BeOS NG - Neue BeOS-Distribution aus Deutschland geplant

Stuttgarter yellowTAB-Team will BeOS wiederbeleben

Kurz nachdem Be von Palm übernommen wurde, überrascht das Stuttgarter Unternehmen yellowTAB Solutions mit der Ankündigung, eine eigene BeOS-Distribution auf den Markt bringen zu wollen. Die Idee dazu soll bereits vor 15 Monaten geboren worden sein, als Be sich mehr auf die Entwicklung des Embedded-Betriebssystems BeIA konzentrierte und die Weiterentwicklung des Desktop-Betriebssystems nahezu einstellte.

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Um seine eigene BeOS NG (NG = Next Generation) getaufte Distribution auf den Markt bringen zu können, hat das yellowTAB Team Vereinbarungen mit Be Inc. und anderen Unternehmen geschlossen. So darf yellowTAB die kostenlos angebotene Personal Edition (BeOS 5 PE) als Basis für seine Distribution verwenden, versucht dies aber auf die Pro-Version auszuweiten, um lizenzrechtlich zu 100 Prozent abgesichert zu sein.

Auf Nachfrage von Golem.de hat yellowTAB weder bestätigt noch verneint, den Quellcode von BeOS erhalten zu haben. Eine Stellungnahme von Palm zur Nutzung des Quellcodes steht noch aus. Die Palm-Tochter Platform Solutions erklärte am 14. Januar gegenüber der Fanseite BeUnited.org, dass man den BeOS-Quellcode nicht in Lizenz vergeben werde. Somit müsste yellowTAB noch eine Vereinbarung mit Be Inc. getroffen haben, die möglichst eine langfristige Gültigkeit hat.

Als Standard-Webbrowser soll BeOS NG die Software Opera 3.62 beiliegen; eine entsprechende Vereinbarung mit Opera Software wurde bereits getroffen. Die europäischen BeOS-Distributoren Koch Media und die französische Softline-Tochter Apacabar sollen bereits ihre Unterstützung für BeOS NG zugesagt haben.

Auch das US-Unternehmen Gobe Software, Anbieter des einzigen Office-Pakets (Gobe Productive) für BeOS und US-Distributor des Betriebssystems, soll bereits Interesse an dem yellowTAB-Konzept gezeigt haben - sowohl als Distributor als auch als Entwickler. Das yellowTAB-Team zeigt sich zuversichtlich, dass weitere Softwarehäuser und Entwickler ihre Unterstützung für BeOS NG zusagen werden; viel positives Feedback soll es bereits gegeben haben.

YellowTAB will mit BeOS NG eine Alternative für diejenigen bieten, die neben Windows ein zweites Betriebssystem nutzen wollen und die Linux zu kompliziert finden. BeOS NG soll mit einer überarbeiteten Installationsroutine ausgestattet sein, zahlreiche neue Hardware-Treiber mitbringen und aktuelle Software vom Spiel bis hin zu Compilern für verschiedene Programmiersprachen enthalten.

Zudem soll die yellowTAB-Homepage als News-Webseite, Forum, Download-Zentrale und als Onlineshop für kostenpflichtige BeOS-Anwendungen ausgebaut werden, ähnlich der mittlerweile geschlossenen Website BeBits. Den früher regelmäßig von Be versandten "BeVeloper" E-Mail-Newsletter für Entwickler und Profi-Anwender will yellowTAB weiterführen. BeOS/BeIA-Entwickler sollen darüber hinaus einen eigenen, nicht-öffentlichen Bereich geboten bekommen, für den man sich registrieren muss. Das bisher deutschsprachige, gedruckte BeOS Magazin "InsideBeOS" soll in Zukunft Nutzer weltweit über BeOS-Neuigkeiten informieren und wird zu diesem Zweck nur noch in Englisch erscheinen.

Bernd Torsten Korz, Geschäftsführer von yellowTAB, nannte gegenüber Golem.de "um den April 2002" als Wunschtermin für die Auslieferung von BeOS NG. Betatester sollen voraussichtlich in etwa sechs bis acht Wochen entsprechende Updates erhalten. Die offizielle Website www.yellowtab.com soll in der nächsten Zeit Stück für Stück um die geplanten Dienste erweitert werden. Neben der Ankündigung von BeOS NG finden sich dort derzeit nur einige Screenshots des neuen Installers.

Kommentar:
Diese Ankündigung kommt etwas überraschend, ging man doch davon aus, dass der Verkauf von Be an Palm den endgültigen Todesstoß für BeOS und dessen Fangemeinde darstellte. Mit der Veröffentlichung von BeOS NG könnte wieder etwas frischer Wind durch die BeOS-Gemeinde wehen, insbesondere nachdem bereits viele BeOS-zentrierte Webseiten aufgegeben haben. Selbst wenn yellowTAB den Quellcode zur Weiterentwicklung lizenzieren konnte, wird das Unternehmen viel Überzeugungsarbeit bei Entwicklern und Anwendern leisten müssen, um wieder Vertrauen in die Zukunft von BeOS wecken zu können. Ansonsten bliebe hartgesottenen BeOS-Fans nur noch, auf die Ergebnisse des Open-Source-Projekts OpenBeOS oder das französische Projekt BlueOS zu warten, sofern diese "BeOS-Clones" vollendet werden.

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