Softwareverband stellt freie Software in Frage
Gallist weist darauf hin, dass "die Auslieferung von Quellcodes ein schon seit Jahren praktizierter Bestandteil der Softwarelizenzierung in Deutschland ist und heute von fast jedem Softwarehersteller angeboten wird." Er wirft Riek in diesem Zusammenhang vor, künstliche Gegensätze aufzubauen.
Für eine Entscheidung des deutschen Bundestages sollten nach Meinung von Gallist vor allem die Fragen entscheidend sein:
- Wie steht es um die Zukunftssicherheit von IT-Investitionen?
- Sind Fragen der Gewährleistung eindeutig geklärt?
- Kann ich mich auf sofortige technische Hilfe bei Problemen verlassen, 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche?
- Ist es zulässig, einen "neuen" Ansatz von Softwareentwicklung einseitig zu fördern und damit das gesamte Geschäftsmodell der deutschen Softwareindustrie in Frage zu stellen?
Weiterhin führt Gallist an, dass das "klassische" Modell, das Software als geistiges Eigentum des Programmierers betrachtet, die Grundlage eines überaus erfolgreichen Geschäftsmodells darstellt. "Auf der Basis der Lizenzierung von Software sind zahlreiche erfolgreiche Unternehmen entstanden, die heute Tausende von IT-Spezialisten beschäftigen. Im Laufe der Jahre haben sich flexible Strukturen gebildet, die sich immer wieder auf schnell ändernde Marktbedingungen einstellen mussten – man denke nur an die rasante Entwicklung, die durch das Internet hervorgerufen wurde. Diese Softwarehersteller haben jahrelange Erfahrungen mit Unternehmen gesammelt, ihre Produkte optimiert und auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. Unter dem Gesichtspunkt der Investitionssicherheit sind dies Argumente, die schwerlich zu entkräften sein dürften."
Gerade die Gewährleistung sieht Gallist als einen Punkt, der auch für den deutschen Bundestag von beträchtlichem Interesse sei. "Hier vermisse ich bis heute ein klares Statement, wie es sich damit bei 'Open Source' verhält." Auch zweifelt Gallist an, dass im Open-Source-Bereich rund um die Uhr eine kompetente Hilfestellung zu erhalten ist.
Zudem führt Gallist den Anteil der Software-Industrie an der Bruttowertschöpfung der Bundesrepublik Deutschland an, die mit 52 Milliarden DM größer ist als die Bruttowertschöpfung von Fischerei, Land- und Forstwirtschaft zusammen (42,77 Milliarden DM). "Diese Wertschöpfung von über 20.000 Unternehmen sichert neben Tausenden von Arbeitsplätzen heute auch die Innovationskraft von morgen." Der Ansatz von "freier Software" stelle dagegen das seit Jahren erfolgreiche Geschäftsmodell des Großteils der Software-Unternehmen in Deutschland in Frage. Damit seien hohe Risiken bis hin zu einem Ansteigen von Insolvenzen im Software-Bereich verbunden, die zu entsprechendem Stellenabbau führen können, so Gallist.
"Das teilweise angeführte 'Open Source Patent', ein von öffentlicher Hand finanziertes Subventionsmodell als Anreiz zur Entwicklung von Software, ist sicherlich keine Alternative zu einem funktionierenden und erfolgreichen Geschäftsmodell in einer Zukunftsindustrie!"
Gallist fordert weiter, dass die Entscheidung, ob "freie Software" für die Bewältigung der Aufgaben des deutschen Bundestags eine Alternative zu jetzigen Lösungen darstellen kann, auf sachlichen Gesichtspunkten beruhen müsse und keine Lösung bereits im Vorfeld aus politischen Gründen ausgeschlossen werden darf. "In jeder Hinsicht ist der Versuch, die Bundesregierung und die Bundestagsverwaltung als Marketinginstrument zu missbrauchen, abzulehnen und sollte nicht zum Erfolg führen."
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