Spieletest: Tony Hawk 3 - Besser skaten als je zuvor
Fortsetzung des Kult-Titels auf höchstem Niveau. Und er rollt und rollt und rollt: Nachdem es Activision aller anfänglichen spöttischen Kommentare zum Trotz gelungen ist, mit Tony Hawk praktisch ein komplett neues Sportspielgenre an PC und Konsole zu etablieren, geht die Skateboard-Simulation nun bereits in die dritte Runde. Und, kaum zu glauben, aber wahr: Die schon im Vorgänger fast perfekte Spielbarkeit wurde nochmals verbessert.
Activision macht vor, wie Multi-Plattform-Entwicklungen aussehen können: Neben der in Deutschland bereits erhältlichen (und hier getesteten) PlayStation-2-Version erscheint Tony Hawk 3 auch für die PSOne und demnächst noch in Varianten für den Gamecube, die Xbox, den PC und den Game Boy Advance, man ist also nicht auf eine bestimmte Plattform angewiesen, um in den Genuss der wohl besten Rollbrettsimulation zu kommen.
Natürlich haben die Entwickler von Neversoft den Spielablauf prinzipiell nicht verändert: Nachdem man sich aus einer Reihe bekannter Skater wie eben Tony Hawk, Eric Koston oder Chad Muska seinen eigenen Favoriten ausgesucht und das Design des eigenen Decks bestimmt hat, darf man sich entweder einfach zum Spaß ein wenig im Skatepark herumtreiben oder gleich den sehr motivierenden Karrieremodus anwählen. In diesem müssen dann in bestimmten und sehr unterschiedlichen Lokalitäten wie etwa einer Gießerei oder auf einem verschneiten kanadischen Parkplatz eine Reihe von Aufgaben erfüllt werden.
Dabei stehen einem immer 2 Minuten zur Verfügung, um die Ziele nach und nach abzuarbeiten. Neben den noch recht überschaubaren Aufgaben, wie etwa durch möglichst einfallsreiche Trickkombinationen neue Highscores aufzustellen, müssen auch Objekte eingesammelt werden oder Wege ausfindig gemacht werden, wie man bestimmt nicht einfach zugängliche Plattformen erreicht. Hinzu kommen witzige Nebenquests, so muss mal durch einen gekonnten Grind am Wasserbehälter einer der zahlreichen virtuellen Charaktere nass gespritzt werden oder ein mit der Zunge am Baum festgefrorener Typ befreit werden.
Sind die ersten Ziele erfüllt, wird ein weiterer Level freigeschaltet, zudem wird mit der Zeit auch die Auswahl an Boards und Ausrüstung größer. Wer zudem Statistikpunkte einsammelt, kann diese dazu nutzen, um eine der vielen Eigenschaften zu verbessern und so noch bessere Stunts zu fabrizieren. Sollte man an den vorgegebenen und sehr abwechslungsreichen Levels, die mit deutlich mehr Überraschungen und Interaktionsmöglichkeiten aufwarten als in den vorherigen Titeln, dann doch nach einiger Zeit keinen Gefallen mehr finden, kann man im Editor eigene Kurse erstellen sowie auch seinen eigenen Traumskater bis hin zur gewünschten Haarfarbe kreieren.
Auch optisch ist Tony Hawk 3 eine wahre Augenweide: Die Animationen sind deutlich realistischer, die Bewegungen der Skater sind so fließend wie nie zuvor. Zudem sind auch die Level an sich wirklich hübsch geworden, die teils etwas groben Objekte der ersten beiden Spiele sind definitiv passé. Musikalisch wird der gewohnt hervorragende Cocktail aus Punkrock und Crossover geboten, in punkto Stimmung und Atmosphäre gehörte Tony Hawk allerdings schon vorher zu den wirklichen Ausnahmespielen.
Durch eine Überarbeitung der Steuerung gehen auch kompliziertere Tricks nun deutlich leichter von der Hand, was auf der anderen Seite allerdings ein klein wenig zu Ungunsten des Realismus geht - einige der hier vollbringbaren Combos wären wohl auch von wirklichen Profi-Skatern kaum praktisch durchführbar. Der Schwierigkeitsgrad ist wieder einmal nicht ohne, schon in den ersten Levels müssen Tricks vollführt werden, für die Einsteiger einige Zeit brauchen werden. Wirklich unfaire Stellen sind aber nicht zu finden, so dass die Motivation auch auf längere Sicht ungebrochen hoch ist.
Fazit: Wirklich herausragende Fortsetzungen übernehmen sämtliche guten Eigenschaften des Vorgängers und ergänzen sie durch auffällige Verbesserungen - insofern ist Tony Hawk 3 nahezu perfekt. Neue, deutlich verbesserte Grafik, größere und weitaus spannendere, interaktivere Level sowie neue Tricks und Stunts gehören zu den auffälligsten Neuerungen, an der einfachen Steuerung und dem fesselnden Spielprinzip konnte sowieso kaum noch etwas verbessert werden. Wer eine PlayStation 2 besitzt und sich nur halbwegs für diese Art von Spiel erwärmen kann, braucht diesen Titel, PC-Spieler können sich schon einmal auf Anfang des nächsten Jahres und die Umsetzung des Titels für "ihre" Plattform freuen.