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Interview: "Xbox bietet gutes Preis-Leistungs-Verhältnis"

Boris Schneider-Johne zum Preis und zur Ausstattung der Xbox. Die Xbox ist ab sofort auch in Deutschland käuflich zu erwerben, allerdings nach der Meinung vieler Spieler für einen viel zu hohen Preis - 479 Euro erscheint einigen potenziellen Käufern unverhältnismäßig teuer. Golem.de hatte die Gelegenheit, Boris Schneider-Johne, PR Manager PC Games und Xbox bei Microsoft Deutschland, unter anderem zum Verkaufspreis der Konsole zu befragen.
/ Thorsten Wiesner
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Golem.de: Die Xbox ist in den USA mit recht großem Erfolg eingeführt worden, sowohl die Verkaufszahlen der Hardware als auch die der Software waren zum Beispiel denen des beinahe zeitgleich eingeführten Gamecube von Nintendo überlegen. Erwartet man für Europa einen ähnlichen Erfolg?

Schneider-Johne: Ich glaube, dass in diesem Jahr alle drei Systeme erfolgreich sein werden. In den USA würde ich keinesfalls damit angeben wollen, etwas mehr Konsolen als Nintendo verkauft zu haben - der limitierende Faktor für alle Systeme war die Lieferbarkeit. Hätten wir oder Nintendo eine Million Systeme mehr gehabt, hätten wir die auch verkaufen können.

Es gibt allerdings eine Größe, bei der Xbox signifikant besser abschnitt als jedes andere Videospiel vorher, und das ist die Zahl der Softwaretitel, die Kunden gleich beim Start gekauft haben. Normalerweise sind das weniger als zwei Spiele, bei Xbox waren es dreieinhalb, also nahezu doppelt so viele. Das beweist, das Xbox schon zum Start viele exzellente Spiele bietet.

Golem.de: Wie viele Konsolen wird Microsoft zum Launch in Europa ausliefern? Und gibt es eine Zielvorgabe, wie viele Geräte man in den ersten Wochen absetzen will?

Schneider-Johne: Wir werden im Launch, der sich bei uns auch über drei Monate hinzieht, zwischen einer und anderthalb Millionen Konsolen in Europa ausliefern und die wollen wir auch nahezu durchverkaufen.

Golem.de: Der Hauptkritikpunkt an der Xbox, der auch von unseren Lesern im Forum immer wieder lautstark bemängelt wurde, ist der Preis. Welche Argumente sprechen dafür, 479 Euro für eine Konsole auszugeben, wenn Sonys PlayStation 2 oder Nintendos Gamecube für nur etwas mehr als die Hälfte des Xbox-Preises über den Ladentisch gehen?

Schneider-Johne: Wir haben bei der Technik in Xbox keine Kompromisse gemacht, sondern alles eingebaut, wovon Videospiel-Programmierer träumen. Xbox bietet das Äquivalent einer Geforce4-TI-Grafikkarte, die von den Spieleprogrammierern auch voll ausgereizt wird. Xbox hat noch dazu eine Festplatte, einen 733-MHz-Prozessor, ein DVD-Laufwerk, RAM, Ethernet-Port und einen Controller.

Wer diese Komponenten als PC kauft, ist mindestens 800 bis 900 Euro los. Xbox bietet also für die Systemleistung einen sehr günstigen Preis. Auf Videospielen zählen die technischen Daten aber nur wenig. Die Spiele sind es, die mich zu einem System führen. Und der Spielspaß, den unter anderem Halo, Dead or Alive 3, Wreckless, Jet Set Radio Future, Rallisport Challenge und dutzende weiterer Spiele bieten, ist Argument genug für die Investition.

Golem.de: Seltsam erscheint in diesem Zusammenhang vor allem die große Preisdifferenz zu den USA - dort kostet die Xbox 299 Dollar, was im Vergleich zu 479 Euro doch deutlich günstiger ist. Wieso ist die Preisdifferenz hier so groß - der Gamecube etwa kostet in den USA 199 Dollar, hier aber dementsprechend auch nur 249 Euro?

Schneider-Johne: Ich kenne natürlich Nintendos Kalkulationen nicht, aber bis Gamecube war jede Konsole in Europa im direkten Vergleich der Preise wesentlich teurer als in den USA oder Japan. Europa ist eben nicht ein großes homogenes Absatzgebiet, sondern besteht aus vielen kleinen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen, Händlerstrukturen, Garantiebestimmungen, Kundenanforderungen und Steuersätzen. Das Einzige, was in vielen europäischen Ländern gleich ist, ist die Währung, nämlich Euro.

USA-Urlauber kennen das Gefühl: Auch beim heute nicht mehr ganz so attraktiven Dollarkurs sind viele Luxusgüter in den USA, vom Turnschuh bis zum DVD-Player, von der Audio-CD bis zum Benzin fürs Auto, wesentlich preiswerter als in Europa. Xbox hat den Preisunterschied nicht erfunden, er ist einfach eine Markteigenschaft, um die auch Microsoft sich nicht herummogeln kann.

Golem.de: Der Gamecube wird ab Anfang Mai erhältlich sein, damit ist die Troika Sony-Nintendo-Microsoft komplett. Mit welchen Argumenten würdest Du einen potenziellen Käufer, der sich Mitte Mai für eine Konsole entscheiden will, von den Vorzügen der Xbox überzeugen?

Schneider-Johne: Ich würde dem Käufer sagen: "Geh in den Laden und vergleiche. Schau dir Spiele wie Tony Hawk 3 auf allen drei Plattformen an. Vergleiche Rallisport Challenge mit jedem anderen Rallye-Spiel auf den anderen Systemen. Schau dir Halo an. Spiel Jet Set Radio Future. Vergleiche Dead or Alive 3 mit anderen Prügelspielen. Dann entscheide dich." Und wenn er dann noch über den Preisunterschied diskutiert, würde ich sagen: "Xbox hat keine versteckten Mehrkosten. Bei uns musst du den Vier-Spieler-Adapter nicht nachkaufen. Bei uns musst du nicht laufend Memory Cards nachkaufen. Wenn du online spielen willst, sind bei uns nicht nochmal 150 Euro für Festplatte und Breitbandmodem fällig."

Golem.de: Ab wann wird man die Online-Fähigkeiten der Xbox nutzen können? Wird man dabei an einen bestimmten Breitbandanbieter gebunden sein, oder hat der Anwender die freie Wahl?

Schneider-Johne: Wir werden Online-Spiele anbieten, sobald die Schnittmenge zwischen Breitband-Benutzern und Xbox-Besitzern groß genug ist und wir das System mit allen Anbietern im Markt getestet haben. Das beantwortet schon Teil zwei der Frage: Wir wollen nicht, dass jemand für Xbox seinen Anbieter wechseln muss. Es muss mit möglichst jedem System, sei es Internet per DSL, Satellit oder Stromleitung, funktionieren. Wir reden mit allen relevanten Anbietern in Deutschland und werden das System auf Herz und Nieren testen. In den Verkauf geht es erst, wenn es funktioniert.

Wir können uns kein Debakel wie bei Dreamcast erlauben, wo schon die Einwahl und das Anmelden wochenlang nicht richtig funktionierten. PC-Spieler haben eine hohe Leidensfähigkeit, konfigurieren gerne mal rum oder patchen zwei Wochen lang, bis es geht. Konsolenspieler haben das nicht. Da muss es nach dem Einschalten einfach sofort laufen. Das stellen wir sicher, dann liefern wir Online-Spiele aus. Dieses Kalenderjahr wird das wahrscheinlich nicht mehr der Fall sein.

Golem.de: Laut unseren Informationen soll es den Entwicklern von Spielen freigestellt sein, ob sie ihre Spiele Regional-Code-frei anbieten oder nicht. Gibt es Firmen, die von dieser Option Gebrauch machen werden?

Schneider-Johne: Das ist fast richtig: Es ist technisch möglich, Xbox-Spiele-CDs zu produzieren, die sowohl in Europa wie auch in USA und Japan (und umgekehrt) laufen. Praktisch bedeutet dies aber, dass der Spielehersteller sein Spiel erst auf allen drei Systemen durchtesten lassen muss und erst wenn er die Freigabe für alle drei Regionen hat, auch alle drei Regionalcodes auf die Software aufgebracht werden dürfen.

Bisher war das praktisch nicht möglich, weil niemand für den Release in USA auf das Testergebnis aus Europa warten will. Die Lage sollte sich aber schon im Sommer soweit normalisieren, dass Hersteller von dieser Möglichkeit Gebrauch machen können. Wir prüfen das zurzeit beispielsweise für unsere American-Football-Spieleserie "NFL Fever", die ich gerne auch in Europa für Fans als Import anbieten würde.


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