Test: Xbox - Konsole jetzt auch in Deutschland erhältlich

Als das erste Mal bekannt wurde, dass sich das Redmonder Unternehmen nun auch auf dem Gebiet der Spielekonsolen versuchen will, reichten die Reaktionen von freudiger Erwartung bis hin zu ungläubigem Kopfschütteln. Das Videospielsegment gilt schließlich nicht umsonst als einer der schwierigsten und am härtesten umkämpften Märkte, was durch den Rückzug des einstigen Giganten Sega aus der Hardware-Produktion ein Mal mehr offensichtlich wurde. Kaum eine Frage wurde in den letzten Monaten nun leidenschaftlicher diskutiert als die, ob Microsoft den Platzhirschen Nintendo und Sony ernsthaft Konkurrenz machen könnte.
In den nächsten Tagen wird sich nun zeigen, wie der europäische Markt auf die Einführung der ersten Konsole aus dem Hause Bill Gates reagiert. Wer als erfahrener Konsolenspieler die Xbox erwirbt, wird sich dabei schon rein äußerlich auf eine neue Erfahrung einstellen müssen - das Gerät ist nicht nur deutlich größer als die Konkurrenz aus dem Hause Nintendo und Sony, sondern auf Grund der enthaltenen Hardware auch um einiges schwerer.
Herzstück des Gerätes ist ein mit 733 MHz getakteter Intel-Prozessor - rein von der Rechenleistung her verfügt Microsoft somit über eine schnellere CPU als die Konkurrenten Nintendo und Sony.
Der mit 250 MHz getaktete Grafikchip von Nvidia vermag Ähnliches zu leisten wie die aktuelle GeForce-3-Generation im PC, zudem verfügt die Konsole über einen 64 MByte großen Arbeitsspeicher mit einer Bandbreite von 6,4 GByte pro Sekunde. Die Ethernet-Schnittstelle soll in Zukunft Online-Spiele über eine schnelle Breitband-Verbindung ermöglichen, die knapp 10 Gbyte große Festplatte erlaubt hingegen das Anlegen von Spielständen, ohne dass Memory-Cards dazugekauft werden müssen.
Zwar ist die Xbox mit einem DVD-Laufwerk ausgestattet, von Hause aus ist sie im Gegensatz zur PlayStation 2 allerdings nicht in der Lage, Spielfilme abzuspielen - dafür muss zusätzlich eine knapp 50 Euro teure Fernbedienung erworben werden. Vier Controller-Ports erlauben den Anschluss mehrerer Gamepads oder anderer Eingabegeräte wie etwa Lenkräder, in der Grundausstattung ist allerdings nur ein Pad enthalten.
Die Xbox ist beim Betrieb angenehm leise - im Vergleich etwa zur PlayStation 2 verhält sich das Laufwerk deutlich ruhiger. Dafür vernimmt man allerdings hin und wieder das bisher nur vom PC bekannte Zugriffsgeräusch auf die Festplatte, das aber ebenfalls derart leise ist, dass es kaum störend auffällt. Die Festplatte bietet mit mehr als 50.000 Speicherblöcken immens viel Platz für das Anlegen von Spielständen, das nervige und bei aktiven Spielern ständig auf Grund von Überfüllung nötige Löschen von Spielständen auf der Memory-Card gehört hier also der Vergangenheit an. Natürlich sind trotzdem auch bereits zum Verkaufsstart der Konsole Memory-Cards erhältlich, wer also etwa Spielstände von der eigenen Konsole zu einem anderen Gerät transportieren will, kann dies auch problemlos tun.
Rein von der technischen Seite kann die Xbox also überzeugen, die solide Verarbeitung tut ein Übriges dazu, den positiven Gesamteindruck zu stärken. Allerdings wird zumindest zu Beginn der Markteinführung davon auszugehen sein, dass die Verkaufszahlen überschaubar bleiben - der Verkaufspreis von 479,- Euro dürfte nämlich viele spielebegeisterte User abschrecken, zumal die - zugegeben technisch deutlich schwächere - PlayStation 2 für etwa 299,- Euro erhältlich ist. Im morgigen zweiten Teil unserer Xbox-Serie wird sich Boris Schneider-Johne, PR Manager PC Games und Xbox bei Microsoft Deutschland, unter anderem zum von vielen Usern heftig kritisierten Verkaufspreis äußern.
Zudem ist natürlich die Hardware nur die eine Seite der Medaille - die technisch beste Konsole nützt nur wenig, wenn nicht entsprechende Spiele da sind, die die Fähigkeiten der Hardware auch auszunutzen wissen. Microsoft kann zum Start der Xbox auf ein Line-Up von fast 20 Titeln verweisen, darunter mit Spannung erwartete Titel wie der Ego-Shooter Halo oder das Prügelspiel Dead Or Alive 3. Im dritten Teil des Xbox-Specials am Freitag wird ein Test der ersten Xbox-Software darüber informieren, was von den ersten Spielen zu halten ist.



