Richtfunk am Ende?
ArcTel, die Richtfunk-Tochter von Arcor, baut ihr Richtfunknetz bereits seit November letzten Jahres nicht weiter aus. "Mit möglichen Kooperationspartnern verhandelt das Unternehmen noch immer über eine gemeinsame Fortsetzung des Richtfunk-Engagements" , so Arcor-Pressesprecher Thomas Rompczyk. "Doch sollten die Gespräche zu keinem Ergebnis führen, wird ArcTel den Geschäftsbetrieb zum 31. März 2002 einstellen müssen. Insgesamt wurden die Erwartungen nicht erfüllt. Auf Grund der sehr restriktiven Lizenzvergabe konnte sich das Geschäft nur unzureichend entwickeln."
Bestehende Anschlüsse werden zwar von Arcor weiter betrieben, doch damit setzt sich eigentlich nur der bestehende Trend fort: Aufgegeben haben bisher Callino, Firstmark und Landtel.
Ziel war es, das Monopol der Telekom zu knacken
Ursprünglich sollte mit der Richtfunk-Technik Wireless Local Loop (WLL) die noch heute hart umkämpfte letzte Meile im Ortsnetz überbrückt werden. Das aufwendige Strippenziehen entfällt dank Funktechnologie. Bei ursprünglichen Prognosen der Analysten von mehr als 10 Milliarden Euro Umsatz in Europa bis zum Jahr 2005 starteten die Anbieter trotz aller Probleme in Deutschland anfangs euphorisch. Je nach Anbieter sind die Kunden binnen 14 Tagen angeschlossen. Doch an denen mangelt es vielfach. Aber ist das der Grund? Von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) wurden die Lizenzen in den begehrten Gebieten nicht versteigert, sondern im ersten Durchgang nach einem so genannten "Beauty-Contest" vergeben. In der Hauptsache wurden regionale Lizenzen vergeben. Zersplitterte Lizenzgebiete und ein bundesweiter Flickenteppich waren die Folge. Der Aufbau einer einzigen Sende- und Empfangsanlage verschlingt rund 100.000 Euro. Innerhalb eines Jahres mussten die Anbieter die Basisstationen in den zugeteilten Gebieten aufstellen, um ihre Lizenzen nicht zu verlieren.
Immerhin ist vielen Mittelständlern, den so genannten KMUs (kleine, mittelständige Unternehmen) der Anschluss an den schnellen Datenhighway bisher zu teuer. Als Alternative bleiben meist nur langsame Leitungen, in denen die Daten nur zögerlich übertragen werden. Schnelle breitbandige Standleitungen sind noch immer teuer. Auch DSL wird auf lange Sicht nicht überall problemlos verfügbar sein. Richtfunk ist eine preiswerte Möglichkeit, dieses Defizit zu beseitigen.
Negative Vorgaben aus den USA
Für den Negativtrend sorgen derzeit auch die Vorgaben aus den USA. Dort geht es den Anbietern noch wesentlich schlechter als hier zu Lande. Gewinnwarnungen sind die Regel und auch die großen Systemausrüster wie Lucent und Nortel Networks haben angekündigt, sich aus dem Markt zurückzuziehen, obwohl die nächste Übertragungsgeneration noch einmal für deutlich mehr Geschwindigkeit sorgen soll. Die Entwickler halten eine Steigerung um das Drei- bis Vierfache für realistisch – bei gleichen Systemkosten.
DSL ist wichtiger – sagen die Telcos
Am Ende ist die Richtfunktechnologie zwar nicht, aber hinter vorgehaltener Hand wird geschätzt, dass nach einer längeren Konsolidierungsphase nicht mehr als zwei Unternehmen auf dem Markt verbleiben werden. Dann kann es für diese Firmen sogar wieder attraktiv werden. Doch als Ausweg aus dem Ortsnetzproblem, bei dem letztlich noch immer die Deutsche Telekom AG die Preise für einen Teilnehmeranschluss diktiert, kann der Richtfunk wegen der eingeschränkten Konkurrenz dann sicher nicht mehr gelten. [Von Niels Gründel]
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