PC-Version des Spiels wurde deswegen zeitlich nach hinten verschoben und wird noch einige Zeit auf sich warten lassen, wer also in die Geheimnisse der Ringwelt eintauchen will, kann dies vorerst nur als Xbox-Besitzer tun.

Wie so oft bei derartigen Fällen, in denen Vorschusslorbeeren mit dem Füllhorn ausgeschüttet werden, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen - Halo revolutioniert das Action-Genre sicherlich nicht, bietet aber einige herausragende Spieleigenschaften. Die Grafik etwa ist phasenweise wirklich spektakulär: Hat man die erste, optisch noch etwas biedere Mission auf dem heimischen Mutterschiff überstanden und ist auf dem Planeten Halo gelandet, auf dem eine Brut von Außerirdischen bekämpft werden muss, kann man sich an Außenlandschaften erfreuen, wie sie bisher kein Actionspiel bieten konnte. Prächtige Gebäude, wunderschön animierte Naturlandschaften wie Wiesen und Gebirgszüge und ein violett-blau schimmernder Himmel lassen eher den Eindruck eines Reiseparadieses als den einer unwirtlichen Kampfgegend entstehen.

Allerdings finden nicht alle Gefechte im Freien statt, einige der Missionen müssen auch in unterirdischen Katakomben oder in Gebäuden absolviert werden, und hier patzt Bungie: Die labyrinthartig gestrickten Gänge sind recht karg, bieten kaum Überraschungen und wirken wie Shooter-Ware von der Stange. Alles andere als von der Stange sind die verschiedenen Fortbewegungsmöglichkeiten: Als Weltenretter und Elite-Soldat ist man nicht nur auf die eigenen Füße angeweisen, sondern kann mehrmals im Spiel auch auf Fahrzeuge wie einen Jeep oder einen Panzer umsteigen.

Die Steuerung der Fahrzeuge ist dabei etwas gewöhnungsbedürftig, gerade der Jeep verlangt doch einiges an Feingefühl, wenn man ihn unfallfrei durch die oft sehr zerklüfteten Areale führen will. Ab und zu darf auch ein Gefechtsturm bestiegen werden, von dem sich die Alienmassen weitaus effektiver als mit den eigenen Waffen bekämpfen lassen.

Während in anderen Shootern der virtuelle Held scheinbar unbegrenzt Platz für Waffen aller Art hat, ist man bei Halo beschränkt - mehr als zwei Gerätschaften kann man nicht mitschleppen. Jedes Mal, wenn man eine neue Waffe aufnehmen will, muss also dafür eine andere abgelegt werden. Zur Auswahl stehen Pistolen, Schrot- und Sturmgewehre, Bazookas und Scharfschützengewehre, außerdem kann man noch Granaten in verschiedenen Ausführungen mit sich tragen. Die Waffen haben unterschiedlichste Auswirkungen, je nach Spielsituation sollte man sich also vorher gut überlegen, welche man mitnimmt.

Das Scharfschützengewehr etwa kommt nur selten zum Einsatz, in diesen Momenten hilft aber auch kaum eine andere Waffe weiter - etwa dann, wenn man einen Bergweg hinauf muss, der von feindlichen Aliens nur so wimmelt. Zwei Zoomstufen und ein Nachtsichtgerät machen die Gegnersuche hierbei weitaus einfacher.

Die Gegner treten zum Teil nicht nur in großen Mengen auf, sondern überzeugen auch durch ihre Intelligenz. Während die kleinen Drohnen - die mit ihrer witzigen Piepsstimme an Gremlins erinnern und teils so süß sind, dass man sie kaum aus dem Weg räumen kann, wenn sie etwa "Nicht schießen" quieken - noch recht einfach zu erledigen sind, bieten die Jäger und die Schakale schon weitaus mehr Widerstand. Nur sehr selten stürzen sich die Aliens planlos auf den Spieler, meist wissen sie jeden Hinterhalt zu nutzen und warten eher Aktionen des Spielers ab.

Die Steuerung ist perfekt auf das Xbox-Pad abgestimmt, etwaige Befürchtungen, ein Shooter ließe sich mit dem Joypad nicht vernünftig bedienen, sind gänzlich ungerechtfertigt. In die recht komplexe Steuerung wird man dabei "spielend" in der ersten Mission eingeführt, langwierige Tutorials sind also glücklicherweise nicht nötig.

Spielstände können nicht jederzeit angelegt werden, sondern nur dann, wenn man Speicherpunkte erreicht. Allerdings sind davon recht viele im Spiel enthalten, auch beim Ableben des Charakters muss man also keine allzu langen Strecken nochmals durchlaufen. Allerdings wird immer nur ein Spielstand angelegt, wer es also vom PC gewöhnt ist, an mehreren verschiedenen Stellen Speicherstände anzulegen, um im Zweifelsfalle an einen bestimmten Punkt noch mal zurückzukehren, muss darauf verzichten.

Auf Grund der vier Schwierigkeitsstufen werden sowohl Anfänger als auch Cracks genügend gefordert. Wer im Nachhinein merkt, dass er den für sich falschen Schwierigkeitsgrad ausgewählt hat, kann diesen bei jedem Neuladen ändern. Weiterhin ist die Storyline positiv hervorzuheben - während bei anderen Shootern die Hintergrundgeschichte nur schmückendes Beiwerk ist, spendierte man Halo eine druckreife Geschichte, die spannende Wendungen bereithält und in Zwischensequenzen aus der Game-Engine sowie in Gesprächen mit Mitgliedern der eigenen Crew erzählt wird. Die deutsche Sprachausgabe gibt dabei keinen Grund zur Klage, die Musikuntermalung ist sogar mehr als nur gelungen - atmosphärischer kann man die faszinierende Ringwelt von Halo kaum untermalen.

Kommentar:
Halo ist - wie schon angesprochen - keine Revolution, dafür ist das Spielprinzip zu dicht an anderen Ego-Shootern orientiert. Aber der Titel ist eines der fesselndsten und spannendsten Action-Spiele überhaupt, dafür sorgen die fantastische Präsentation, die gute Storyline und das abwechslungsreiche Gameplay. Wer eine Xbox hat, sollte auch Halo haben - allein schon deshalb, um Freunden zu zeigen, zu was die neue Hardware fähig ist.

Fuzion Frenzy

Während viele Spiele zwar einen Modus für mehrere Teilnehmer anbieten, im Grunde im Solo-Modus aber weitaus interessanter sind, gibt es auch eine Reihe von Titeln, die das Mehrspielervergnügen deutlich in den Mittelpunkt stellen. Fuzion Frenzy von Blitz Games gehört eindeutig zur letzteren Sorte. In einer bunten Zukunftswelt treten verschiedene Gladiatoren in futuristischen Arenen in unterschiedlichen Arenen gegeneinander an, um unter sich den Meister aller Klassen zu ermitteln.

Allerdings klingt das zunächst weitaus martialischer als es sich spielt, die einzelnen Minispiele sind zumeist ebenso unkompliziert wie harmlos. In verschiedenen Regionen wie der Vorstadt, dem Hafenviertel oder in einem Stadion warten jeweils unterschiedliche Aufgaben auf die Teilnehmer. Mal muss man einen bunten Panzer über eine kleinen Rundkurs steuern, das andere Mal gilt es, Kugeln in der Farbe der eigenen Spielfigur einzusammeln und zu einem Behälter zu tragen oder durch das schnelle und richtige Drücken der Joypad-Tasten eine Melodie zu komponieren. Erschwert wird das Ganze dadurch, dass man den Mitspielern in den meisten Fällen durch kleine Schläge und Tritte an der Erreichung ihres Spielzieles hindern kann.

Kommentar:
Keines der angebotenen Spiele bietet besonders viel Tiefgang, zudem ähneln sich die Aufgaben in den meisten Runden doch recht stark. Alleine wird man also kaum lange Spaß an den Gefechten finden, wer sich allerdings mit bis zu drei menschlichen Mitspielern vor der Xbox versammelt, könnte durchaus Gefallen daran finden, sich in den grafisch wirklich schönen Arenen zu duellieren. Insgesamt gehört Fuzion Frenzy jedoch sicherlich nicht zu den wirklich dringend benötigten Xbox-Spielen, Party-Games auf anderen Konsolen - etwa Nintendos Mario Party - haben gezeigt, dass sich derartige Minispielchen auch weitaus abwechslungsreicher gestalten lassen.

Project Gotham Racing

Natürlich hat es sich auch Microsoft nicht nehmen lassen, zum Launch der eigenen Konsole mit einem Rennspiel aufzuwarten. Glücklicherweise wollte man dem Spieler aber ganz offensichtlich mehr bieten als schlichte Raserei und präsentiert nun mit Project Gotham Racing - das übrigens trotz des Namens keinen Zusammenhang mit Superhelden im Fledermauskostüm hat - ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Rennspiel der Extra-Klasse.

Ähnlich wie bei dem Dreamcast-Titel Metropolis Street Racer geht es in Project Gotham Racing nicht nur um Geschwindigkeit, sondern auch um fahrerisches Können. Wer etwa gekonnte Drifts in den Kurven hinlegt, längere Abschnitte fehlerfrei fährt oder es schafft, den eigenen Wagen vorübergehend auf zwei Rädern zu balancieren, erhält dafür so genannte Kudos, die zum Gewinnen von Wettbewerben und damit verbunden zum Freischalten neuer Wagen und Kurse dringend nötig sind. Aber auch die jeweils geforderten Aufgaben variieren - mal muss ein Rennen gegen die virtuellen Gegner gewonnen werden, dann muss eine Runde in einer bestimmten Zeit absolviert oder eine bestimmte Anzahl von Gegnern unter Zeitdruck überholt werden.

Natürlich sind neben dem Wettbewerbsmodus auch einfache Arcade-Rennen sowie Mehrspieler-Rasereien möglich, die Stadtkurse in Tokio, London, San Francisco und New York bieten nicht nur genügend fahrerische Abwechslung, sondern auch optisch beeindruckende Szenerien. Ähnliches gilt für die brillant glänzenden Fahrzeuge, Auto-Fetischisten werden sich am großzügigen Fuhrpark, der die bekanntesten Modelle solcher Marken wie Porsche, BMW oder Ferrari bereithält, kaum sattsehen können. Die musikalische Untermalung im Stile von Radiosendern ist ebenso gelungen wie die Steuerung, die ein ähnlich hervorragendes Fahrgefühl bietet wie etwa GT3.

Kommentar:
Project Gotham Racing sieht hervorragend aus, spielt sich hervorragend und bietet eine lang anhaltende Motivation - viel besser und abwechslungsreicher kann man eine Rennsimulation kaum gestalten. Die unterschiedlichen Aufgaben und die Relevanz von fahrerischem Können verleihen dem Spiel eine Tiefe, wie sie nur von wenigen anderen Rennsimulationen erreicht wird. Wer Rennspiele mag, muss zugreifen.

Dead Or Alive 3

Die Prügelspielexperten von Tecmo setzen mit Dead Or Alive 3 ihre legendäre Kampfsimulation nun auf der Xbox fort. Und wer das erste Mal einen Blick auf dieses Spiel wirft, dürfte seinen Augen kaum trauen - so gut wie DOA 3 hat bisher noch kein Prügelspiel auf einer Konsole ausgesehen. Wunderbar sanft animierte Charaktere, farbenfrohe und voller kleiner Details steckende Hintergründe sowie voll ins Spiel integrierte Landschaftsmerkmale wie etwa Flüsse oder Baumstämme verwöhnen das Auge und lassen einen die ersten Spielstunden oft staunend vor dem Fernseher verbringen.

Aber auch spielerisch kann DOA3 überzeugen, wenn das Gameplay auch nicht ganz so überwältigend wie die Optik ist. Wer nämlich Dead Or Alive 2 kennt, wird sich doch wahrscheinlich häufiger als ihm lieb ist an diesen Titel erinnert fühlen. Die Charaktere sind teils identisch, und der Großteil der Schlagkombinationen ist ebenfalls bekannt. Andererseits bot DOA 2 bereits derart ausgefeilte Prügel-Action, dass eine weitere Verbesserung ohnehin kaum möglich erschien. Jeder Charakter wartet natürlich mit einer Vielzahl eigener Schlagkombinationen auf, die doch einige Zeit brauchen, bis man sie beherrscht - Anfänger sollten sich auf eine längere Einarbeitungsdauer einstellen, zumal der Schwierigkeitsgrad nicht ohne ist und man mit planlosem Knopfgedrücke nur wenige Runden überstehen wird.

Die unterschiedlichen Spielmodi sind auch aus anderen Spielen dieser Art bekannt, neben einem Survival- und einem Zeitmodus kann man sich außer den Multiplayer-Spielen auch noch einem Story-Modus zuwenden, in dem - ein wenig willkürlich - zwischen den einzelnen Kämpfen mit Szenen aus der Gameengine eine Hintergrundgeschichte erzählt wird.

Kommentar:
Dead Or Alive 3 ist sicherlich kein Blendwerk, aber die fantastische Optik täuscht doch ein wenig darüber hinweg, dass es sich beim Gameplay "nur" um solide Standardware handelt. Ein paar mehr Überraschungen wie Bonus-Level oder ausgefallenere Gegner hätten den Spielspaß noch deutlich steigern können, wer gute Prügel-Action in phänomenaler Präsentation sucht, darf aber unbesorgt zugreifen.

Batman Vengeance

Ubi Soft ist einer der zahlreichen 3rd-Party-Publisher, die bereits zum Launch der Xbox mit einem eigenen Titel aufwarten können. In Batman Vengeance zieht man als Superheld im Fledermauskostüm los, um Gotham City zu retten - und dabei aus den Comics und Kinofilmen bekannte Bösewichter aufs Korn zu nehmen, allen voran natürlich den Joker.

Als Batman läuft, springt und klettert man durch die comicartig-gestalteten Szenerien, von Zeit zu Zeit kann man allerdings auch auf Fahrzeuge wie das Batmobile umsteigen. Feinden rückt man mit Faustschlägen oder dem eigenen Bumerang zu Leibe, die Kamera zeigt das Geschehen dabei zumeist aus einer Rückansicht, von Zeit zu Zeit wird allerdings auch auf Ego-Sicht umgeschaltet. Die Kamera ist allerdings auch der Grund für gelegentliche Frustmomente im Spiel: An einigen kniffligen Sprungpassagen stellt sich die Sicht derart unübersichtlich ein, dass man oft unbeabsichtigt in Abgründe springt.

Einige Überraschungsmomente garantieren Abwechslung und Spielspaß. Die Atmosphäre der Comics wird jedenfalls gut eingefangen. Eine spielerische Tiefe wie etwa Metal Gear Solid erreicht Batman Vengeance so natürlich nicht, aber die Zielgruppe des Spiels sind ohnehin ganz offensichtlich weniger Hardcore-Gamer als vielmehr Comic-Fans aller Altersklassen, die die Vorzüge einer Lizenzumsetzung zu schätzen wissen.

Kommentar:
Wer solide Action sucht und eine Vorliebe für Superhelden hat, wird an Batman Vengeance sicherlich seinen Spaß haben, bei der oft mangelhaften Qualität von Lizenzumsetzungen sticht der Titel zweifellos positiv hervor. Allerdings sollte man auch nicht zu viel erwarten, die technischen Fähigkeiten der Xbox nutzt das Spiel zweifellos nicht aus.


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