Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Spieletest: IL2 Sturmovik - Zweiter-Weltkrieg-Flugsimulation

Flugsimulator für russische und deutsche Kampfflugzeuge und Bomber. Die lang erwartete Flugsimulation IL-2 Sturmovik beschäftigt sich mit dem Kampf zwischen der deutschen Luftwaffe und der Roten Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Der Schwerpunkt des Spiels liegt eindeutig auf den russischen Kampfflugzeugen und Bombern, während von den deutschen Modellen gerade einmal verschiedene Varianten der Me-109 und der FW-190 flugbereit sind. Auf russischer Seite hingegen sind neben dem namensgebenden Kampfbomber IL-2 Sturmovik in ein- und zweisitzigen Varianten auch zahlreiche Jäger zu finden.
/ Andreas Donath
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Der Spieler kann entweder Einzelmissionen wählen, denen bestimmte Maschinen zugeordnet sind, oder aber auf deutscher oder russischer Seite eine Kampagne durchspielen. Bei der sowjetischen Kampagne kann man zudem wählen, ob man lieber Jäger oder besagte Bomber fliegen möchte. IL-2 Sturmovik ist auch netzwerkfähig. Bis zu 32 Spieler können gegeneinander oder miteinander kämpfen, wobei es hier wie bei vielen anderen Onlinespielen erste Clans gibt, die sich mit anderen Gruppen messen.

Insgesamt besitzt das Spiel rund 30 flugfähige Modelle, während zahlreiche weitere Typen zwar als Gegner oder Verbündete auftauchen, aber nicht selbst geflogen werden können. Die Missionstypen variieren je nach geflogener Maschine von Begleit- und Erkundungsflügen bis hin zu Bombeneinsätzen.

Die Fangemeinde(öffnet im neuen Fenster) arbeitet allerdings schon seit Monaten daran, die fehlenden Cockpits der einzelnen Maschinen in 3D-Programmen zu entwickeln und so dürften auch bald Doppeldecker, mittlere und schwere Bomber und weitere Jagdflugzeuge vom Spieler gesteuert werden können. Sämtliche Flugzeuge können mit eigenen Tarnmustern und Kennzeichen belegt werden - natürlich haben die Fans schon zahlreiche derartige Skins anhand originaler Vorlagen erstellt und bieten diese zum Download an.

Darüber hinaus verfügt IL-2 Sturmovik über zwei Missionsgeneratoren. Bei der einfachen Variante wählt man nur die Zahl und die Typen der eigenen und gegnerischen Maschinen, deren Bewaffnung sowie Karte, Flughöhe und Bodenobjekte aus und kann dann direkt in das Geschehen eingreifen. Gegenüber den Einzelmissionen und Kampagnen besteht hier vor allem die Möglichkeit, direkt in Feindberührung zu kommen, ohne Start, längere Flüge und die bei manchen, besonders deutschen Maschinen, realistisch sehr schwere Landung absolvieren zu müssen. Die kompliziertere Variante des Missionseditors erlaubt hingegen, anhand einer Karte sämtliche Objekte genau zu positionieren und ihre Flug- bzw. Fahrtrichung und ihre Ziele anzugeben. Die Karten reflektieren die wichtigsten Kriegsschauplätze, wie die Gegend um Kursk, Stalingrad, Moskau und Berlin sowie die der Krim.

Der Detailgrad der Maschinen und die Realitätstreue des Flugverhaltens sind so hoch, dass es gelang, anhand von Kopien originaler Bedienanleitungen einzelner Flugzeuge die einzelnen Knöpfe in den Cockpits wieder zu finden und die echten Start- und Landeanweisungen nachvollziehen zu können. Auch die sichtbaren Beschädigungen an eigenen und gegnerischen Flugzeugen sind enorm detailliert dargestellt und wirken sich natürlich auf das Flugverhalten aus. Die Waffenwirkung bei hohen Schwierigkeitsstufen führt einem vor Augen, dass es bei dem geringen Munitionsvorrat, den damalige Maschinen mit sich führten, kaum möglich war, mehr als ein Ziel anzugreifen.

Auch das Flugverhalten der Maschinen - obwohl historisch natürlich unüberprüfbar - scheint zumindest realitätsnah zu sein. Wer sich zunächst lieber nicht mit allen Details beschäftigen möchte, kann auch solche Schwierigkeitsgrade wählen, die es auch Anfängern ermöglichen, die Maschinen in der Luft zu halten und den Gegner nicht nur im Nacken, sondern auch einmal im Visier zu haben.

Bei den Landungen kommt es beispielsweise bei der Me-109 oft zu den berüchtigten Überschlägen, wenn zu heftig gebremst wird. Gerade die deutschen Cockpits sind derart überfrachtet und unübersichtlich, dass man kaum Bodensicht hat, fast blind landet und startet und sich auf seine Instrumente verlassen muss. In niedrigen Schwiergkeitsstufen lässt sich das Cockpit deshalb auch ausblenden.

Die Landschaftsdetails, Licht- und sonstigen Effekte markieren ebenfalls einen neuen Höhepunkt bei PC-Flugsimulatoren. So werden nicht nur einzelne Panzer und andere Bodenobjekte animiert dargestellt - sie schießen auch noch auf gegnerische Bodeneinheiten und bewegen sich im Gelände. Kondensstreifen, Rauch, Regen und Schnee sind zwar rechenintensiv und sollten wegen der besseren Spielbarkeit wirklich nur auf sehr schnellen Rechnern mit mindestens GeForce2-Karten angeschaltet werden, tragen aber zur Atmosphäre des Spiels enorm bei. Wolken mit feinsten Strukturen sowie Sonnenauf- und -untergänge bereichern das Spiel zusätzlich. Vor allem Wolken und die Sonneneinwirkung haben aber nicht nur optische Effekte, sondern wirken sich auch taktisch aus - so erkennt man tieffliegende Verbände selbst durch aufgelockerte Wolkenformationen kaum und kann beim Blick in Richtung Sonne den Gegner aus den Augen verlieren. Auch die gegnerischen Computerpiloten sind von diesen Effekten betroffen. Deren künstliche Intelligenz gehört mit zum Besten, was heutige Flugsimulatoren zu bieten haben.

Lediglich beim Ton ist aufgefallen, dass zwar bei den Propellermaschinen alles in Ordnung scheint, bei den beiden Düsenjägern im Spiel ist jedoch ein laut vernehmliches unrealistisches "Pling" im Vorbeiflug zu hören, das in einem Patch eventuell ausgetauscht werden sollte. Enorm zur Atmosphäre trägt der simulierte Funkverkehr in Deutsch und Russisch bei, der sogar unterschiedliche Dialekte berücksichtigt und sich keineswegs auf die sonst üblichen "Achtung auf 12 Uhr"-Meldungen beschränkt. Wer auf deutscher Seite fliegt, wird sich vielleicht über Begriffe wie Möbelwagen (schwerer Bomber), Vitamine und ähnliche Begriffe wundern und sie für Übersetzungsfehler halten - tatsächlich handelt es sich dabei um die zeitübliche Pilotensprache, die von den Sprechern außergewöhnlich packend wiedergegeben wird.

Für das Spiel gibt es derweil schon eine Erweiterung(öffnet im neuen Fenster) vom Hersteller, die die FW 190 A-5 flugfähig macht, diverse Waffenrüstsätze wie ungelenkte Raketen für diese Ausführung und die FW 190 A-4 mit sich bringt und einige Fehler bereingt. So springt die Überziehwarnung nicht mehr an, wenn das Flugzeug durch Treffer durchgerüttelt wird. Zudem versuchen Flugzeuge mit defekten Triebwerken nicht länger in der Formation zu bleiben und auch mehrmotorige Bomber öffnen nun ihre Bombenschächte beim Notabwurf.

Fazit:
An IL-2 Sturmovik wurde fast fünf Jahre lang entwickelt. Die russische Spieleschmiede Maddox Games hat mit der Simulation einen neuen Meilenstein gesetzt, der sowohl Anfängern als auch hartgesottenen Fans die Möglichkeit gibt, ein atmospärisch dichtes Spiel mit einer unglaublichen Detaillierung sowohl in optischer als auch in fliegerischer Sicht zu erleben, das zudem von der Fangemeinde weiter ausgebaut werden wird und so kaum langweilig wird. Durch ein gutes Handbuch und Shortcut-Karten sowie die im Spiel vorhandenen Trainingsfilme kann man sich nach einiger Zeit auch den hohen Schwierigkeitsgraden zuwenden.


Relevante Themen