Analyse: Filme im Internet - bewegte Bilder, heiße Köpfe

Dazu muss man etwas ausholen:

  1. Es gibt inzwischen (fast) alles. Insbesondere natürlich Material aus den USA. Dort finden sich ganze Szene-Gruppen, die die Woche über nichts Besseres zu tun zu haben scheinen, als aktuell laufende TV-Serien mitzuschneiden, sie in via Netz transportable High-Quality-Formate zu übertragen und sie dann zwei Tage später in die Wildnis zu entlassen, die das Internet ist. Gleiches gilt für die derzeit laufenden Kinofilme: Häufig werden die in Südostasien per Videokamera aufgezeichneten Streifen, die man dort als Video-CD-Raubkopie auf dem Schwarzmarkt kaufen kann, eins zu eins ins Netz übernommen und verbreitet.

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  2. Findbar sind Videos im Netz an allen Ecken und Enden. Da wären zum einen die Tauschbörsen, insbesondere ihre fortschrittlichen Varianten wie eDonkey2000, FastTrack (Musiccity, KaZaA) oder die diversen Gnutella- und OpenNap- Netzwerke. Wer weiß, wie die Bewegtbilder heißen, die er sucht, wird fündig, sollte der Content populär genug sein. Unter Umständen muss man jedoch lange Download-Zeiten in Kauf nehmen.

    Zum anderen gäbe es da aber auch noch die in letzter Zeit wieder erstarkten Nachrichtengruppen des Usenet: Hier hat so gut wie jede populäre US-Serie von "B" wie "Buffy The Vampire Slayer" bis "X" wie "X-Files" eine eigene "Binaries"-Gruppe. Kinofilme werden nach Formaten getrennt verbreitet. Die Technik erlebt vor allem deswegen eine Renaissance, weil man, verkürzt gesagt, einen Inhalt an einer Stelle hineingeben kann, der sich an vielen Stellen wieder herausholen lässt. Aber nur professionelle Usenet-Anbieter, die 10 Dollar und mehr im Monat kosten, bieten alle notwendigen Einzelteile jedes "Postings", die man benötigt, um Newsgroup-Videos auch wirklich auszupacken. Die dort verschickten Datenmengen einzelner User gehen inzwischen nicht selten in den Gigabyte-Bereich - pro Tag(!).

    Last, but not least, bliebe noch der Hinweis auf den guten, alten Internet Relay Chat (IRC): Auch hier finden sich in Netzen wie beispielsweise dem DALnet jede Menge Kanäle (Channels), die sich bestimmten US-Serien oder auch Kinofilmen widmen. Da moderne IRC-Clients wie mIRC schon lange eigene Fileserver eingebaut haben, loggt man sich quasi bei einem anderen User, der an einer Standleitung hängt, über eine Direktverbindung ("DCC") ein. Mittels Unix-artiger Kommandos wird der Transfer eingeleitet. Auch hier ist die Zuverlässigkeit und Download-Geschwindigkeit von der Anbindung des "Providers" abhängig, außerdem gibt es häufig Warteschlangen, so genannte Queues. Sowohl im Usenet als auch im IRC hat sich, auf Grund der sichtbaren Interaktion beider an der Transaktion beteiligter Parteien, eine Art Geschenkekultur etabliert. Uploader und Fileserver-Betreiber werden mit Lob und Dank überschüttet: Virtuelle Streicheleinheiten für neuen "Stoff". In den Tauschbörsen geht es anonymer zu.

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  3. Das Herunterladen von Videos aus dem Netz wird, im Gegensatz zum Hochladen, derzeit kaum verfolgt. Das könnte sich mit Gesetzesvorhaben wie der neuen EU-Urheberrichtslinie, die etwa auch gegen Tools vorgeht, mit denen sich DVDs kopieren lassen, durchaus ändern. Zurzeit verfolgt Hollywood vor allem all jene, die Material anbieten. Unter Umständen macht man sich etwa schon durch das im eigenen Verzeichnis liegende Video-File strafbar, das sich ein Tauschbörsenpartner downloaden könnte. Mehr als ethisch kritisch ist außerdem das "Saugen" von Filmen und Serien, die bereits im Heimatland auf DVD vorliegen. Damit zieht man eine Raubkopie dem Original vor. Wer jedoch jede Woche die neueste Folge von 'Enterprise' (neue Startrek-Serie in den USA) zum Überleben braucht, die er hier zu Lande vielleicht erst in zwei Jahren zu Gesicht bekommt, verdient zumindest Mitleid.

  4. Die Content-Wirtschaft ist zwar entsetzt und versucht sich zu wehren - erst kürzlich wurde international gegen die Piraterie-Truppe 'DoD' ermittelt, die auch viele Filme verbreitete - doch genauso wie im Musiksegment, wo es noch immer keine vernünftigen Pay-Dienste mit dem gesamten Angebot gibt, das man sich kostenlos herunterladen könnte, sind legale Video-Dienste im Netz noch dünn gesät. Von geplanten großen Joint Ventures gibt es bislang nichts als Ankündigungen. Einzelne Dienste, die den inzwischen veralteten Begriff 'Video On Demand' erneut zum Leben erwecken wollen, scheitern an einem schlechten Inhalte-Angebot. Außerdem stellen sich die globalen Film-Konzerne selbst ein Bein: Ihre Verwertungsketten sind so ausgeklügelt, dass sie mit einem vorzeitigen weltweiten Internet-Verkauf etwa einer TV-Serie möglicherweise ihr Geschäft im Ausland ruinieren würden.

    Klar ist nur eins: Es muss sich etwas tun. Erneut ist das illegale Angebot attraktiver als das legale. So lässt sich kein Geld verdienen.

Fazit:
Echtes Multimedia hat das Internet erreicht. Nun muss sich nur noch zeigen, wie die Technik sinnvoll für die Inhaltewirtschaft zu Geld gemacht werden kann. Derweil freuen sich vor allem Hard- und Software-Hersteller über das Neugeschäft in diesem noch "grauen" Markt. Wozu bräuchte man sonst wiederbeschreibbare DVDs, CD-R(W)s in rauen Mengen und Festplatten mit 160 Gigabyte Kapazität? Von TV-Karten, die inzwischen direkt in (S)VCD encoden können, ganz zu schweigen. [von Ben Schwan]

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 Analyse: Filme im Internet - bewegte Bilder, heiße Köpfe
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Hans Sack 25. Aug 2003

blödsinn. divx (alle: 3, 4 und 5) und auch andere (z.b. xvid) können qualitätsoptimiert...

nw42 14. Jan 2002

"warum soll ich 1-2 millionen $ in den aufbau eines künstlers stecken, wenn ich nichts...

nw42 14. Jan 2002

"Man kann in anderen Branchen wesentlich mehr Geld verdienen und eine viel lukrativere...

Czeanne 14. Jan 2002

krass formuliert, keine frage - aber im ernst: warum soll ich 1-2 millionen $ in den...



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